Damenriege

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Queere Musik für den Herbst

CocoRosie ist queer, mal düster, mal kindlich, mal einfach nur schön. Und es ist der perfekte Herbstsoundtrack.

Letzten Freitagabend drehte sich gleich drei Freunde unabhängig voneinander nach mir um und fragte mich: «Du, sind die beiden eigentlich lesbisch?» Wir sind in der Aktionshalle der Roten Fabrik, auf der Bühne spielt eine meiner Lieblingsbands, CocoRosie, und im Publikum befinden sich tatsächlich eine beachtliche Anzahl weiblicher Homosexualisten, aber ich muss mir eingestehen: Ich weiss wirklich nicht, für welches Team die beiden Schwestern Sierra und Bianca Casady spielen.

Eine rechercheintensive Weile später bin ich schlauer und schäme mich fast ein bisschen dafür, nicht selbst so weit gedacht zu haben. Sierra bleibt ein Mysterium, Bianca spricht offen über ihre Sexualität. «Ich bin ehrlich gesagt erstaunt, dass die Leute nicht mehr darüber reden», sagt Bianca Casady gegenüber afterellen.com. «Vielleicht leben wir noch immer in einer so homophoben Kultur, dass es die Leute, die mich mögen, einfach nicht hören wollen.»

Tatsächlich ist es erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Bianca auf der Bühne und mit ihren Drag-Kosümen eher theatralisch wirkt. «Ich finde es interessant, dass ich als weibliche Künstlerin in der heutigen Zeit regelmässig in Männerkleidern auftreten kann, ohne dass es wirklich jemand wahrnimmt. Im Gegensatz dazu wird die Transsexualität von Künstlern wie Antony [von Antony and the Johnsons] in den Medien regelrecht ausgeschlachtet. Ich fühle mich frei und unsichtbar.»

Ganz abgesehen davon liefert CocoRosies neues Album Grey Oceans den perfekten Soundtrack für die kalte Jahreszeit. Das Video hier poste ich für meine Frau Weg, weil sie es lieben wird. Regisseurin Emma Freeman schreibt dazu: «Mit einer dreiköpfigen Crew haben wir während drei Tagen in Central Victoria, Australien, gedreht. Das ganze Musikvideo bewegt sich im Bereich der gotischen Fabel.»