Damenriege

Schluchtenscheisser mit Unterschied

Zürich und Wien sind die grössten Städte der benachbarten Kleinstaaten. Löwenherz mag beide – für ihre jeweiligen Vorteile.

Was vielleicht am meisten auffällt: Der Chill-Faktor von Wien ist ungleich grösser als derjenige der Limmatstadt. Obs am Vermächtnis Zwinglis liegt? O-Ton eines Zürcher Freundes: «Zwingli ist der Grund, warum so viele Zürcher noch immer einen Stock im Allerwertesten haben.»


Wenn ich in Wien erzähle, dass es nichts Ungewöhnliches war, in Zürich um 19 Uhr oder später Feierabend zu machen, reiben die sich ungläubig die Augen. In einer Stadt, in welcher die Rush Hour um halb vier beginnt und um halb sieben vorbei ist, stösst sowas auf Unverständnis. Jo mei, wann soll man da noch Zeit haben, es sich im Kaffeehaus mit einem «Kaffeetscherl» oder «am Achterl Rot’n» gemütlich zu machen?!

 «Des machma scho...»

Während in Wien die Leute scheinbar arbeiten um zu leben, ist es in Zürich andersrum. Dennoch habe ich in der Donaustadt auch die zwinglianische Effizienz zu schätzen gelernt – wenn man nachmittags um drei vor verschlossenen Amtstüren steht, beispielsweise. Oder wenn man herausfindet, dass «das mit der Deadline doch nicht so strikt gemeint war». Ich wollte der einen Schweizerin in Wien ja nicht glauben, als sie mich am Anfang meines Aufenthaltes grinsend gewarnt hat: «Wien ist tiefster Osten, das wirst du schon noch merken.»

Dennoch fand ich es beim gestrigen Flug von Wien nach Zürich irgendwie bezeichnend, dass der Pilot den Gästen bei der Landung einen «schönen und erfolgreichen Aufenthalt in Zürich» wünschte.

Oh, long live Swiss success!