Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Rückblick auf 12 Jahre Geburtstagspartys

Es war wieder so weit: Die Kinder von Sandra C. feierten ihre Geburtstage, die genau sechs Tage auseinander liegen. Und dieses Jahr empfand die Familienbloggerin diese eine Woche nicht mal als besonders stressig. Vielleicht, weil sie ihre Ansprüche an die Geburtstagspartys mit den Jahren immer wieder etwas runtergeschraubt hat. Vielleicht aber auch einfach, weil die Kinder grösser werden. So war zwar die elterliche Präsenz bei beiden Feiern noch erwünscht - aber bitte nur am Rande. Und die mittlerweile 12-Jährige hat sogar ihren Kuchen selbst gebacken. An alle Geburtstagsfest-geplagten Kleinkind-Eltern: Es wird besser! Lest selbst.
Themenbild Familienblog Kinder Geburtstag
© istockphoto

Disco, Marienkäfer-Muffins und Girlie-Party auf dem Reiterhof: Sandra C. erinnert sich an die schlimmen und weniger schlimmen Geburtstagsfeste ihrer Kinder.

Der Allererste
Was für eine Aufregung! Mein Töchterlein, mein Augenstern, mein hyperintelligentes Superbaby hatte einen 365-tägigen, unglaublichen Entwicklungs-Spurt hingelegt. Das musste gefeiert werden. Mit einer extra bestellten Riesentorte mit Foto, einem selbst gebackenen Kuchen, einem Haufen Gäste und noch mehr Geschenken. Den Kuchen verschmierte sich die kleine Intelligenz-Bestie im Gesicht, die Kerze drauf versuchte sie aufzuessen, die meisten Gäste erfreute sie durch Nicht-Beachten und das Geschenkpapier interessierte sie mehr als die Geschenke selbst.

Der Zweite
Ich war höchst schwanger und kurz vorm Platzen. Zudem hatte ich mir genau auf den Geburtstermin meines zweiten Kindes hin noch eine Magen-Darm-Grippe eingefangen. Nun ja, ist auch ein Erlebnis, irgendwie, wenn du versuchst, auf dem Klo deinen Bauch so zu platzieren, dass du beim Kotzen die Schüssel triffst, während deine Zweijährige im Nebenraum Geschenke auspackt.

Der Dritte/der Erste
Objektiv ein schönes Festli für zwei kleine Kinder, die ab jetzt ihre Geburtstage gemeinsam feiern würden: nette Gäste, feines Essen, tolle Geschenke. Subjektiv der Schlimmste von allen. Ein paar Monate zuvor war urplötzlich mein Vater gestorben - er erlebte nicht mal den ersten Geburtstag seines Enkels. Ich erinnere mich daran, dass der Kleine Gehversuche mit einem rosa Puppenwagen machte, für den seine Schwester sich null interessierte. Vor allem aber erinnere ich mich daran, den ganzen Tag tapfer zu lächeln und zu versuchen, nicht loszuheulen.

Der Vierte/der Zweite
Wie gehabt, ein gemeinsames Fest für beide am Wochenende. Dazu an den Geburtstagen selbst ein Besuch im Kinderzoo bzw. im Indoor-Spielplatz. Easy.

Der Fünfte/der Dritte
Mit dem Kindergarteneintritt begann ein neues Geburtstagsparty-Zeitalter: Ab sofort durfte ich nicht mehr nur meine eigenen Freunde und deren Kinder an die Party einladen, sondern musste auch die Gspänli meiner Tochter berücksichtigen - egal, ob ich sie und/oder ihre Eltern kannte und/oder mochte. Ausserdem gab es ein separates Festli im Kindergarten, zu dem die perfekte Mutter - die ich mich zu sein bemühte, vor allem, seit ich mitgekriegt hatte, dass man sich wegen meiner hochprozentigen Berufstätigkeit das Maul zerriss - Kuchen oder Muffins mitbrachte. Selbstgebacken, versteht sich! Ich glaube, meine Marienkäfer-Muffins hatten nicht die geringste Ähnlichkeit mit Marienkäfern.

Der Sechste/der Vierte und der Siebte/der Fünfte
Der ganz normale Wahnsinn: Gästelisten erstellen, Wunschlisten abhaken, Themen-Wünsche anhören und entsprechende Dekorationen einkaufen - von Hello Kitty und My Little Pony bis zu Cars und Spiderman - Spiele ausdenken, vorbereiten, dekorieren, Ballone aufblasen, bis mir die Puste ausging. Und vor allem: Backen bis zum Umfallen. Für die Krippe, den Kindergarten, die Schule, die Party. Für mich als Back-Banausin der pure Stress!

Der Achte/der Sechste
Irgendwann hatte es ja so kommen müssen - ich hatte einfach gehofft, das gehe nicht so schnell: Die Grosse wollte keine gemeinsame Geburtstagsparty mehr mit dem kleinen Bruder. Den ganz normalen Wahnsinn sollte ich also fortan in doppelter Ausführung innerhalb der gleichen Woche haben. Was war nur aus mir - die ich, ganz Carry-Bradshaw-like, den Backofen mal für einen durchaus passablen Aufbewahrungsort für Schuhe gehalten hatte - geworden? Betty Bossi für Arme - für GANZ Arme!

Der Neunte/der Siebte und der Zehnte/der Achte
Madame setzte noch einen drauf und wollte umsverrecken Geburtstagspartys mit Übernachten. Zweimal hab ichs mitgemacht. Und die Latte - leider - ziemlich hoch gesetzt: Buffet mit Hot Dogs, Hamburger, Donuts, Kuchen, Eistee und Cola, Partyspiele, Kinderdisco, DVDs. Die Mädels (und der beste Freund) waren von all dem Zucker und der Action dermassen aufgeputscht, dass ich nachts um zwei noch Gekicher und Geschnatter hörte und morgens um fünf (!) die Girls, die durchs Fenster abgehauen waren, aus dem Garten wieder reinscheuchte. Junior hingegen hatte ein anderes Party-Highlight entdeckt: die Pinata. Ein südamerikanisches Pappmaché-Gebilde, das man irgendwo aufhängt und - mit einem Baseballschläger und einer Augenbinde ausstaffiert - so lange dagegenschlägt, bis sie platzt und Süssigkeiten rauspurzeln. Meine häufigste Aussage in diesen Jahren: «Geh nicht so nah dran...  ouuuuu... sch... tuts fest weh?»

Der Elfte/der Neunte
Da gehen die Meinungen auseinander. Um eine erneute Übernachtungsparty zu vermeiden, musste ich mir etwas Besonderes einfallen lassen: eine Girlie-Party auf dem Reiterhof. Die Mädels fandens super, ich fands einfach nur grauenhaft. Zum ersten Mal hatte ich die Organisation jemand anderem überlassen (dem Ponyhof) und fands ganz mies organisiert. Zudem wars eine Affenhitze und die Pferde hatten null Bock, von einer Horde vorpubertären Mädchen geherzt und ausgeritten zu werden. Zum krönenden Abschluss reagierte eine Freundin meiner Tochter noch allergisch auf irgendetwas und konnte kaum mehr atmen - ich hatte selten so Panik in meinem Leben! (Diese Party war wohl für mich fast so schlimm wie für die Mutter einer Freundin meiner Tochter im Jahr zuvor, als das Geburtstagskind sich an der eigenen Party ein Loch im Kopf zuzog und mittendrin in den Notfall im Spital gefahren werden musste). Für meinen Sohn hatte ich eine Fussball-Party organisiert - inklusive Training bei einem ehemaligen Fussball-Profi für die Jungs. Der arme Mann brauchte vermutlich Tage, um sich von der überdrehten Buben-Bande zu erholen. Aber das war Gott sei Dank nicht mein Problem.

Der Zwölfte/der Zehnte
SIE wollte eine Party mit ihren Freunden, was essen, im See baden, Geschenke auspacken - und alle Erwachsenen sollten bitte einen Mindestabstand von gut zwei Metern einhalten, wenn die Teenies feiern. Kuchen und Muffins backte sie selbst - um sicher zu sein, dass nichts drin ist, auf das irgend einer ihrer Freunde allergisch reagieren könnte. ER konnte sich endlich einen lang gehegten Wunsch erfüllen: eine Geburtstagsparty auf der Kart-Bahn (da ist eine Mindestgrösse Pflicht). Dank der Präsenz meines Bruders, der sich mehr ins Zeug legte als alle Jungs zusammen, konnte ich ganz entspannt den «racenden» Buben zuschauen, und mit einem Cüpli mit mir selbst anstossen - darauf, dass die Sache mit den Geburtstagspartys langsam so richtig gut wird. Und auch das mit dem Backen hat sich erledigt: Da Marienkäfer-Muffins mittlerweile out sind, gibt kind sich mit gekauften Donuts für die Schule mehr als zufrieden. Halleluja! Die nächsten Geburtstage können kommen!

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