Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Was meine Kinder sagen...

...ist nicht immer das, was sie eigentlich meinen. In den zwölf beziehungsweise zehn Jahren, die Sandra C. mit ihren Kindern verbracht hat, hat sie gelernt, zwischen den Zeilen zu lesen, wenn sie sich mit ihnen unterhält. Da es anderen Müttern vermutlich ähnlich geht, hier eine kleine Übersetzungshilfe der Familienbloggerin - allerdings ohne Gewähr, dass sie auch für andere Kinder als ihre gilt.
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© Getty Images

Wenn das Kind sagt, es sitzt am Schreibtisch und macht Hausaufgaben, muss das noch lange nicht der Wirklichkeit entsprechen.

Was sie sagen: «Jaaaaaaaa» inklusive Augenverdrehen, auf die Frage, ob die Hausaufgaben gemacht seien. Was sie meinen: «Nein.» Und sie haben nicht mal ein schlechtes Gewissen deswegen, da Hausaufgaben in ihrem Leben derzeit nur eine sehr kleine Nebenrolle spielen.

Was sie sagen: «Geht so», auf die Frage, wie der Englischtest gelaufen ist. Was sie meinen: «Im Nachhinein ist mir auch klar, dass ich mehr hätte üben müssen, aber ich würd mir eher die Zunge abbeissen, als das zuzugeben, sonst setzt du wieder diesen Ich­-habs­-doch­-gesagt­-Blick auf.»

Was sie sagen: «Auf dem Sofa», auf die Frage, wo ihre Jacke ist. Was sie meinen: «Ich hab keine Ahnung und es ist mir auch vollkommen egal.»

Was sie sagen: «Dann hat sie jemand weggenommen», auf die Bemerkung, die Jacke sei nicht auf dem Sofa. Was sie meinen (und sich -­ noch -­ nicht zu sagen trauen): «Ey, Alte, stress nicht wegen einer Jacke, Mann! Ist mir doch egal, wo das Ding rumliegt, wenn ichs nicht brauche.» (und nicht zahlen muss!)

Was sie sagen: «Das hab ich nicht gern.» Was sie meinen: «Es gibt im Prinzip keine Komponente in diesem Essen, die ich nicht mag. Aber es ist keine Pizza und ich wollte Pizza.»

Was sie sagen: Englisch­-Voci üben, auf die Frage, was sie da so lange am ipad treiben. Was sie meinen: «Chatten, Youtube­-Tutorials schauen oder Soccer Hero spielen. Aber die Seite mit den Englisch-Vokabeln ist schon auch offen, für den Fall, dass du mal auf den Bildschirm schaust.»

Was sie sagen: «Ich wurde so hart gefoult im Fussballtraining!» (Mein Sohn) Was er meint: «Wir waren am Verlieren und da hab ich eine Schwalbe gemacht, damit ich wenigstens einen Grund habe, so stinksauer zu sein, wie ich es bin. Denn dass ich schlecht gespielt habe, kann niemals im Leben dieser Grund sein! Ausserdem brauche ich eine Runde Mitleid. Sofort.»

Was sie sagen: «Alle anderen dürfen auch!» (Meine Tochter) Was sie meint: «Die anderen haben gesagt, sie fragen ihre Eltern, das ist fast so, als ob sie dürfen. Und nein, du musst nicht die anderen Eltern anrufen, um nachzufragen. Echt nicht!»

Was sie sagen: «Nein», auf die Frage, ob sie Hausaufgaben haben. Was sie meinen: «Ja, aber ich hab keine Ahnung, welche, weil ich mit den Gedanken grad beim letzten Fussballtraining war, als das in der Schule besprochen wurde» (mein Sohn). «Ja, aber die schludere ich morgen kurz vor Schulbeginn noch auf dem Pausenplatz hin oder ich finde eine glaubhafte Ausrede, warum ich sie nicht gemacht habe. Dass sie die Kaninchen gefressen haben oder so» (meine Tochter).

Was sie sagen: «Die Kaninchen haben meine Hausaufgaben gefressen.» Was sie meinen: «Die Kaninchen haben meine Hausaufgaben gefressen.» Die knabbern tatsächlich gern mal Schulhefte an. Und die Kinder machen ihre Hausaufgaben unglaublich gern in der Nähe der Kaninchen.

Im Dossier: Alle Beiträge von Familienbloggerin Sandra C.