Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

«Schreib doch mal wieder über mich»

Jede Woche muss Sandra C. diesen Blog abliefern. Manchmal ist das einfach und der Familienbloggerin brennen mehrere Themen unter den Nägeln. Manchmal findet sich trotz tagelangem Überlegen und Beobachten des Umfeldes kaum etwas, über das nicht schon Dutzende Male geschrieben wurde. Die Themenfindung hat sich auch erheblich erschwert, seit Sandras Tochter diesen Blog entdeckt hat, und es nun ganz viele Dinge aus dem Leben mit dem Teenager gibt, die hier tabu sind.
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© Getty Images

Was schreiben, wenn die Ideen nicht fliessen? Über den Handy-Gebrauch der Tochter vielleicht?

Es ist mal wieder so eine Woche, in der mir nicht wirklich viel Brauchbares für den Familienblog einfällt. Auch in Situationen, in denen ich sonst öfter mal ein Aha­-Erlebnis habe -­ beim Joggen, beim Kochen, beim Autofahren - lässt der ersehnte Geistesblitz auf sich warten. «Über was schreibst du?», fragt meine Tochter, die mich beim Sinnlosen­-auf­-den­-leeren­-Bildschirm­-Stieren erwischt. «Keine Ahnung.» ­«Schreib doch mal wieder was über mich.» Na ja, einen gewissen Hang dazu, im Mittelpunkt stehen zu wollen, kann man meiner Ältesten nicht absprechen. Das Problem ist nur, dass sie wenig kompromissbereit ist. Ein bisschen erinnert sie mich an den einen oder anderen Interviewpartner, der auf keinen Fall über seine Familie, Freundin, die Kinder, den Hund oder sonst etwas auch nur annähernd Spannendes reden, aber umsverrecken auf die Titelseite will!

«Gut», sage ich. «Reden wir und ich schreibe.» ­«Worüber?» «Jungs.» ­«Bisch blöd? Sicher nöd!» ­«Schule.» ­«Langweilig.» ­«Freundinnen.» ­«Ohne Namen?» ­«Ja.» ­«Und was?» ­«Was ihr so schreibt auf WhatsApp und so.» ­«Das geht doch niemanden was an.» «Ist aber lustig.» ­«Hahaha! Kannst du nicht einfach über mich schreiben?» ­«Und was?» ­«Was ich gut kann.» ­«Motzen und chatten?» ­«Du bisch ja soooo witzig Mami!» ­«Ok. Ich schreibe, du kannst gut Klavierspielen und singen. Ist ein Satz. Was noch?» ­«Über etwas, das ich gern habe.» ­«Dein Handy?» Genervtes Augenrollen. «Ach, du willst mir sagen, du hast etwas noch lieber als dein Handy?» Noch genervteres Augenrollen. Wir scheinen hier auf keinen grünen Zweig zu kommen.

Ich halte hier also in einem exklusiven Blog­-Teil für und über meine Tochter fest: Sie kann gut Klavierspielen, singen und tanzen und ist super in Deutsch und Englisch. Sie mag nicht nur ihr Handy, sondern auch Youtube­-Stars, die Musik von Little Mix, «Dork Diaries»­ und «Drei Ausrufezeichen»-Bücher, Harry Potter und das Essen, das ihr Grosi kocht. Am meisten mag sie ihre Freundinnen und ihre Kaninchen. Ihre Mutter mag sie manchmal auch. Wenn sie ihr Taschengeld gibt, sie irgendwohin fährt oder zu etwas Ja sagt. Sie findet, ihre Mutter sage viel mehr Nein als Ja, deshalb mag sie sie auch öfter nicht. Damit kann ihr Mutter leben. Ganz gut sogar. Genau wie damit, dass dieser Blog manchmal tatsächlich ziemlich viel Nonsens enthält -­ aber hoffentlich wenigstens einigermassen unterhaltsam ist.

Im Dossier: Alle Beiträge von Familienbloggerin Sandra C.