Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Die jährliche Weihnachtswunschliste: Same same but different!

Die Weihnachtswunschliste ihres Sohnes gehört für Sandra C. zur Weihnachtszeit wie Guetzlibacken und gefühlte siebenundvierzig Mal pro Tag «Last Christmas» am Radio zu hören. Normalerweise konzentrierte sich der Junior der Familienbloggerin auf dieser Liste auf ein Thema. Im Laufe der Jahre wurde sie immer länger. Nun jährt sich das Weihnachtsfest für den Jungen zum zehnten Mal - und die Jubiläumsliste scheint (fast) alle Wunschlisten der vorherigen Jahre zu vereinen.
Weihnachten Wunschliste Kinder Blog Familienblog 2016
© Getty Images

Auf der Wunschliste von Sandras Sohn dürfen Lego-Spielsachen und Eishockey-Zubehör nicht fehlen.

Mein Sohn ist ein spezielles Kind. Er entwickelt regelmässig Vorlieben, auf die er sich eine Zeit lang so konzentriert, dass daneben kaum mehr etwas anderes Platz hat. (Leider Gottes handelt es sich dabei nie um irgend etwas Schulisches, aber man soll die Hoffnung ja bekanntlich nicht aufgeben...) Manche dieser Obsessionen verschwinden so schnell wieder, wie sie gekommen sind, und werden nie wieder gesehen. Andere sind eine Zeitlang weg, tauchen aber irgendwann wieder auf, manchmal in abgeänderter Form. Und einige wenige sind gekommen, um zu bleiben, rücken ab und zu ein bisschen zur Seite, um anderen Platz zu machen, haben sich aber tatsächlich von einer kurzen, heftigen Obsession zu einer lange währenden Leidenschaft entwickelt.

Das passiert in jedem Bereich seines Lebens. Zum Beispiel beim Essen. Ich erinnere mich an eine Ferienwoche in den Bergen, in der sich mein Sohn ausschliesslich von Birchermüesli ernährte. Und an eine andere, in der er täglich zum Mittag- und Abendessen Ghackets mit Hörnli und Apfelmus wollte. (Heute ist beim Restaurantbesuch die Chance zwar gross, dass er Pasta mit Tomatensauce oder Risotto wählt - man kann aber zum Glück auch in ein Lokal, in dem das nicht auf der Karte steht, ohne dass er in den Hungerstreik tritt.) Oder bei der Freizeitgestaltung. Da gab es diesen einen Winter, in dem er besessen war vom Snowobarden. Morgens um acht schnallte er sich jeweils das Brett unter die Füsse, um den Hügel vor unserem Haus runterzufahren und wieder hochzulaufen, bis die Gondelbahn endlich fuhr. Er fährt zwar immer noch gern Snowboard - aber die letzte Wintersaison gehörte ganz dem Eishockey. Jede freie Minute verbrachte er mit Stock und Puck auf Schlittschuhen.

Dementsprechend sah seine Wunschliste für die letzte Weihnacht aus: Eishockey-Stock, Puck, Schoner, Helm, Handschuhe, SCB-Trikot (was auf den Einfluss seines Vaters zurückzuführen ist, aber soooo schlecht ist er damit ja nicht gefahren). Womit wir endlich beim Thema sind: Die Weihnachtswunschliste meines Juniors widerspiegelt jedes Jahr ziemlich genau, womit er sich während des Jahres intensiv beschäftigt hat. Das hat schon ganz früh angefangen. Genau gesagt an seiner zweiten Weihnacht.

Da war er knapp über ein Jahr alt und hat natürlich noch keine Liste geschrieben. Aber «Zügli fahla» war sein Ein und Alles, und jedes Geschenk, das nicht in irgendeiner Form einen Zug enthielt, wurde mit Nichtbeachtung bestraft. Im Jahr darauf wurden die Züge durch Motorräder abgelöst - oder durch «Teff», wie der Zweijährige zu sagen pflegte. Er marschierte also nach Weihnachten stolz mit einer Harley-Davidson-Jacke durch die Gegend und nannte eine Armee an Spielzeug-Töffs sein Eigen. Bereits im Folgejahr galt seine ganze Liebe den Betonmischern. Diese Leidenschaft hielt allerdings nur ganz kurz, bereits zu Ostern waren Gabelstapler jeder Grösse das ultimative Highlight. An der nächsten Weihnacht waren die Autos dran - beziehungsweise Parkgaragen und «Hot Wheels»-Bahnen. Im Jahr seines fünften Geburtstages dann die erste Leidenschaft, die bis heute hält: Star Wars! Das Leuchtschwert, das er in diesem Jahr zu Weihnachten geschenkt bekam, schleppte er lange zu jedem Anlass mit, egal, ob passend oder nicht. Die grosse Liebe, die allem standhält und jedes Jahr an der Seite eines neuen Nebenbuhlers existiert, folgte ein Jahr später: Lego. Wer meinem Sohn Lego schenkt, liegt immer richtig, ganz egal, in welcher Form (er wird es vielleicht mit einem verächtlichen «Ist ja Babyzeug»-Blick betrachten, aber er wird es zusammensetzen, und wenns nur ist, um seinen Rekord im Zusammensetzen zu brechen).

Die folgenden zwei Jahre standen zuerst ein Skateboard, dann ein Wave-Board ganz oben auf der Liste. Und dann kam eben das Eishockey-Jahr. Und dieses Jahr? Eine Kombination aus allem, seit die Autos die Liste der Obsessionen anführten:

  • Porsche 911 GT3 RS , Truck VC, Schaufelradbagger, Volvo EW160E (Ich geh mal davon aus, dass es sich um Mini-Versionen handelt. Abgesehen vom finanziellen Aspekt haben wir nämlich nicht so viel Platz in der Garage.)
  • Lego Star Wars U-Wing Fighter, X-Wing-Fighter, Cloneturbotank, inaktiver Stormtrooper
  • Lego Vulkanfestung
  • Eishockey: Halskrause, Ellbogenschoner, Brust-Schulterpanzer, leichter Puck

Gut, die Skateboards sind offenbar auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Dafür sind - wie sollte es auch anders sein - Dinge dazugekommen. Nämlich: «ferngesteuerte Drone und so Sachen» sowie «Pokémon-Karten». Eishockey hats also tatsächlich in eine weitere Runde geschafft und liegt damit knapp hinter Lego und Star Wars (wobei die Kombination aus beidem weiterhin unschlagbar bleibt). Ich bin gespannt auf nächstes Jahr. Und wünsche allen frohe Festtage und leuchtende Kinderaugen beim Geschenkeauspacken!

Im Dossier: Alle Beiträge von Familienbloggerin Sandra C.