My awesome Life in Hollywood

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Neustart vor 30! Oder wie eine Rheintalerin nach Los Angeles kommt.

«Make America white again»

Die Vereinigten Staaten sind nach der Präsidentschaftswahl tief gespalten. Zehntausende gingen auf die Strasse, um gegen Donald Trump zu demonstrieren. Der Ku-Klux-Klan hat einen Siegesmarsch geplant, rassistische Fälle haben seit der Wahl zugenommen. Unsere Bloggerin Jasmin Gruber bekommt die Situation in Los Angeles hautnah mit.

Ich kann es immer noch nicht fassen. Will es nicht fassen. Mir fehlen die Worte, und doch möchte ich mich äussern. Als ich vor einer Woche in einer Bar in West Hollywood sass, war ich noch voller Hoffnung. Mit mir gut 300 Anhänger von Hillary Clinton. Doch die Minuten, Stunden vergingen und am Ende des Abends herrschte gespenstische Stille. Menschen lagen sich tränenüberströmt in den Armen, konnten nicht begreifen, was geschehen ist.

Ich hätte nie, nie damit gerechnet, dass Donald Trump das Rennen machen würde. Er, der eine Mauer zu Mexiko bauen will. Er, der ein Einreiseverbot für alle Muslime fordert. Er, der die Homo-Ehe wieder rückgängig machen will. Er, der immer wieder mit ausländerfeindlichen und sexistischen Aussagen Schlagzeilen machte. So einen Präsidenten wollen die Amis?

Trump erinnert mich an einen kleinen Mann mit Schnauz. Ja, an genau den. Trump schürte Hass. Gegen Muslime, Mexikaner, Schwarze und Homosexuelle. Und er hat sein Ziel damit erreicht.

13- und 14-jährige Studenten an einer Schule in Michigan standen in der Mittagspause auf und riefen lateinamerikanischen Mitschülern «Build that wall» (Baut diese Mauer) zu. In Philadelphia wurden Hakenkreuze und «Sieg Heil» auf Hauswände und Schaufenster geschmiert. In Wellsville im US-Bundesstaat New York haben Rechtsradikale «Make America white again» in Anlehnung an Trumps Wahlspruch an eine Mauer gesprayt. Ein Afroamerikaner aus Memphis wurde von einem weissen Amerikaner als «Nigger» beschimpft. Der Mann sagte ausserdem: «Schwarze Leben zählen nicht, nur weil ihr das behauptet. Ihr lebt doch alle von der Stütze.» Die Spitze des Eisbergs: Der rassistische Ku-Klux-Klan plant zu Ehren von Donald Trump einen Siegesmarsch. Am 3. Dezember wollen die «Loyalen Weissen Ritter» durch North Carolina ziehen.

Es bricht mir das Herz, wenn ich sowas höre. Wie kann man jemanden hassen, den man gar nicht kennt. Wie kann man einen Menschen fertig machen, nur weil er anders aussieht. Wie kann man glücklich darüber sein, dass es anderen schlecht geht. Klar, Rassismus gab es hier auch schon vor der Wahl. Aber seit dem 8. November scheinen sich rassistische Fälle zu häufen.

Zehntausende Menschen gingen seit vergangenem Mittwoch in den Vereinigten Staaten auf die Strasse, um gegen Donald Trump zu demonstrieren. Auch hier in Los Angeles waren es am Samstag 8000 meist junge Leute mit Schildern wie «Wir wollen kein rassistisches Amerika» und «Trump ist nicht unser Präsident». Ob es was bewirken wird? Ich bezweifle es. Aber sie wollen ein Zeichen setzen. So ein hasserfülltes Land wollen sie nicht. Sie hoffen auf ein Wunder. Ich auch.

Im Dossier: Mehr Blogs von USA-Auswandererin Jasmin Gruber