My awesome Life in Hollywood

My awesome Life in Hollywood

Neustart vor 30! Oder wie eine Rheintalerin nach Los Angeles kommt.

Meth, Bettwanzen und Sexualstraftäter

Wohnungssuche in Zürich? Zum Davonrennen! In Los Angeles ist es laut Bloggerin Jasmin Gruber zwar nicht ganz so schwierig, ein Apartment zu finden - dafür wird man dort mit Drogen und Sexualstraftätern konfrontiert. 

Ich kann auf einen Geschirrspüler, Laminat oder Sicherheitsfenster verzichten - was unter keinen, und ich meine wirklich unter keinen Umständen fehlen darf, ist ein Pool vor der Hütte! Wenn ich schon in Los Angeles wohne, dann richtig.

Ich liebäugle mit West Hollywood, Studio City, Valley Village und North Hollywood. Dort habe ich meine erste Wohnungsbesichtigung. Ein riesiger Apartment-Komplex mit einem klitzekleinen Pool, einem noch kleineren Gym und 150 anderen Wohnungen. Das Apartment selber ist Okay, aber auch nicht gerade ein Schmuckstück. Dann will der Typ auch noch, dass ich jetzt sofort zusage, weil morgen die Wohnung ganz, ganz sicher weg sei. Und wenn auch, ein grosser Verlust wäre das ganz sicher nicht. Trotzdem erkunde ich die Gegend, falls ich doch nichts Besseres finde. Und wie es der Zufall so will, werde ich eine Strasse weiter tatsächlich Zeuge, wie drei Polizisten einen Mann vor meiner Nase verhaften. Seriously? Schnell weg hier. 

Das zweite Apartment liegt in Studio City. «Du bist die erste, die die Wohnung besichtigt», begrüsst mich Mrs. Romero strahlend. Sehr schöne Gegend, viele herzige Restaurants und Bars um die Ecke. Der Complex hat ungefähr 20 Wohnungen, einen wunderschönen Pool (!!!) in der Mitte, die Wohnung wurde gerade komplett saniert. Ein Glückstreffer!

First come, first served

Natürlich gehe ich davon aus, dass sich mit mir noch 100 andere auf die Wohnung bewerben werden. Los Angeles ist ja immerhin zigmal grösser als Zürich, und schon dort ist es ein Graus. Mrs. Romero lächelt: «Hier läuft das ein wenig anders. Wenn du die Wohnung willst, füllst du das Formular aus. Wenn du den Hintergrund-Check bestehst, hast du sie.» What? First come, first served. Läck, zum Glück habe ich keine Leichen im Keller. Nach ein paar Tagen das erlösende Telefon - got it! Yes. Das ging ja flott. Jetzt noch schnell den Vertrag unterschreiben, und ich kann einziehen. Oder?

Monstervertrag

Vor mir liegen 35 (!!!) Seiten. Schliefts? So müssen sich also Hollywood-Paare fühlen, wenn sie den Bund der Ehe eingehen. Alles ist bis ins letzte Detail beschrieben. Tubelisicher. «Wir wollen uns vor Klagen schützen», entschuldigt sich Mrs. Romero. Ich weiss ja, dass man hier wegen jeder Kleinigkeit vor Gericht ziehen kann. Aber sowas?

Die ersten paar Punkte sind noch verständlich. Monatsmiete, Kaution usw. muss vertraglich geregelt sein. Leuchtet mir ein. Doch eine halbe A4-Seite über den Parkplatz? «Bitte stellen Sie kein Sofa oder sonstige Möbel auf den Platz.» Na gut, dann stelle ich die Polstergruppe halt ausnahmsweise ins Wohnzimmer. «Nimmst du Drogen?», will Mrs. Romero nun von mir wissen. Ich verneine. «Wer erwischt wird, im Apartment Meth herzustellen, wird unverzüglich rausgeschmissen», steht auf Seite 14. Ich lache lauthals. Wie gut, dass ich nicht vorhabe, mir einen Namen in der Drogenszene zu machen.

Dann folgen zwei Seiten über Schimmel. Hier muss es doch irgendwo eine versteckte Kamera geben? Ich muss meine Pflanzen draussen tränken, das Fenster im Bad wenn möglich immer offen lassen, einen Duschvorhang kaufen, abgelaufenes Essen im Kühlschrank wegschmeissen, den Müll regelmässig entsorgen, keine Katzenstreu ins WC spülen. Da ich keine Vierbeiner habe und alles andere als ein Messie bin - kein Problem. «Jetzt kommen wir zu einem Punkt, der sehr, sehr wichtig ist», fährt Mrs. Romero fort. Oha! Bettwanzen? «Wenn du von den Ferien nach Hause kommst, putze deinen Koffer, bevor du ins Apartment gehst.» Soll ich ihn nicht gleich lieber wegschmeissen?

Ist mein Nachbar ein Sexualstraftäter?

Und jetzt hauts mich definitiv weg. Punkt Nummer 30: «Sex offender registration act notice». Sie müsse mich darauf aufmerksam machen, dass Sexualstraftäter registriert werden und jeder Zugang auf die Liste hat. Sogar die Internetseite steht schwarz auf weiss auf dem Papier. Ich bin sprachlos. «Ich kann tatsächlich die Strasse dort eingeben und dann spuckt die Seite Nachbarn aus, denen ich aus dem Weg gehen soll?» Exactly. Ich muss unübertrieben zehn Mal meine Unterschrift und Initialen auf den Mördervertrag draufkribbeln und dann habe ich endlich, endlich die Schlüssel in der Hand. Nach über einer Stunde verlasse ich Mrs. Romeros Büro.

Justin Smith ist pädophil

Obwohl ich jetzt reif für ein Bier wäre, setze ich mich als erstes auf ein Bänkli und spähe meine Nachbarschaft aus. Und tatsächlich. Justin Smith wohnt eine Meile von mir entfernt und ist wegen «unzüchtigem Verhalten mit einem Kind unter 14 Jahren» registriert. Ich sehe nicht nur sein Geburtsdatum, Grösse, Gewicht, Adresse - er lächelt mir von der Seite sogar noch ins Gesicht! Ist das abgefahren! Wenn ich den mal im Supermarkt antreffe... In einem Umkreis von zwei Meilen wohnen sieben Sexualstraftäter. Ich sehe von allen ein Foto auf der Seite, weiss genau, wo sie wohnen, ob und wo sie tätowiert sind und was sie verbrochen haben. Zum Glück ist Happy Hour in der Bar gegenüber.

Im Dossier: Weitere Blogs von Hollywood-Expat Jasmin Gruber