Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Heritage Day - vor allem Tag des Braai's

In Südafrika wird der Heritage Day oft mit einem Braai (einer Art Barbeque) gefeiert. Auch Auswanderer Sacha von der Crone veranstaltet einen Braai und merkt erneut, wie viel teurer es in Europa ist. 

Seit dem Ende der Apartheid wird der Heritage Day gefeiert. Es ist sozusagen eine Aufforderung der Regierung an die Bevölkerung, sich gegenseitig für den Anteil am «neuen Südafrika» zu ehren und sich den vielen kulturellen Unterschieden bewusst zu werden. Seit 2005 ist dieser Tag – Marketing sei Dank – auch oder vor allem Tag des Braai’s.

Einen Braai wollen auch wir abhalten, zusammen mit Susanne und Michael, den Züchtern von Fynn. Die zwei leben schon länger in Südafrika und stehen uns seit unserer Ankunft immer und gerne mit Rat und Tat zur Seite. Mit Kerzen verdienen die beiden ihr Geld. Kerzen in Südafrika? Schon eine besondere Geschäftsidee. Kalte dunkle Winternächte sind rarer als in der Schweiz, aber natürlich verbreiten Kerzen an Hochzeiten, Geburtstagsfeiern oder auch im Restaurant eine wohlige Atmosphäre. Wieso also nicht auch in Südafrika? Wir befolgen einen weiteren Tipp von ihnen um die passenden Stücke Fleisch fürs Braai zu kaufen und finden uns vor einer riesigen Fleischtheke wieder. Vier Stücke Rindfleisch mit über drei Kilo Gesamtgewicht sind schnell gefunden - für knapp 18 Franken. Wenn man beachtet, mit welch hoher Qualität die Stücke auf dem Grill landen und welcher Preis in Europa dafür bezahlt wird, ohne dass der Bauer wohl viel mehr Geld für sein Fleisch bekommt, stimmt mich das noch heute nachdenklich.

Das Fleisch soll zusammen mit Gem Squash (einem Edel-Kürbis) gegrillt werden. Dazu servieren wir noch einen kleinen Salat. Schon fast zu viel Beilage für ein südafrikanisches Braai, Knoblibrot soll es ja auch noch geben. Der Tag ist traumhaft und der Grill bereit in unserer Wiese, als die beiden eintreffen. Und wie es sich gehört, geht’s dann erst mal los mit dem Feuer. An einem Braai wird zuerst einmal getrunken. Hungrig sollte man nicht erscheinen: das Feuer und die ganze Braai-Kultur braucht seine Zeit. Südafrikaner bezeichnen sich selber - wohl zu Recht - als Weltmeister des Grillens bzw. des Braais. Braai ist weit mehr als eine Grillparty oder ein BBQ. Es ist Leidenschaft, eine Wissenschaft und wird immer als Braai bezeichnet. Alle anderen Begriffe sollte jeder Südafrika-Reisende gleich aus dem Wortschatz streichen. Wir geniessen den lauen Abend, die Gesellschaft und die Ergebnisse vom Grill sehr.

Unsere Nachbarn als Gäste

Vorletzte Woche bekamen wir eine kurzfristige Buchung. Meistens wissen wir von unseren Gästen mit Ausnahme von Name und Email-Adresse nicht viel. So erwarteten wir einfach Südafrikaner. Nicht schlecht staunten wir, dass es unsere Nachbarn sind, die nicht zurück in ihr Haus können wegen des Brandes, welcher vor zwei Wochen wütete. Sie waren sechs Wochen in Europa und eben erst aus dem Flugzeug gestiegen. Den Brand hatten sie also gar nicht miterlebt. Was dem Hausherrn und uns Gedanken bereitet, ist die Brandursache. Ein Kurzschluss am Stecker der Gefriertruhe. Der zuständige Mann von der Feuerwehr liess ausrichten, dass man solche Geräte immer ausstecken soll, wenn man so lange in die Ferien geht. Nun gut, das Gerät weiss ja nicht wie lange man ausser Haus ist. Der Umkehrschluss ist also, dass man in Südafrika keine Elektrogeräte ohne Aufsicht laufen lassen sollte. Bei Bekannten von uns brannte kürzlich die Steckdose der Waschmaschine - zum Glück ohne weitere Folgen. Wir nehmen auf jeden Fall die Waschmaschine oder den Geschirrspüler nicht mehr in der Nacht in Betrieb oder wenn wir nicht zu Hause sind.

Unser Gärtnerverschleiss nimmt zu

Der Gärtner, der letzte Woche ja ausgerechnet an einem seiner beiden Arbeitstage einen Amtstermin warnahm, fehlte diese Woche wieder. Am Vortag sah ihn unsere Maid in der Stadt und er sagte ihr, sie soll uns doch bitte ausrichten, dass er morgen krank sei. Die Folge: Nächste Woche kommt ein neuer Gärtner. Erstaunlich ist, dass alle unsere Maids bzw. Domestic Workerinnen zuverlässig sind und im absoluten Gegensatz dazu die Gärtner überhaupt nicht. Ein schon lange erzähltes Vorurteil – dass Männer in Südafrika nicht zuverlässig seien, bestätigt sich also vollumfänglich. Wir hoffen mit dem neuen Gärtner auf mehr Glück – einer muss ja als Ausnahme die Regel bestätigen. Gefunden haben wir ihn, weil er uns vor einiger Zeit einen Zettel, quasi als Blind-Bewerbung, in den Briefkasten steckte. Selbstinitiative gefällt uns schon mal gut. Sind wir gespannt.

Man liest sich!