Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

«Wir sind gekommen, um zu bleiben!»

Auswanderer Sacha von der Crone ist angekommen in Südafrika, auch dank einiger Traditionen, die weiterhin gelebt werden, wie zum Beispiel ein Raclette zu Weihnachten. Auf der Africa-Lodge läuft inzwischen alles wie gewünscht, nichts kann das eingespielte Team aus der Ruhe bringen. Wäre da nicht der noch immer andauernde Wassermangel.
Blog Sacha von der Crone Südafrika Angekommen
© zVg

Einer der Vorzüge in Südafrika: Abendessen im Freien im Dezember mit schöner Aussicht.

Endlich war sogar für zwei Tage Regen angesagt! Es blieb dann allerdings bei zwei, drei Tropfen für knapp zehn Minuten – genau dann, als alle Gäste im Garten am Frühstücken waren. Wenns dann schon mal regnet, dann gleich im dümmsten Moment. Aber eben, es war nicht wirklich Regen. Und anschliessend blieb er ganz aus. Wir hoffen aber weiter.

Es mag wohl für alle Schweizer Leser komisch, vielleicht sogar langweilig klingen, dass ich bereits wieder vom Wasser oder eben vom fehlenden Regen schreibe, doch die Lage spitzt sich zu. Tag für Tag. Bleibt auch der zweite angekündigte Regen aus oder kommt nur so spärlich, dann ist für die nächsten zehn Tage wieder gar nichts prognostiziert. Sinnbildlich dazu Fynns bevorzugter Schwimmplatz, der Stausee in einem Weingut in unserer Nähe. Letztes Jahr noch knapp halb voll, sieht man nun bereits die Abflussleitung und Fynn watet mehr im Wasser, als dass er schwimmt. Noch zwei, drei Tage und er kann den See durchqueren, ohne am Bauch nass zu werden.

Blog Sacha von der Crone Südafrika Angekommen
© zVg

Fynn schwimmt bald auf dem Trockenen.

Kapstadt hat nun reagiert und reduziert den Wasserdruck in den Leitungen sukzessive. Nicht in erster Linie, um Wasser zu sparen, sondern um weitere Leitungsbrüche zu verhindern. Damit will man unnötigen Wasserverlust vermeiden. Gute Leitungen wären wohl noch sinnvoller, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass bis zu 40 Prozent des Wassers gar nie beim Endverbraucher ankommt.

Wassersparen wäre also wirklich angesagt, doch wirklich gespart wird nicht. Die Verbrauchszahlen steigen sogar wieder an, natürlich vor allem, weil nun viele Touristen aus Südafrika und von Übersee hier sind. So werden die Dämme leerer und leerer. Wenn ich letzte Woche schrieb, wie sich die Südafrikaner auf Facebook übertreffen mit kreativen Ideen, wie sie Schmutzwasser auffangen und für den Garten einsetzen, dann stell ich mir je länger je mehr die Frage, ob so wirklich Wasser gespart wird.

«Letztes Jahr war mein Rasen gelb, jetzt ist er grün, weil ich das Schmutzwasser verwende», posteten ganz viele aus unserer Region. Nun gut, sie haben jetzt einen grünen Rasen, doch wenn sie letztes Jahr den Rasen nicht wässerten und nun das Schmutzwasser verwenden, heisst das ja noch lange nicht, dass ein Tropfen weniger aus dem Wasserhahn sprudelt. Wir sind auf jeden Fall gespannt auf unsere eigene nächste Wasser-Rechnung. Pb unsere Bemühungen, selber Wasser zu sparen und unsere Gäste zum Sparen zu animieren, Früchte tragen? Ein Gefühl, welches wir in der Schweiz nie kannten. Schätzt euch glücklich!

Gekommen, um zu bleiben

«Man merkt, dass ihr angekommen seid. Euer Haus habt ihr komplett im Griff», sagt mir meine Mutter, welche Anfang Woche angekommen ist. Ja, es ist wirklich so, wir haben den «Laden» (mittlerweile komplett) im Griff. Wir wissen, was wann wie getan werden muss, unsere Angestellten funktionieren als eingespieltes Team und nicht viel kann uns aus der Ruhe bringen. Nicht einmal, dass der Gärtner mal wieder nicht erschien. Wir entdecken wöchentlich neue Vorzüge oder Restaurants und geniessen so das Leben.

«Traditionen, Gewohnheiten sind es, welche uns heimisch fühlen lassen», schrieb ich vor langer Zeit einmal. So ist es wirklich. Wir zelebrieren unser Feierabendbier, wenn die Angestellten die Lodge verlassen haben, geniessen (häufig müde) nach langer Präsenz-Zeit ruhige TV-Abende zusammen mit Fynn auf dem Sofa. Auch schon traditionell verbrachten wir den «heiligen Abend» zusammen mit meiner Mutter bei einem Raclette und werden am Weihnachtstag «lekker» grillieren. Nein, natürlich gibts ein Braai!

Der «Africa-Lodge» und uns gehts richtig gut. Wir tun alles dafür, dass der Garten irgendwie trotz Wassermangel gedeiht oder überlebt, geniessen es, dass unsere Gäste die Region und Südafrika sofort in ihr Herz schliessen, und sind stolz über durchwegs positive Feedbacks. Ja, wir sind gekommen um zu bleiben, das war von Anfang an unser Motto, unser Ziel. Nur so funktioniert es erfolgreich, da sind wir uns einig und auch sicher.

Im Dossier: Alle Auswanderer-Blogs von Sacha von der Crone