Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Ein vermeintlicher Notfall

Sicherheit muss man sich in Südafrika selber schaffen, weiss Blogger Sacha von der Crone. Trotzdem gabs für die Auswanderer eine heikle Situation, von der sie sich aber beim Sonnenuntergang erholen konnten.
Sacha von der Crone Südafrika Auswanderer Blog
© ZVG

Sonnenuntergänge sind in Südafrika speziell schön, sagt man.

Unlängst sagte ein Südafrikaner mit klagendem Unterton zu mir: «In Südafrika muss man alles privat organisieren, man kann sich nicht auf das Staatliche verlassen.» So ist es. Angefangen bei der Polizei über die öffentlichen Spitäler bis hin zur Vorsorge, alles sollte von privaten Firmen abgesichert sein. Eine private Security-Firma (Nachbarschafts-Wache), welche patrouilliert und im Notfall vor Ort ist. Private Krankenversicherung, um ja im schlechtesten Fall in einer der angesehenen Privat-Kliniken zu landen oder eben auch die Vorsorge fürs Alter. Die miserablen Löhne sind schuld, dass die staatlichen Sicherheits- und Gesundheitsdienste einen schlechten Ruf geniessen. Kein Polizist ist bereit, für seinen Hungerlohn sein Leben zu riskieren, wohl schon gar nicht für in seinen Augen reiche Weisse. Wenn dann ein weisser Südafrikaner auf Facebook folgendes Geschehen niederschreibt: «Gestern Abend wurde bei mir eingebrochen, ich konnte die Einbrecher vertreiben und nur wenige Minuten nach meinem Anruf traf die Polizei ein und verhaftete die Eindringlinge», diesen Post dann mit den Worten «vielen Dank an die beiden Polizisten, ihr habt einen guten Job gemacht» begleitet und die beiden auch noch namentlich erwähnt, dann merkt man, wie wenig Vertrauen vorhanden ist. In der Schweiz würde es höchstens heissen: «Die Bullen brauchten ein bisschen lange, bis sie vor Ort waren.» Und mir ging als erstes ein anderer Gedanke durch den Kopf: Kann der sich keine private Sicherheitsfirma leisten? Gedanken, die man in der Schweiz nicht kennt.

Mittwochabends dachte Barbara kurz vor Mitternacht wohl auch, dass wir nun zum ersten Mal unsere private Sicherheitsfirma brauchen. Zur spätabendlichen Gute-Nacht-Zigarette begleitet mich Fynn jeweils nach draussen. Für ihn ist es der letzte Pinkel-Rundgang und für mich der Moment, den Tag Revue passieren zu lassen. Er hörte scheinbar irgendwas und begann sofort zu knurren. Mein Puls stieg schlagartig an nun hörte auch ich die Geräusche und Stimmen. Wie es sich für Fynn als tollen und unerschrockenen Ridgeback gehört, begann er umgehend laut zu bellen. In solchen Momenten ist er nicht zu halten, er braucht eine Antwort. Was sind das für Geräusche und für Stimmen? Ohne Antwort keine Nachtruhe und so liess ich ihn aus unserem privaten Garten raus auf den Vorplatz. Neben unserem Zaun-Tor steht der Elektro-Kasten für das halbe Quartier. Ich merkte schnell, dass da kurz vor Mitternacht ein Stromnotfall herrschte. Einige Elektriker standen neben unserem Zaun. Fynn fand unter lautem Gebell auch seine nötige Antwort ausserhalb seines Reviers, somit war für uns beide alles in Ordnung. Barbara im Haus hörte Fynns Gebell, bekam auf ihr Rufen nach mir keine Antwort und just in dem Moment fiel der Strom aus...

Ausgerüstet mit Handy, Taschenlampe und dem Panic-Button (für das Notsignal an unsere Security-Firma) und wohl auch mit stark erhöhtem Puls fanden wir uns einige Momente später im Haus wieder. Vom plötzlichen Stromausfall bekam ich im Garten wegen unserer Solar-Leuchten gar nichts mit und konnte mir deshalb ihre ungemütliche Situation im ersten Moment gar nicht vorstellen.

Magische Sonnenuntergänge

Aber sonst haben wir es gemütlich und ruhig in Südafrika. «Wir fahren in die nahen Berge zum Sonnenuntergang», rief uns eines Abends der Züchter von Fynn an - «kommt ihr mit?» Eine halbe Stunde später standen wir auf einem wunderbaren Aussichtspunkt mitten in den Bergen, die sich um die Bucht bei Somerset West erheben und genossen einen unglaublichen Ausblick über die False Bay. Die «falsche Bucht» deshalb, weil sich die Seefahrer früher versehentlich in der Tafelbucht vor Kapstadt wähnten. Sonnenuntergänge in Südafrika haben etwas magisches, so sagt man. All unsere Gäste fragen nach den besten Plätzen, um den Sonnenuntergang zu geniessen. Wir haben einen weiteren gefunden, selbst bei leicht bewölktem Himmel, ein wunderbarer Ausblick um den Tag ausklingen zu lassen. Es geht uns richtig gut.

Man liest sich!

Im Dossier: Alle Auswanderer-Blogs von Sacha von der Crone