Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Wenn die Springboks nur noch hüpfen

Auswanderer Sacha von der Crone widmet sich in seinem neuesten Blog Südafrikas einstigem Nationalstolz - den Springboks. Die Rugby-Nationalmannschaft ist weiter von ihrer Topform entfernt und beschäftigt auch den Schweizer. 
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© ZVG.

Beim Golfen entdeckte Blogger Sacha von der Crone tierische Springboks.

Freitagmorgen vor zwei Wochen. Zeit, den Abfall nach draussen zu stellen. Es ist noch ein bisschen kühl und ich trage eine Jacke der Springboks, dem Rugby-Nationalteam von Südafrika und auch dem Stolz von Südafrika, dem Stolz der weissen Bevölkerung. Rugby kommt meinem Sport, dem Handball, den ich auch aus der Ferne noch intensiv verfolge, am nächsten. Aber Ahnung hab ich keine davon. Die Jacke ist vor allem praktisch, bequem und sieht nicht schlecht aus, darum habe ich sie gekauft.

Der Nachbar ist gerade auf dem Weg zur Arbeit, fährt mit seinem Auto von seinem Hofplatz, wir grüssen uns, er hält an und steigt aus. «Wieso trägst du diese Jacke?», fragt er mich ziemlich direkt und forsch. Ich erkläre ihm die Gründe. «Eigentlich kann man das nicht mehr tragen, die Springboks sind so schlecht im Moment, es ist eine Schande.» Er erklärt mir seine Sicht der Dinge: verwöhnte Stars, welche im Ausland noch mehr Geld verdienen und sich nicht mehr mit Südafrika und dem Nationalteam identifizieren. In Neuseeland dürfen nur Spieler für das Nationalteam auflaufen, wenn sie auch in Neuseeland spielen. 

Die Rugby-Misere trifft die Südafrikaner im Stolz, das ist spürbar. Er empfiehlt mir, die Jacke nicht mehr zu tragen. Rugby ist der Sport der Weissen, genauso wie Cricket. Fussball, ist der Sport der schwarzen Bevölkerung. Entsprechend gibt es auch viele südafrikanische Schwarze, welche die All Blacks unterstützen, den Rugby-Erzfeind aus Neuseeland. Quotenregelungen werden von der schwarzen Regierung offen diskutiert, um mehr schwarze Spieler ins südafrikanische Rugby-Nationalteam zu bringen. Dies obwohl sich ein grosser Teil der schwarzen Bevölkerung die teuren Schulen, in welchen Rugby gespielt wird, nicht leisten kann. Ein Schwarzer ist momentan auch Trainer der Springboks. Ich gebs zu, das wusste ich bis anhin gar nicht.

Wie schon oft erwähnt, findet hier unten wirklich vieles über Facebook statt. Es wird dort über Verbrechen, Unglücksfälle und sonstige News unglaublich schnell berichtet. «Kennen Sie diesen Mann?» «Er ist der Grund, wieso ihr Chef am Montag miese Laune hat und sich an Ihnen rächt.» «Kostenlos abzugeben, muss abgeholt werden und kann dann für Gartenarbeiten verwendet werden.» «Es kostet viel, ihn los zu werden, lasst uns sammeln.» All diese Posts waren von Bildern begleitet und ich merkte dann relativ schnell, dass der gesuchte oder angepriesene Mann der Coach der Springboks ist. Ein bisschen entsetzt war ich schon über die Härte des Umgangs - das sind wir uns als sportinteressierte Schweizer nicht gewohnt. «Farbe oder Kompetenz» ist der Titel eines Sportkommentars, den ich finde, als ich mich mit dem Thema ein wenig auseinandersetze. Tatsächlich ist Allister Coetzee ein absolutes Rugby-Hirn mit vielen Erfolgen, zum Beispiel auch mit den Stormers, dem Aushängeschild von Kapstadt. Aber mit dem Nationalteam, will es einfach nicht klappen. Auch solche Begebenheiten kenne ich aus der Sportwelt zur Genüge. Ein guter Vereinstrainer ist noch lange kein guter Nationalmannschafts-Trainer. Aber es schwingt halt bei all diesen und weiteren Kommentaren unterschwellig immer auch noch ein wenig Apartheid mit. Das lässt sich nicht von der Hand weisen. Quoten-Regelungen waren noch nie die Lösung. Die Besten sollen einfach den Job machen oder eben den Platz im Team bekommen. Übrigens, ein Drittel der Spiele in diesem Jahr, haben die Springboks gewonnen. Wirklich zu wenig für einen Doppel-Weltmeister nach den Jahren der Apartheid. Zu Apartheids-Zeiten waren die Springboks oft vom Spielbetrieb ausgeschlossen.

Wie immer gilt, wir sind hier nur zu Gast und leben demzufolge auch ein wenig in unserer eignen Welt. Wir haben letzthin auf dem Golfplatz wiederum Springboks gesehen - und einmal mehr zeigt es sich: Unsere Welt in Südafrika ist traumhaft - in dieser sind sogar die Springboks putzmunter.

Man liest sich!

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