Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Eine tierische Woche

Auswanderer Sacha von der Crones Schildkröten haben ein neues Zuhause, Hund Fynn ist Gast beim Arzt und ein Bauer treibt seine Kuhherde über die Autobahn - in Südafrika stehen diese Woche die Tiere im Mittelpunkt.

Schildi und Panzi, die beiden Schildkröten, die schon lange, lange vor unserer Zeit in unserem Garten gelebt haben, sind umgezogen. «Käfig-Tiere» sind nicht wirklich mein Ding, und Barbara und ich waren immer der Meinung, dass die zwei doch eigentlich ein schöneres, grösseres und vor allem abwechslungsreicheres Leben und Zuhause verdient hätten. Natürlich war es «härzig», die beiden ab und zu von Hand zu fütter. Doch eben, sie hätten mehr verdient. Hinzu kam, dass wir erfahren mussten, dass wohl eine Bewilligung für die beiden vorhanden war (eine Bewilligung zur Haltung von wilden Tieren), doch diese aus dem Jahr 2009 stammte und jährlich hätte verlängert werden müssen.

Wir fragten beim Naturschutz-Bund von Kapstadt nach, was wir tun können. Sofort wurde uns geantwortet - «Monkey-Town», ein kleiner Zoo hier in Somerset West, würde die beiden aufnehmen. Der Papierkrieg war schnell erledigt und wir durften Schildi und Panzi gleich am nächsten Tag vorbeibringen. Liebevoll wurden wir vier empfangen, und die beiden Schildkröten sogleich in ihr neues Gehege gebracht. Wir genossen noch einen kurzen Rundgang und sahen, wie die beiden nun leben werden. Ein riesiges Gehege, schon fast eine Freilauf-Zone teilen sich die beiden nun mit weiteren Schildkröten, Hasen, Pfauen und anderen friedliebenden Tieren. Schön haben es die zwei nun, unser Ziel ist erreicht.

Als wir in Mail-Kontakt mit dem Naturschutz-Bund waren, wurde uns umgehend gesagt, dass wir die beiden auf keinen Fall in die Wildnis bringen sollen, sie würden dort nämlich nicht überleben. Natürlich kam dies für uns sowieso nie infrage. Aber es zeigt auf, welches Verhältnis Südafrikaner zu Tieren haben. Unser Hund Fynn ist nämlich in praktisch keinem Restaurant erwünscht, höchstens in der Gartenwirtschaft. Nicht dass Südafrikaner Angst vor Hunden hätten, sie nehmen ihre Hunde einfach nie mit. Fast jeder in unserer Nachbarschaft hat einen oder zwei Hunde. Aber die sind zum Bewachen da oder einfach auch nur zum Bellen - weil wirklich gross und furchteinflössend sind die wenigsten. In der Schweiz ist ein Haustier, ob Hund oder Katze, automatisch ein Familienmitglied, so auch unser Fynn. Hier aber sind Haustiere mehrheitlich Nutztiere.

Auch wegen Fynn erlebten wir eine tierische Woche. Als nun einjähriger Bursche mit Stammbaum war es an der Zeit, zu röntgen. Die wichtigen Gelenke - Schulter und Hüfte - müssen für eine allfällige Zucht einem Standard genügen. Und da Hunde ja nicht einfach stillhalten und sich wie gewünscht hinlegen, war dies mit einer leichten Narkose verbunden.

So leicht war sie nun, glaube ich, aber doch nicht. Nach drei Stunden konnten wir einen ziemlich betrunkenen Fynn wieder abholen und mitnehmen. Freudig ist er noch an uns hoch gesprungen, und auch die Autofahrt überstand er gut in seinem Kabäuschen auf dem Pick-up. Doch zu Hause schlief er fast stehend ein und kämpfte krampfhaft gegen das Umfallen. Er wollte unbedingt auch in den Garten, dort angekommen wusste er aber doch nicht so recht, was er da überhaupt wollte. Erbarmen und belustigtes Lachen wechselten sich bei Barbara und mir ab. Auf jeden Fall war der Bursche am nächsten Tag wieder fit und munter wie eh und je - auf das Ergebnis warten wir noch, da es nun noch von der Ridgeback-Hohheit in Südafrika beurteilt werden muss.

«Africa-Lodge goes organic» hat mir Barbara noch auf den Blog-Zettel geschrieben. Was sie damit meint: Genau doert, wo früher Schildi und Panzi wohnten, gedeihen nun beziehungsweise hoffentlich bald, Radieschen, Squashs, Cherry-Tomaten, Chilli und Frühlingszwiebeln. Wir haben nun unsere eigene «Pünt», haben einfach Beete gebaut mit einigen Brettern, die früher die zwei Schildkröten im Zaun hielten.

Die tierische Woche wurde am Ende noch mit einem Ausflug nach Kapstadt abegerundet. Ein Township-Bauer trieb seine Kuhherde doch tatsächlich via Fussgänger-Überführung über die stark befahrene Autobahn. Nichts ist unmöglich in Südafrika!

Man liest sich!

Im Dossier: Weitere Auswanderer-Blogs von Sacha von der Crone