Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Mitarbeiter- und Politik-Sorgen - aber uns geht es gut!

Immer noch ist Auswanderer Sacha von der Crone auf der Suche nach einem Gärtner. Da muss er auch ab und an selber anpacken. Und auch die Politik in Südafrika gibt ihm noch immer Stoff zum Nachdenken. 
Sacha von der Crone Pfadi Winterthur Auswandern Südafrika Leben
© ZVG

Vom Efeu befreit ist nun die ganze Pracht dieses alten Rebstockes sichtbar.

Nein, wir haben immer noch keinen Gärtner gefunden. Eigentlich waren wir bereits kurz davor, einen Neuen zu haben. Gefunden über Facebook. Eine Frau pries dort ihren supertollen Gärtner an. Sie versprach mir gleich, mit ihm zu sprechen, wenn er wieder bei ihr am Arbeiten ist. Nun, er kam dort nie mehr zur Arbeit... Es ist wirklich unglaublich. So viele sind arbeitslos, aber arbeiten möchten sie auch nicht unbedingt. Wir suchen ja keinen «gstudierten» Gartenbau-Ingenieur, sondern vor allem einen Laubrecher, Jäter und Sträucheschneider, die es hier wie Sand am Meer gibt. Doch eben, pflichtbewusst und einigermassen «zügig» sollte er ja auch noch sein. Und hier liegt das Problem.

Nun musste auch noch unsere «Maid-Perle» Beauty zu ihrer kranken Mutter reisen. Zum Glück springt unsere zweite Maid für sämtliche Tage ein und unsere Zimmer und das gesamte Haus sind somit immer tiptop sauber. Aber es beschleicht mich das Gefühl, dass unsere zweite Saison bezüglich Arbeitskräfte intensiver wird als die erste. «Mitarbeiter sind das grösste Problem in Südafrika», wurde ich vor unserer Auswanderung immer wieder gewarnt. Es scheint sich zu bewahrheiten. Bildung, Bildung, Bildung und das damit verbundene Pflichtbewusstsein - nur so scheint mir dieses Problem lösbar. Aber natürlich lässt sich dies nicht von heute auf morgen lösen. Die Studenten-Unruhen machen immer noch Schlagzeilen und zeigen die zahlreichen Knacknüsse auf.

Grössere Schlagzeilen schreiben im Moment aber die Proteste gegenüber Präsident Zuma. Zuerst wollte er noch gerichtlich einen Bericht der Korruptions-Beauftragten verbieten, diesen gerichtlichen Antrag zog er aber dann wiederum zurück. Es ist nun ersichtlich, dass Ministerposten «verschenkt» wurden. Eine indische Grossfamilie die verschiedene Minen betreibt und auch Energie-Firmen besitzt, ist Präsident Zuma sehr, sehr nahe und sprach bei der Vergabe von Ministerposten direkt mit.

Ein riesiger Klüngel, den Zuma um sich herum aufgebaut hat. Ich denke, wenn er etwas wirklich gut gemacht hat, dann vor allem den Aufbau seines Machtimperiums. «Töte nie die Kuh, die du melkst» - so hält er sich im Stuhl und dies wohl noch bis zu den Wahlen 2019, durch Unterstützung seiner engsten Gefolgsleuten. Europäische Korrespondenten melden, dass sich Zuma auch deshalb an der Macht halten kann, weil es Südafrika immer noch gut gehe. Ja, Südafrika geht es im Vergleich zu allen anderen afrikanischen Staaten immer noch gut. Bloss: Ist das der Vergleich, den Südafrika suchen sollte? Die Regenbogen-Nation wollte und erreichte nach dem Ende der Apartheit doch mehr. Und ein Wirtschaftsaufschwung ist nicht in Sicht, die Kurs-Entwicklung der Währung schwankend und sehr fragil.

Sacha von der Crone Pfadi Winterthur Auswandern Südafrika Leben
© ZVG

Ich bin auch ein Schild: E-Mail-Ausdruck als Beweis für ein Bohrloch.

Selbst ist der Mann und die Frau

Wenn wir schon keinen Gärtner finden, dann müssen wir halt öfter selber ran. Muskelkater und frühe Ermüdungserscheinungen abends vor dem TV sind die Folge davon. Ein Gast aus Winterthur sagte zu mir: «Eure wunderschöne Rebe vor unserem Zimmer würde bestimmt wieder Früchte tragen, wenn der Efeu weg wäre. Dienstag oder Donnerstag hätte ich Zeit und würde dir helfen.» Gesagt, getan. Wir griffen beide zur Säge und Rebschere und entfernten einen halben Tag lang mehrjährigen Efeu. Zum Vorschein kam eine unglaublich dicke und demzufolge auch sehr alte Rebe. Was für ein schöner Anblick - passend zu unserer Wein-Region. Der Garten als Prunkstück der Africa-Lodge ist also um einen Blickfang reicher. Dank Wasser aus dem eigenen Bohrloch bleibt das hoffentlich auch trotz strengen Wasser-Restriktionen noch lange so. Den Garten bewässern dürfen wir aber nur noch, wenn wir eine entsprechende Tafel am Zaun zur Strasse hin aufhängen. Diese ist beantragt, und bis sie eintrifft und montiert ist, reicht ein Ausdruck der E-Mail, die beweist, dass wir die Tafel beantragt haben. Auch das kann Südafrika sein: einfach, unbürokratisch, unkompliziert! Man liest sich!

Im Dossier: Alle Beiträge von Auswanderer Sacha von der Crone