Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Ein Auf und Ab

Auswanderer Sacha von der Crone konnte seinen Personalengpass beheben und freut sich über Besuch aus der Heimat. Der führt ihm und seiner Freundin vor Augen, welch schönen Flecken Erde sie sich für ihre neue Heimat ausgesucht haben. 
Südafrika reisen Wetter Klima Frühling leben Blog Sacha von der Crone
© ZVG.

Frühling - mit den Temperaturen gehts auf-, sonst wohl eher abwärts.

Der neue Gärtner ist erschienen - er kam sogar zu früh. Nicht Minuten, sondern einen Tag. Am Samstag wurde er uns vorgestellt, vorbeigebracht von der Frau, die ihn uns via Facebook empfohlen hat. So ist gewährleistet, dass er mindestens den Weg findet. Alles andere könnte immer mal wieder schwierig werden. Er ist Südafrikaner und spricht nur Xhosa - genau, die Sprache mit den Klicklauten. Englisch kann er wenige Brocken, für mehr hat es nicht gereicht, da er leider die Schule zu früh verlassen hatte. Die wenigen Brocken entsprechen in etwa meinen Chinesisch-Kenntnissen. Aber wir haben ja beide Hände und Füsse, mit denen wir uns verständigen können. Was im Garten zu tun ist, kann man schliesslich gut zeigen oder vormachen.

Nun gut, schneller und effizienter könnte er sein. Aber ich mag den Kerli mit seinem verschmitzten Schalk und seinem fröhlichen Wesen. Und ich habe ein wenig das Gefühl, wir tun so etwas Gutes. Er hat sicherlich nicht viel. Um wenigstens Missverständnisse bezüglich Arbeitstage auszuschliessen oder wenigstens zu minimieren, hat er von uns einen Zettel bekommen, mit Adresse und den Wochentagen inklusive Datum, wann er arbeiten kann. Sogar - Google-Übersetzung sei Dank - auch auf Xhosa. Mal schauen, wann er das nächste Mal vor unserem Tor steht. 

Apropos Tor. Da er am Donnerstag erwartet wurde, öffnete meine Freundin Barbara am Mittwoch das Gate-Tor. Da unsere Angestellte Beauty den Gärtner am Samstag bei der Vorstellungsrunde allerdings nicht sah, erschrak sie ziemlich, als plötzlich ein wildfremder Mann auf unserem Grundstück stand. Sie wies ihn wieder vors Tor und ich musste ihn zuerst identifizieren, bevor er Zutritt bekam und seine Arbeit beginnen konnte. Manchmal denke ich, wir sollten ein wenig vorsichtiger sein.

Die Africa-Lodge ist gut besucht in diesen Tagen. Zusätzlich haben wir noch «hohen» Besuch. Barbaras Bruder verbringt mit seiner Familie zwei Wochen bei uns. Gelegenheit also, unser neues Zuhause und die nähere und weitere Umgebung zu zeigen. Die Schwärmereien von ihnen und die Eindrücke, die wir ihnen vermitteln können, zeigen uns einmal mehr, wie schön unsere neue Heimat ist. Gerade jetzt im Frühling, wenn alles spriesst und die Rebberge wieder grün werden. Einfach traumhaft. Ich denke, es tut auch uns gut, die Schönheit wieder einmal richtig zu geniessen und uns bewusst zu machen, wie wunderbar die Natur hier am Western Cape ist.

Schön war es auch in der Schweiz, nur haben wir dies bestimmt zu wenig genossen, es war wohl einfach selbstverständlich. Genuss, vor allem des eigenen Lebens, das hat uns Schweizern der Südafrikaner bestimmt voraus. Beim Besuch eines Weingutes, mit fast obligatem Wine-Tasting, sehe ich an anderen Tischen Südafrikaner, welche beim Business-Lunch, Arbeit und Genuss verbinden. Zwei junge Frauen verbringen die Mittagspause auf die gleiche Weise - fast unvorstellbar in der Schweiz, ich weiss. Man kann sich so etwas während der Arbeit gar nicht erlauben. Ketzerisch könnte man sagen, man sieht ja in Südafrika, wohin das führt.

Der Präsident - mit über 700 Anzeigen wegen Betrug und Korruption vor seinem Amtsantritt - lässt gerade seinen ungeliebten Finanzminister von der Staatsanwaltschaft vorführen. Ungeliebt ist dieser übrigens nur vom Präsidenten, der Rest der Welt hält grosse Stücke auf ihn und sieht in ihm einen Lichtblick für Südafrika. Er wird aber, wohl auf präsidialen Wunsch, gerade jetzt angeklagt und verhört, wo seine Rede zum Haushalt von Südafrika bevorsteht. Eine richtungsweisende Rede, bevor die Rating-Agenturen entscheiden, ob Südafrika endgültig auf Ramsch-Niveau eingestuft wird. Der Finanzminister weibelte in London und New York für sein Land und seine Pläne. Der Präsident wiederum, denkt nur an seine...und die Bevölkerung geniesst.

Man lebt mehr im hier und jetzt, hat wohl auch viel weniger Versicherungs-Policen als die Schweizer, man ist aber bestimmt nicht weniger glücklich. Das Leben findet jetzt statt, auch wenn die wirtschaftlichen Aussichten nicht wirklich rosig sind. Unglaublich viele Hausverkäufe und Besichtigungen, welche von Maklern an der Strasse werbewirksam beschildert werden, deuten darauf hin.

Man liest sich!

Im Dossier: Alle Beiträge von Auswanderer Sacha von der Crone