Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Das grosse Feuer

Der Waldbrand in Südafrika kam diese Woche gefährlich nah an das Grundstück von Sacha von der Crone. Die Bilanz ist verheerend, allerdings nicht für den Schweizer Auswanderer. Er hat nochmals Glück gehabt.
Südafrika Waldbrand Feuer
© Sacha von der Crone

Gespenstige Stimmung in Sacha von der Crones Garten in Südafrika.

Regen gab es keinen diese Woche, und der Gärtner erschien auch nicht am Montag. Es war wiederum so ein halber Feiertag, und von dem her, ist sein Nichterscheinen kein Drama. Am Mittwoch kam er ja dann. Unsere Mitarbeiterinnen erschienen aber immer pünktlich. Es bleibt dabei, Frauen sind in Südafrika die zuverlässigeren Mitarbeiter.

Doch diese Woche beschäftigte uns fast nur etwas: das grosse Feuer in unserer Region. Ziemlich nahe bei uns und vor allem gross. Über 24 Stunden lang wütete es gut 3 Kilometer Luftlinie von uns entfernt. Die Bilanz ist verheerend. Von dem unglaublich alten und geschichtsträchtigen Weingut «Vergelegen» sind von gut 3000 Hektaren, 40 Prozent zerstört. Gebäude wurden dort keine beschädigt, dagegen ist eine Lodge, ähnlich wie unsere, komplett abgebrannt. Weitere Gebäude und Fahrzeuge wurden ebenfalls zerstört, doch Personen kamen keine zu Schaden.

Der Brand beschäftigte uns sehr. Die Auswirkungen waren bei uns zum Glück nicht gross. Aschenregen, starker Brandgeruch und ein schwarzer Pool, das alles lässt sich reinigen oder «verduftet» von alleine. Aber die Stimmung war gedrückt. Und die Sonne - durch den Rauch nachmittags um vier stark verdunkelt - zauberte ein gespenstiges Licht, passend zu unserer Laune. Löschhelikopter und Flugzeuge waren immer wieder am Himmel sicht- und hörbar, das Vogelgezwitscher verstummte. Machtlos ist man diesem Feuer ausgesetzt. Aber Betroffene sind nicht alleine. Wie üblich wurden auf Facebook zuerst Wasser und Sandwiches für die Feuerleute und freiwilligen Helfer gesucht, später waren es dann für diese Leute Sonnencreme und Augentropfen. Für die, die ihr Heim oder ihr Business verloren, wurden auch Kleider und allerlei anderes gesammelt. Mit grossem Erfolg. Jeweils kurz nach dem Aufruf erfolgte auch gleich wiederum die Meldung, man solle nichts mehr bringen, es sei genügend gespendet worden. Auch Supermärkte wissen solche Aufrufe geschickt für ihr Image einzusetzen und spenden grosszügig. Sehr schön, dies zu erleben, vor allem weil wir Schweizer solche Katastrophen nicht gut kennen.

Südafrika Waldbrand Fynn
© Sacha von der Crone

Fynn trauert seinem Swimmingpool nach.

Sogar Facebook erkannte die Tragödie und deren Auswirkungen. Das Katastrophen-Tool fragte mich tatsächlich am Morgen danach, «ob ich in Sicherheit bin und dies meinen Freunden mitteilen möchte». Das war aber auch gleich das einzige «ausländische Medium», das sich offenbar dafür interessierte. In deutschen oder schweizerischen Medien las ich keine Zeile über die Katastrophe. Obwohl mehr als die vierfache Fläche meiner Heimatstadt Winterthur brannte und vernichtet wurde. Wenn in Kalifornien durch einen Waldbrand ein Haus eines kleinen Schauspielers durch Feuer bedroht ist, weiss es zehn Minuten später die ganze Welt...

Mittlerweile ist das Feuer weitergezogen, Richtung Stellenbosch. Her kam es wohl von einem Gebiet rund 15 Kilometer von uns entfernt. Der Wind blies mit fast 100 Stundenkilometer unglaublich stark und verbreitete das Feuer im wahrsten Sinne des Wortes in Windeseile. Vielleicht ist das Problem auch hausgemacht. Nebst dem fehlenden Regen im Winter und der damit verbundenen Dürre sind auch vor langer Zeit gepflanzte australische Gummibäume das Problem. Einst angebaut, um den Boden trocken zu legen, sind sie heute Brandbeschleuniger. Und der sonst schon trockene Boden ist noch trockener. Wohl ein weiteres Beispiel dessen, was passiert, wenn der Mensch in die Natur eingreift und artfremde Pflanzen einführt.

Im krassen Gegensatz zu dieser Katastrophe um uns herum, bleibt die Africa-Lodge unsere heile Welt, und der normale Hochsaison-Trubel geht seinen Weg und hält uns auf Trab.

Man liest sich!

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Blog Südafrika Waldbrand Sonne
© Sacha von der Crone

Verdunkelte Sonne - und das nachmittags um vier Uhr.