Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Es brennt in Südafrika

Die Suche nach einem neuen Gärtner scheint endlich vorbei zu sein, doch Auswanderer Sacha von der Crone steht bereits vor einer neuen Herausforderung: Lange Trockenperioden führen schon jetzt zu Bränden. 

Tatsächlich ist der Gärtner an allen drei vereinbarten Arbeitstagen erschienen. Scheint also, als hätten wir eine neue Arbeitskraft gefunden. Endlich! Wobei man sagen muss, dass er gestern fast 40 Minuten zu spät zur Arbeit erschien. «I'm lost», schrieb er uns. Der Fahrer des Mini-Taxis, die die Arbeiter jeweils zur frühmorgendlichen Stunde von zu Hause in alle Gebiete von Somerset West fahren, hielt es nicht für nötig, ihn am vereinbarten Ort auszuladen. Er wurde irgendwo abgesetzt und wusste nicht wirklich, wo er war. Wir konnten ihn dann zu uns lotsen und alles war gut. Gut kam es schlussendlich auch mit unserer südafrikanischen Gästeschar, die über Umwege zu uns fand. Auch wenn sie noch den Preis drücken wollten, da sie aus zeitlichen Gründen jeweils aufs Frühstück verzichteten. Soweit also alles gut. Wären da nicht die ersten grossen Feuer.

Ich glaube, rund um den letzten Jahreswechsel schrieb ich zum ersten Mal von Bränden in unserer Region. Jetzt ging es schon diese Woche los. Rauchgeruch lag in der Luft, der Himmel war dreckiger als sonst. Grosse Brände, zum Glück in einiger Distanz von uns, waren ausgebrochen und loderten tagelang. Die Trockenheit ist wirklich verheerend. Gestern war Regen angekündigt und es war auch wirklich schlechtes Wetter. Die Ausbeute: etwas mehr als fünf Millimeter Niederschlag. Nun ist wieder für die nächsten zehn Tage keine Wolke in Sicht. Je länger je mehr werde ich mir bewusst, wie wertvoll Wasser und regelmässige Niederschläge sind. Europa kann sich dessen glücklich schätzen, auch wenn mich damals lange Regenphasen in der Schweiz nervten. Es kann wirklich dramatisch werden. Ich glaube, dass es langsam auch die meisten Südafrikaner geschnallt haben.

Auf Facebook werden die abstrusesten Konstruktionen gezeigt, wie man versucht, das bisschen Regenwasser zu sammeln. Mit Erfolg - 750 Liter hat jemand gesammelt aus diesem wenigen Regen. Verstanden haben es die meisten, doch lange noch nicht alle. Postete doch dieser Tage eine Frau, was sie ausgerechnet habe: Mehrere Regenwasser-Tonnen, Schläuche und ein Filter für das dreckige Pool-Wasser, koste sie mehr als das doppelte der jährlichen Wasserkosten. «Spare besser Geld, als Wasser» betitelte sie ihren Post. Südafrikaner können also auch einen Shit-Storm lostreten, kann ich dazu nur sagen. Ein wirklich dummer Post, der aber wiederum aufzeigt, dass einige den Ernst der Lage halt nicht erkennen, solange noch Wasser aus dem Wasserhahn kommt. Dieses Wasser ist übrigens bedenkenlos trinkbar in unserer Region. Aber wie angekündigt schmeckt es mittlerweile chloriger als auch schon und im Wasserbehälter der Kaffeemaschine bildet sich ein ganz, ganz leichter bräunlicher Satz. Spätestens jetzt sollte man also den Ernst der Lage erkannt haben.

Ein weiteres Feuer machte diese Woche Schlagzeilen. Ein Feuer in einem Township bei uns in Somerset West. Über hundert Hütten sind abgebrannt und machten 400 Menschen obdachlos. Tragisch. Und man merkt bei diesen Zahlen auch, wie dicht diese Menschen aufeinander leben. Unsere Arbeiter wohnen auch dort, wurden aber zum Glück von diesem Feuer verschont. Doch auch bei diesem Unglücksfall merkten wir, wie die Community hier funktioniert. Es wurde auf Facebook nicht nur für die Feuerwehrsleute bei den Busch- und Flächenbränden Essen und Getränke gesammelt, sondern es startete auch sofort ein Aufruf für Kleider, Spielsachen und Lebensmittel für die vom Brand betroffenen Township-Bewohner. Und dies mit ebenso grossem Erfolg. Auch wenn es hier wiederum Idioten gab, die Bilder vom Brand neben eines verschonten Kunstrasen-Fussball-Felds mit den Worten kommentierten: «Ich sehe wo das Wasser hingeht, das uns fehlt.» Weil er meinte, der Rasen im Bild sei echt.

Rassismus ist halt auch Jahrzehnte nach dem Ende der Apartheid ein Problem. So fiel dieser Tage auch der Anführer der drittstärksten Partei im Lande negativ auf, als er wieder einmal dazu aufrief, weisse Farmer von ihrem Land zu enteignen. Er wiederum ist nicht zum ersten Mal wegen Volksverhetzung angezeigt worden. Ich denke, der amtierende Präsident sollte nicht mehr lange was zu sagen haben, aber dieser Herr darf in Südafrika nie was zu sagen haben. Es bleibt also weiterhin spannend. Und in unserem persönlichen Südafrika ist weiterhin alles in bester Ordnung.

Man liest sich!

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