14. Februar 2011 Handy-Manie!

Oder wenn Amuse Bouche mit dem Zug pendelt...!


© flickr.com/blacklord

Freitagabend. Eine erfolgreiche Woche neigt sich dem Ende zu und ich bin gerade auf dem Heimweg nach meiner auswärtigen Kundensitzung. Mein Zug fährt in Zürich ein und ich muss nur noch einmal umsteigen: ohne Halt bis Basel SBB! Von draussen sehe ich schon, dass der Zug ziemlich voll ist. Ich steig ein und da war sie schon: diese Hektik! Und jede und jeder im Massen-Pendlerauflauf mit dem gleichen Ziel: einen Sitzplatz zu ergattern. Die einen mit grossen, die anderen mit kleinen Business-Köfferchen und die meisten ihr Handy am Ohr! Ein junger Krawattenträger in seinem spiessigen Konfirmanden-Anzug steht mir hinten fast auf die Fersen, grinst mich mit einem «Sorry» an, links ein weisser Stöpsel mit lauter «Nznznznz-Musik» im Ohr, rechts sein iPhone am Bimmeln. Ein anderer Zuggast muss noch seinen wohlverdienten Schlummerbecher (genannt Dosenbier) öffnen und nach dem abgewürgten Zisch, stinkt das ganze Abteil nach Billigmalzfusel. Aber auch sein Ohr ist am Handy!

Immer noch keinen Sitzplatz gefunden, geht es ins nächste Abteil. Immer noch Hektik. Geraschel von Plastik- und Papiertüten oder sonstigen vollfetten Chipspackungen. Und dazwischen wieder ein anderes Handy-Modell am Bimmeln. Und fast jede und jeder fummelt irgendwas an seinem tragbaren Mini-Telefon herum. Und ich bekomme die Krise! Doch das Leiden hat ein Ende. Ich habe endlich einen Platz gefunden. Im Gang auf dem oberen Deck. Zuerst mal hinsetzen und kurz runter fahren. Nach meinem Platzsuchtripp bin ich geschaffter, als nach meiner ganztägigen Sitzung. Dann geht die Handy-Manie weiter. Es bimmelt und piepst in den höchsten Tönen. Und nach einem langen Tag, dann noch dieses belanglose und Wichtigtuer-Geplapper. Und irgendwie kann ich es so gut verstehen, dass es Pendler gibt, die Handy-Störsender dabei haben, um «Ich-muss-24-Stunden-erreichbar-sein-Handy-Foner» den Saft mal für eine Zugfahrt abzuschalten.

Die junge Frau hinter mir, meint auf jeden Fall auch, dass sie zu dieser 24-Stunden-Spezie gehört. Bis ins kleinste Detail erzählt sie hemmungslos ihrer Freundin am anderen Ende der Leitung und wohl oder übel auch allen Zuggästen, ihre ganze Liebes-Aus-Beziehung Geschichte. Nach einer Viertelstunde wissen jetzt alle, dass ihre Liaison genau drei Wochen gedauert hat, sie bereits wieder einen Neuen kennen gelernt hat und nicht weiss ob sie jetzt ihre Haare wieder blond färben soll! Und ich frag' mich, wieso alle so gelassen da sitzen, ihnen dieses belanglose Handy-Gelaber nicht auf die Nerven geht, während ich denke, was es sonst noch im Leben von Handy-Manie-Leuten gibt.

Es ist wirklich unglaublich zu beobachten, wie viele Leute ständig und überall am Telefonieren sind. Es ist zur Gewohnheit geworden, immer und überall erreichbar zu sein, pausenlos zu telefonieren und es alle anderen gezwungenermassen auch mitanhören müssen. Und es stört anscheinend nur mich!

Wahrscheinlich muss ich mehr Zug fahren, um mich wieder ein wenig ans Pendler-Leben zu gewöhnen... oder damit ich mich einer Handy-Störsender-Gruppe anschliessen kann!

Bibb, Bibb...

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Kommentare

Colette Greder
9. März 2011 - 12:27

Deshalb fahr ich grundsätzlich kein ÖV. In meinem eigenen Auto regt mich höchstens mein eigenes Handygeplapper auf...

 
 

Martin Schulz
17. Februar 2011 - 12:39

Dann können Sie sich gleich bei uns anschließen. Ich gehe ohne Handy Störsender nicht mehr aus dem Haus. Das lästige Handyklingeln und die lautstarken Brüllgeräusche ins Handy so wie "Ich bin gerade im Zug, sprich bitte lauter" sind teilweise unerträglich. Ich schalte dann meinen Störsender ein und Schupp- ist die Klingelei und Brüllerei ins Handy sofort am Ende. Ich weiß garnicht, wie ich vorher ohne mein kleines Ding ausgekommen bin. es ist so wohltuend mal ohne Handygenerve zu sein.

 
 

Amuse Bouche
Alter: Nicht ganz 40
Sternzeichen: Geniesserin
Ort: Basel und Umgebung
Merkmal: Amüsant, frech, aber auch hinterfragend.

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