Lesetipp Ein Heiliger in Zeiten der Wirtschaftskrise von Elliot Perlman

Der Autor skizziert in seinem spannenden Debütroman "Drei Dollar" ein Porträt unserer Zeit, das in Australien verfilmt wurde.


«Im Grunde war ich ein egozentrischer, pseudo­intellektueller Dummkopf, angetrieben von roman­tischen Vorstellungen, die im krassen Widerspruch zu der Weltanschauung standen, auf der mein zukünftiger Beruf fusste.» Mit diesen Worten beschreibt sich Eddie Harnovey, der Chemie-­Ingenieur werden will. So wie Mister Claremont, der Vater seiner Sandkasten­freundin, die ihm aus Standesdünkel jäh entrissen wurde. Amanda bleibt in seinen Sinnen hängen. Ihr Haar, ihr Duft. Die Berührung mit ihrem Knie. Ironie des Schicksals: Die alte Flamme wird Eddie alle neuneinhalb Jahre über den Weg laufen.

Im Supermarkt begegnet er schliesslich der Liebe fürs Leben: Tanya. Mit ihr hat er spannende Wortgefechte, guten Sex, ist er glücklich. Bis sie den Hamlet spielen will. Und nur einer das wirklich versteht. Gerard. Kate, die Partnerin seines neuen Freundes Paul, ist es, die Eddie zur Rückeroberung von Tanya animiert. Mit Erfolg. Man feiert Hochzeit. Kriegt zusammen ein Kind. Zieht in ein Haus ein. Friede, Freude, Eier­kuchen? Von wegen.

Nicht nur Eddies Haus beginnt wegen steigender Zinsen zu bröckeln, auch sein Berufs­leben gerät aus den Fugen. Für Gerard, den Ex seiner Ehefrau und aktuellen Lover von Amanda, soll er ein Gutachten erstellen über die ökologischen Folgen eines Industrieprojekts. Eddie Harnovey, 38, weiss nur eines: Er wird seine Seele nicht dem Teufel verkaufen. Auch wenn ihm nur noch drei Dollar bleiben.

Elliot Perlman, 45, zeichnet mit spitzer Feder ein Gesellschaftsporträt, beschreibt mit starken Bildern seine Protagonisten. Intelligent, mitfühlend und witzig. Der Erstling wurde 1998 publiziert und inzwischen verfilmt. Bei uns wurde der Australier unlängst mit «Sieben Seiten der Wahrheit» bekannt.

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