Ausstellungstipp Henri Rousseau: Die Kraft der Fantasie

Pionier der Moderne Hundert Jahre nach seinem Tod zeigt die Fondation Beyeler 40 Meisterwerke von des Französischen Künstlers.

Kunst Rousseau Besten 05


Sich selbst zu kopieren, ist nicht verboten. Solange es das Motiv wert ist. Schon Johann Sebastian Bach hat sich des eigenen musikalischen Fundus bedient und Themen ungeniert mehrmals verwendet. Auch Henri Rousseau (1844–1910) übertrug gerne Bäume, Figuren, ja ganze Ausschnitte von einem Bild ins andere.

Das für den Franzosen typische Wandern der Motive ist in der aktuellen Ausstellung in Riehen anschaulich dargestellt. Die direkte Gegenüberstellung von «Sonnenuntergang im Dschungel» und «Die Ballspieler» macht deutlich: Der über den Spielern schwebende Ball wirkt wie das verschobene Motiv der untergehenden Sonne im «Dschungel»-Bild. Rousseaus Faszination für den Gegensatz zwischen der zivilisierten Welt und einer ungezähmten imaginären Natur zieht sich durch sein gesamtes Werk.

Begonnen hat Henri Rousseau, der bis 1893 sein Auskommen als Zöllner verdiente, mit kleinformatigen Landschaftsbildern. Bereits dort taucht das Motiv des Waldes auf. Dicht und un­durchdringlich – ein Symbol für das Wilde, Unzähmbare. Später wucherte der
Wald immer mehr in des Malers Unter­bewusstsein und bestimmte seine späten Werke.

Rousseau, der zeit­lebens nie einen Dschungel betreten hat, schafft schliesslich die Urwaldbilder schlechthin. Bis zu 50 verschiedene Grüntöne sollen darauf zu sehen sein. Idealisiert und vereinfacht gibt der Maler die Realität wieder. So verwischt die Grenze zur Traumwelt. Deshalb wurde der «Zöllner» – wie Rousseau genannt wurde – lange nicht ernst genommen.

Der Schriftsteller Guillaume Apollinaire beschrieb seinen Freund so: «Wenige Maler sind zu ihren Lebzeiten so verhöhnt worden wie der Zöllner. Und wenige Menschen traten den Spöttereien, den Grobheiten, mit denen man ihn überschüttete, mit ruhigerer Stirn entgegen.» Zu Lebzeiten verkannt, gilt Rousseau heute als einer der Weg­bereiter der Moderne.
  

Fondation Beyeler Riehen 7. 2.–9. 5.
Täglich 10–18 Uhr, Mi 10–20 Uhr.
Tel. 061 - 645 97 00 Publikation CHF 64.–
www.beyeler.com

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