Complices (CH/F) Im Höhenflug

Frédéric Mermoud bringt COMPLICES, seinen ersten Spielfilm, in die Kinos. Und wird gleich mit dem Schweizer Filmpreis Quarz 2010 für das beste Drehbuch geehrt.

Complices, Kino

Gute Zusammenarbeit: Regisseur Frédéric Mermoud mit Schauspieler Cyril Descours (hinten).
© Roger Do Minh

Früh übt sich, was ein Meister werden will. Das Motto passt perfekt auf Regisseur Frédéric Mermoud, 41. Denn bereits als kleiner Junge verbrachte der Walliser viel Zeit in den Kinosälen seines Göttis in Sitten. «Das Kino war wie mein Wohn- und Spielzimmer», erinnert sich der Filmemacher. Er sah sich alles an: Fellini und italienische Filme über Emigranten, Autoren- und Genrefilme, Volkstümliches und Krimis. Später schauspielerte Mermoud selber in der Theatergruppe seines Gymnasiums. Zum Beruf des Regisseurs kam der in Paris wohnhafte Vater dreier kleiner Kinder jedoch über einen Umweg: Erst studierte er Literaturwissenschaften in Genf, dann lernte er das Handwerk des Filmemachers an der ECAL (Ecole Cantonale d’Art) in Lausanne.

Frédéric Mermoud startet seine Karriere als Regieassistent in Denis Rabaglias viel gepriesenem Film «Azzurro» (Schweizer Filmpreis 2001). Bald danach dreht der frischgebackene Regisseur seine eigenen Kurzfilme. Mit «L’Escalier» gewinnt er 2004 nicht nur den Schweizer Filmpreis, sondern holt sich 18 weitere internationale Auszeichnungen. Hauptdarstellerin ist die junge Nina Meurisse, die auch im gefeierten Kurzfilm «Rachel» (2006) und jetzt in «Complices», dem ersten Langspielfilm Mermouds, dabei ist. Bereits am Drehbuch von «Complices» arbeitend, dreht der Walliser noch 2007 den 13-minütigen Film «Le Créneau». Und unterrichtet an der ECAL. Schliesslich muss auch ein Regisseur seinen Lebensunterhalt verdienen!

«Complices» ist Thriller und gleichzeitig ergreifende Lovestory. «Von Anfang an wusste ich, dass mein erster Spielfilm von einer Liebesgeschichte aus der Sicht einer jungen Frau handeln wird, gedreht im Genre eines Film noir. Und dass die beiden jungen Menschen jemandem begegnen und eine Dummheit machen werden.»

In seinem Sketchbook sammelt Mermoud Notizen, Bilder, Ideen zum jeweiligen Film. Doch beim Drehen lässt er sich immer wieder gerne von den Schauspielern überraschen. Zu den gewagten Sexszenen, in denen Rebecca (Nina Meurisse) aus Liebe ihren Freund, den Callboy Vincent (Cyril Descours), zu seinen Kunden begleitet, meint der Walliser Regisseur: «Zwei Wochen vor den Dreharbeiten habe ich ihnen genau erklärt, wie ich sie filmen werde. Zum Glück hatten die beiden grosses Vertrauen zueinander.» Ein hartes Stück Leben, ein starkes Stück Kino.

Eine Amour Fou
Polizist Hervé (Gilbert Melki) und seine Kollegin Karine (Emmanuelle Devos) finden die Leiche des jungen Callboys Vincent (Cyril Descours) in der Rhone. Gleichzeitig verschwindet auch seine Freundin Rebecca (Nina Meurisse). In Rückblenden wird die Liebesgeschichte der beiden Jugendlichen erzählt. Und das triste Dasein der beiden Flics beleuchtet. Starkes Kino.

Bewertung: * * * *
Länge: 93 Min.
Regie: Frédéric Mermoud
Start 26. 8.

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