Anne-Sofie von Otter Kein Leben ohne Bach

Die schwedische Mezzo­sopranistin Anne Sofie von Otter singt in Basel die Hauptrolle in Jacques Offenbachs Operette «La Grande-Duchesse de Gérolstein». Christoph Marthaler inszeniert.

Anne-Sophie von Otter

Wie ein Wirbelwind Die Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter in «La Grande-Duchesse de Gérolstein».
© Toni Suter und Tanja Dorendorf

Man merkt Anne Sofie von Otter, 54, nicht an, dass sie eine der begehrtesten Mezzosopranistinnen der Welt ist. ­Keine Starallüren, keine Schminke. Die gross gewachsene, blonde Sängerin wirkt bescheiden, konzentriert und sehr kontrolliert. Letzteres lässt sich wahrscheinlich ihrer nordischen Herkunft zuschreiben. Oder ihrer Schüchternheit.

Als Kind spielt Anne Sofie von Otter Klavier. Ohne grosse Begeisterung. Dann kommt ein neuer Musiklehrer an ihre Stockholmer Schule: «Er war jung, hübsch, frisch geschieden. Und wir waren alle in ihn verliebt. Als er ­einen Chor gründete, meldete ich mich sofort an.» Es macht der jungen Anne Sofie Spass, mit anderen zusammen zu singen. Und so beschliesst sie, die Musik zu ihrem Beruf zu machen. Sie übt fleissig Klavier, um die Prüfung an der Musikhochschule zu bestehen. Und nimmt Gesangsunterricht. Als der  Gesangslehrer beim ersten Vorsingen grosse Augen macht, da realisiert sie erst, über was für eine bemerkenswerte Stimme sie verfügt.

Während des Studiums singt Anne Sofie von Otter in verschiedenen Chören
ihrer Heimatstadt, was sie zwangsläufig mit der Musik von Johann Sebastian Bach bekannt macht. «Ohne Bach kann ich nicht leben», ist die gefeierte ­Sängerin, die in den grössten Häusern dieser Welt auftritt, immer noch überzeugt. Bach widmet sie auch eine ihrer ersten CD-Aufnahmen, von denen es inzwischen über hundert gibt. Ihr Repertoire ist bemerkenswert, reicht von Barockwerken bis hin zur Musik des 20. Jahrhunderts. Volkslieder und Popmusik, etwa Songs von Elvis Costello oder Abba befinden sich auch darunter.

Nach 25 Jahren kehrt nun der Star dorthin zurück, wo einst seine künstlerische Laufbahn begann: nach Basel, zum «Opernhaus des Jahres 2009». In ihrem ersten Auftritt verkörperte sie damals den Orpheus in «Orpheus und Eurydike» von Christoph Willibald Gluck, eine Oper, die Heinz Spoerli als Ballett inszenierte. Eine tolle Rolle für die scheue Anne Sofie: Sie stand mit ihrer Partitur im Orchestergraben und musste «nur» singen. «Es hätte mir als junge Künstlerin nichts Besseres passieren können!»

Inzwischen ist die Bühne ein Teil ihres Lebens geworden. Die Mutter zweier erwachsener Söhne singt in mehreren Sprachen, auch in denen, die sie nicht spricht. Wie ungarisch in «Herzog ­Blaubarts Burg» von Bela Bartok. Die Proben in Basel sind weit fort­geschritten, in wenigen Tagen ist ­Premiere. Anne Sofie von Otter singt die Hauptrolle in «La Grande-Duchesse de Gérolstein», einer Operette von ­Jacques Offenbach. Christoph ­Marthaler inszeniert. «Es macht Spass, mit Marthaler zu arbeiten. Er ist wirklich sehr kreativ, lässt sich alles Mögliche einfallen und liebt die Alltags­komik.»

Anne Sofie von Otters Terminkalender ist gespickt mit Highlights: Konzerte im Februar, USA-Tournee im März, Salzburg an Ostern, dann wieder New York. Der sympathischen Mezzo-sopranistin liegt die ganze Musikwelt zu Füssen.

Theater Basel «La Grande-Duchesse de Gérolstein»
Operette von Jacques Offenbach, in Französisch mit deutschen Untertiteln
Premiere 20. 12., Vorverkauf Tel. 061 - 295 11 33, www.theater-basel.ch

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