Milena Moser: Möchtegern (Nagel & Kimche) Und alle möchten sie gerne nur das eine

Mit der Vision einer «SchreibStar»-Fernsehshow trifft die Zürcherin Milena Moser in ihrem neuen Roman den Nerv der Zeit.


Iris Hasenfratz träumt von einem Schriftstellerleben. Genau wie die Germanistikstudentin Melanie Grossmann oder der Journalist Joggel Hoxha («Mädchen stehen auf Dichter»). Als das Fernsehen «Die Schweiz sucht den SchreibStar» lanciert, sehen sie und viele andere darin ihre grosse Chance.

Für die Jury wird die skandalumwitterte Bestsellerautorin Mimosa Mein angeworben. Ausgerechnet sie, die seit Jahren nichts mehr veröffentlicht hat. Nach der ersten Sitzung läuft Mimosa in der TV-Kantine dem Schlagerstar Nico in die Arme, aus denen sie sich erst vier Tage später wieder befreien kann. «Ich verliebte mich immer ganz, mit meiner ganzen Person, stürzte mich in eine neue Liebe wie von einem Sprungbrett, egal, ob darunter ein tiefer See war oder ein aufblasbares Kinderplanschbecken oder – gar nichts.» Mimosa Mein lässt auch das Schicksal ihrer Kandidaten nicht kalt. Sie weiss inzwischen, dass nicht nur ihre Putzfee schreibt, sondern auch ihre Coiffeuse Jo. Als Einzige zeigt sie Herz für die Hausfrau Anita Hubli-Giezendanner, die, statt Bohnen zu rüsten, vor den Experten von «SchreibStar» steht. Die Texte der Favoritin Iris Hasenfratz erinnern sie hingegen an einen Reporter, der vor Jahren unter mysteriösen Umständen verschwunden ist. Milena Mosers neuer Roman bietet eine unterhaltsame Mischung von Zeitgeist, Liebesschmerz und Krimi. Der geballte Aufmarsch an «Möchtegerns» ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, aber keine der Figuren ist letztlich überflüssig.
 

Darum ist das Buch unterhaltsam

  • Milena Mosers Schreibe ist frech, echt und skurril, aber nie unter der Gürtellinie.
  • Die Figuren sind so gut skizziert, dass man sie förmlich vor sich sieht.
  • Kreativ: Zwischen einzelnen Kapiteln wird man zum Selberschreiben animiert.

 

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