Marie-Sabine Roger: «Das Labyrinth der Wörter» Wie ein Depp die Magie der Sprache entdeckt

Ein liebevoller und witziger Roman über eine aussergewöhnliche Freundschaft.


Germain ist nicht auf der Sonnenseite des Lebens geboren. Er war ein unerwünschtes Kind und hat das auch stets zu spüren bekommen. Zu Hause und in der Schule. Inzwischen ist er 45 und Gelegenheitsarbeiter. Er haust in einem Wohnwagen im Garten seiner Mutter. Hin und wieder trifft er sich mit Annette.

Ob es Liebe ist, kann er nicht sagen, weil er nicht weiss, wie sie sich anfühlt. In der Beiz macht er sich beim Debattieren oft zum Gespött der Kollegen. Germain hat mit Müh und Not schreiben und lesen gelernt.

«Wörter sind wie Schachteln, in die man seine Gedanken einsortiert, um sie den anderen besser präsentieren und verkaufen zu können.» Ungebildet ist er, aber nicht unsensibel, und so weiss Germain, dass es «wunderschöne Päckchen gibt, wo nichts als Dreck drin ist, und andere, die ungeschickt verschnürt sind, aber wahre Schätze enthalten. Deshalb traue ich den Wörtern nicht, verstehen Sie?»

Das ändert sich, als er beim Taubenzählen auf einer Parkbank eine kultivierte Dame kennenlernt. Die 85-jährige Margueritte ist der erste Mensch, der Germain nimmt, wie er ist. In ihm einen ungeschliffenen Diamanten entdeckt. Mittels der Literatur poliert sie ihn auf. Sie liest ihm das Buch «Die Pest» von Albert Camus vor. Schenkt es ihm zum Schluss – und auch ein Wörterbuch. Denn: «Ein Wörterbuch ist nicht einfach nur ein Buch, Germain. Es ist viel mehr als das. Es ist ein Labyrinth … Ein grossartiges Labyrinth, in dem man sich voller Glück verirrt!»

Marie-Sabine Roger erzählt eine zutiefst menschliche und reizvolle Geschichte. Über die Macht der Sprache, die den Verstand weckt und das Herz öffnet. Ein filmreifer Stoff! Im Juni kommt er ins französische Kino mit Gérard Depardieu als Germain.
 

Das gefällt am Roman

  • Die unverbogene Art, wie die Autorin das einfache Gemüt Germains beschreibt.
  • Wie die Literatur das Leben und den Verstand dieses Menschen verändert.
  • Germains tiefsinnige Aussage: «Über­legen hilft mir beim Denken.»

Hier gehts zum Bestellen von Marie-Sabine Rogers "Das Labyrinth der Wörter" (Hoffmann und Campe)

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