Marianne Engel Wunder der Natur

Die diesjährige Manor-Preisträgerin Marianne Engel führt die Besucher ihrer ersten Einzelausstellung im Kunsthaus Aarau durch einen verzauberten Märchenwald.

Die Besten: Marianne Engel

Gut geerdet: Marianne Engel in ihrem Atelier im aargauischen Etzwil.
© Heiner H. Schmitt Jr.

An der Wand lehnen kleine Baumstämme, die ihre weiss getünchten Wurzeln hoch in die Luft strecken. Fluoreszierende Pilze in allen Grössen und Formen stehen dicht gedrängt auf einem kleinen Regal. Dahinter eine Kettensäge, rundherum Farbkessel und Werkzeuge, eine alte Heugabel hängt an der Wand: Dieses kreative Chaos befindet sich in einem ehemaligen Kuhstall, dem Atelier von Marianne Engel, 39. Seit die Künstlerin im Frühling von Zürich in ein altes Aargauer Bauernhaus zog, lebt sie da, wo sie am liebsten ist: in der Natur. Marianne Engel führt uns durch ihren 6000 Quadratmeter grossen Garten. Im Schatten eines Weidenstrauchs liegen milchig weisse Champignons, Röhrlinge, Steinpilze. Marianne Engel hat sie in Wachs getaucht und überlässt es nun den Schnecken und Insekten, die Formen auszuhöhlen. «Ich gebe der Natur gern zurück, was ich für meine Kunst verwende.»

Die so entstandene Negativform wird mit eingefärbtem Kunstharz ausgegossen. Dank phosphoreszierenden Pigmenten schimmern die Pilzobjekte im Dunkeln verheissungsvoll.Marianne Engels Thema ist die Natur. Und deren geheimnisvolle Schönheit. Der Blick hinter das Offensichtliche. Ihre Arbeiten zeigen, was sie selbst in Staunen versetzt. Und sie wünscht sich, «damit auch andere zu verzaubern». Auf ihren regelmässigen Streifzügen durch Wiesen, Wälder und Felder sammelt die Künstlerin Fundstücke und arrangiert sie zu einem neuen, eigenwilligen Kosmos. Ausgestopfte Wiesel, mumifizierte Katzen, Eulen, Echsen oder Mäusenester bevölkern ihre installativen Arbeiten. Spärlich ausgeleuchtete Waldlichtungen, blau schimmernde Bäume oder verfallene Häuser sind Objekte ihrer eigenwilligen, meist schummrigen Fotografien. «Es geht mir nicht nur um Schönheit, sondern auch um den Respekt vor der Natur.» In ihrer ersten grossen Einzelausstellung entführt uns die Künstlerin in eine verwunschene Märchenwelt. Und bietet so eine Bühne, die von den Besuchern mit eigenen Fantasiegestalten bevölkert werden kann.

AARGAUER KUNSTHAUS, Aarau.
Bis 6. 11. Di–So 10–17, Do 10–20 Uhr, Tel. 062 - 835 23 30,
Publikation CHF 32.–, www.aargauerkunsthaus.ch

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