Ferien auf dem Campingplatz! In Salgesch VS verbringen die Reichenbach-Vierlinge den Sommer. Mit Mami Nathalie feiern Nico, Jasmin, Lara und Leila diese Woche ihren 6. Geburtstag.
Reichenbach-Vierlinge im Camping-Urlaub «Das ist unser Paradies»
Villa Kunterbunt oder Cuba Libre - wie sollen die Reichenbachs ihren Wohnwagen nennen? Die Vierlinge Lara, Leila, Nico und Jasmin verwandeln ihr Feriendomizil in Salgesch VS oft in einen gigantischen Spielplatz - wie Pippi Langstrumpf ihre Villa Kunterbunt. «Obwohl keines meiner Kinder so frech und stark ist wie Pippi», witzelt Mami Nathalie. Oder soll das kleine «Anwesen» mit Vorzelt und Blumenbeet eher Cuba Libre heissen - wie der Lieblingsdrink, den sich die 37-Jährige ab und zu gönnt, wenn ihre Bande im Bett ist?
Die Namensgebung eilt nicht, anderes ist im Moment wichtiger: «Ich lasse mir die Haare wachsen, bis ich darauf sitzen kann», verkündet Jasmin und turnt mit Lara auf der Sitzbank vor dem Wohnwagen herum. Die Mädchen kitzeln sich gegenseitig und kichern, Nico schaffts, seine Schwestern zu übertönen: «Mami, ich habe Hunger. Machst du die Pouletflügeli so wie Grosspapi? Das sind die besten!» Derweil sitzt Leila still am Tisch und betrachtet bunte Kataloge mit Spielsachen, vor allem die rosa Playmobil-Schlösser haben es ihr angetan. Träumen ist erlaubt: Der grosse Tag für Geschenke rückt näher - am 8. Juli feiern die Vierlinge ihren 6. Geburtstag.
Nachwuchs im Minutentakt - von null auf vier. An einem heissen Sommer-Nachmittag erblickten die Geschwister im Inselspital Bern das Licht der Welt. Ein 20-köpfiges Team holte die vier per Kaiserschnitt. «Noch heute ist es für mich schwierig, meine Nähe und Aufmerksamkeit gerecht unter den Kindern zu verteilen», sagt Nathalie Reichenbach. Ihr Alltag ist hart, aber sie meistert ihn mit Engelsgeduld und Entschlossenheit: Dabei helfen klare Regeln («Wer kein Gemüse isst, bekommt auch nichts Süsses») und Pausen zum Energietanken. «Ich versuche, mich selber nicht allzu wichtig zu nehmen und meine eigenen Bedürfnisse dennoch nicht völlig aufzugeben.»
Nathalie Reichenbach wohnt seit der Trennung von ihrem Mann Bruno im März 2008 mit den Vierlingen in Saas-Grund. «Wir haben beide hart zu beissen und leben am Existenzminimum.» Für die Mama und ihre Sprösslinge heisst das: Pro Monat stehen ihr mit Alimenten und Sozialhilfe 3400 Franken zur Verfügung. Winterkleider und Schuhe für vier Kinder, dazu eine Heizrechnung von über 2400 Franken - Geldsorgen sind allgegenwärtig. Nathalie Reichenbach ist Expertin, wenns um Budget- und Prix-Garantie-Produkte geht. Trotz allem betont sie: «Ich will nicht jammern. Wir haben zu essen und Kleider. Uns gehts besser als vielen auf dieser Welt.»
Der Zeltplatz in Salgesch ist das zweite Daheim der Familie. Und der Wohnwagen ein Glücksfall. Die Stiftung «Sonne für behinderte Kinder» wollte den Reichenbachs eine Woche Ferien in einem Familienhotel für 4000 Franken schenken. «Ich fragte, ob wir stattdessen mit dem Geld den Wohnwagen von Bekannten übernehmen könnten. Damit wir etwas Bleibendes haben», erzählt Mami Nathalie. Der Deal war perfekt. Seither verbringt die Familie jede freie Minute auf dem Campingplatz. «Das ist unser Paradies», sind sich die fünf einig. Erst recht für die Alleinerziehende - ihr Vater und ihre Schwester sind auf dem Zeltplatz die Nachbarn.
Hier blüht auch Sorgenkind Leila auf. «Jö», sagt sie und zeigt auf die Flasche auf dem Tisch. «Jö» heisst «wenig» - das Mädchen giesst sich einen Schluck Milch in eine Tasse. Sie spricht kaum, ihr Wortschatz umfasst etwa 30 Wörter - den Rest macht sie mit Gebärden und viel Charme wett. Zudem hinkt Leila ihren Geschwistern in der Entwicklung rund ein Jahr hintendrein. «Nächsten Sommer werden Lara, Nico und Jasmin eingeschult - Leila wohl kaum», erzählt Nathalie Reichenbach. Die Vierlinge werden dann erstmals auseinandergerissen. «Mir ist schon ein wenig mulmig zumute.»
Bilderrahmen mit Fotos von Gotte, Götti und Grosseltern. Das wünschen sich die Kinder zum Geburtstag. «Damit wir daheim eine kleine Galerie einrichten können», erklärt das Mami. Verwandte und Bekannte hätten in den letzten Jahren stets mit Geld für grosse Anschaffungen ausgeholfen - jetzt sei mal Bescheidenheit angesagt.
Auf das zweite Kindergartenjahr freuen sich die Vierlinge - noch mehr auf sieben Wochen Sommerferien. «Wer spielt mit mir Memory», will Nico wissen. Leila flirtet mit der Nachbarin und erhofft sich ein Zückerli. «Mami, kann ich mit dem Jupe auch Velo fahren», fragt Lara. Und Jasmin verkündet: «Ich wünsche mir einen Zauberstab, damit ich uns ganz viel Geld zaubern kann.» Nathalie Reichenbach lehnt sich zurück, schaut ihrer Rasselband zu. Mit einem Lächeln meint sie: «Vier so muntere Kinder zu haben, ist viel besser als ein Sechser im Lotto.»
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