Jimmy Choo Der Jimmy Choo-Wahnsinn

Fashionistas stürmen die H & M-Filialen, um sich ein Designerteil von Jimmy Choo zu ergattern. Glück hatte, wer zu den ersten 160 Kundinnen gehörte. Ein Erlebnisbericht von der Modefront.

05.15 Mein Wecker holt mich aus dem Tiefschlaf. Das ist hart. Aber ich bin nicht alleine. Heute erfüllen sich die modischen Träume aller Fashionistas. Es ist der grosse Tag der Schuhfetischisten: Superstar Jimmy Choo präsentiert zahlbare Mode bei H&M.

06.00 Bahnhofstrasse 92, es stehen bereits gut 50 Leute vor dem Laden. Mehrheitlich junge Frauen, die aufgeregt miteinander quatschen. Kaum zu glauben, die Fröhlichkeit zu dieser Stunde. Ein paar ältere Semester sind auch darunter. Und sogar einige Männer. Es ist kalt, am Hauptbahnhof gibt es um diese Zeit noch keinen Kaffee. Die ersten Chooistinnen stehen seit gestern Abend um 22 Uhr hier. Und man findet die wahre Liebe: Bruno (20) friert seit 4 Uhr vor dem H&M. Er hat eine Shoppingliste seiner Freundin dabei, sie muss heute arbeiten.

07.05 Es kommt Bewegung in die Menge. Arm-Bändel werden an die ersten 160 Kundinnen verteilt. Diese berechtigen zu einer bestimmten Uhrzeit zum Einkauf während zehn Minuten. Die Frühshopper verwandeln sich in einen Mob. Es wird gedrängelt, Ellbogen gerammt, auf Füssen rumgetrampelt. Es geht um Leben und Choo.

07:20 Endlich bin ich im Besitz eines rosaroten Bändels und kann wieder atmen. Der Bändel ist das Ticket zum Glück, um 10.15 Uhr darf ich während exakt 10 Minuten in aller Ruhe im Accessoires-Bereich etwas kaufen. Meinen ersten Kaffee hab ich mir redlich verdient.  8.30 Einlass für alle, die in den Jimmy Choo-Kleider-Bereich möchten. Ein Wahnsinn, was sich da alles in den Laden drängt. Kleider werden von den Ständern gerissen. Wahllos wird alles eingepackt. Kauft diese ältere, ziemlich rundliche Frau tatsächlich das schwarze, enge Lederkleid? 20 Minuten später hängen nur noch vereinzelte Kleider an den Ständern. Eigentlich nur erstaunlich, dass nicht auch diese Teile von den Piranhas gefressen wurden.

09:00 Ich gehe weiter zum Laden an der unteren Bahnhofstrasse und beobachte die ersten glücklichen Mädels mit ihren Jimmy Choo-Einkaufstaschen. Alle sind total geschafft. Jetzt nur noch nach Hause, die ergatterten Stücke mal in Ruhe anschauen. Das positive Shoppingerlebnis bleibt im Moment noch aus. Einkaufen in zehn Minuten, beobachtet von einer gierigen Meute, das ist vor allem ganz grosser Stress.  Junge Frauen haben ihren gesamten Lehrlingslohn in den Inhalt der violetten Shoppingtüten investiert. Teenies und Tweenies haben sich mit funkelnden Augen Stilettos gekauft und erzählen träumerisch von Sex&TheCity. Einmal zu tragen, was Carry Bradshaw  uns wöchentlich vorgeführt hat. Die Serie, die Jimmy Choo berühmt gemacht hat, läuft seit bald drei Jahren nicht mehr. Die Vergangenheit elektrisiert noch immer.  Für ein paar Frauen ist heute ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen (und andere wittern das grosse Geschäft: um 12 Uhr waren bei ricardo und ebay bereits über 100 Artikel zur Auktion eingestellt).

09:30 Endlich: Nun stürze mich ins Getümmel im ersten Stock des Ladens, obwohl ich erst um 10.15 Zugang in die abgesperrte Zone haben werde. Doch das Gedränge vor der Absperrung ist so gross, dass man sich auch hier durchkämpfen muss. «Bringst Du mir die Overknee-Stiefel in Grösse 38 mit?», fragt mich eine freundliche Frau. Sie und ihre Freundin sind erst um acht Uhr nach Zürich gekommen und haben sich keinen Bändel ergattern können. Kaum zu glauben, aber nun bin ich an der Reihe. Das obligate Gedränge, dann bin ich in der exklusiven Zone. Beobachtet von zahllosen, ungeduldig wartenden Kundinnen, schaue ich mir in Ruhe die Designerteile an. Wie die meisten kenne ich das Sortiment vom Internet und weiss genau, was mir gefallen könnte. Ich schnappe mir ein Armband, einen Gürtel und natürlich die Stiefel (CHF 399.-) – für die Spätaufsteherin.