Check-up Hilfe für das schwache Herz

Gute Nachricht für Patienten mit Herzinsuffizienz. Ein neuer, doppelter Therapieansatz bringt viele Vorteile und wurde in Rekordzeit in die internationalen Behandlungsleitlinien aufgenommen.
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Herzinsuffizienz

Die Lebenserwartung mit Herzinsuffizienz ist schlechter als bei den meisten Krebserkrankungen. In der Schweiz leiden 200 000 Menschen an Herzinsuffizienz. Jedes Jahr sterben 10 000 an deren Folgen. Wer die Diagnose bekommt, ist mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit nach fünf Jahren tot.

Das schwache Herz sorgt für mehr Spitaleinweisungen als alle Krebsleiden zusammen und ist auch ein riesiger Kostenfaktor.

Um so wichtiger sind die neuen Leitlinien zur Behandlung, die am Herzinsuffizienz-Weltkongress in Florenz vorgestellt und im «European Heart Journal» veröffentlicht wurden. Dahinter stehen sämtliche namhaften amerikanischen und europäischen Fachgesellschaften. Wichtigste Neuerung zur Behandlung der Herzinsuffizienz: Der neue duale Ansatz wurde mit dem höchsten Emp-fehlungsgrad in das Therapieschema aufgenommen. Die europäischen Leitlinien empfehlen den Einsatz, wenn herkömmliche Therapien versagen. Die amerikanischen Leitlinien gehen einen Schritt weiter und sehen den Doppelwirkstoff sogar als neue Erstlinientherapie vor, welche schon von Anfang an eingesetzt werden kann.

Sowohl die amerikanischen als auch die europäischen Leitlinien haben die Ergebnisse einer grossen Studie berücksichtigt, in der die neue Wirkstoffkombination Todesfälle sowie Krankenhausaufenthalte senkte in einem Umfang, welche die Fachwelt überraschte. Das sonst sehr kritische deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen hat dem neuen doppelten Therapieprinzip denn auch im Rahmen seiner detaillierten Bewertung einen beträchtlichen Zusatznutzen bescheinigt.

Herzinsuffizienz, einfach gesagt Herzschwäche, ist eine Volkskrankheit, die angesichts einer älter werdenden Bevölkerung immer häufiger wird und in Zukunft gigantische Ausmasse annehmen wird. Sie trifft inzwischen jeden und jede Fünfte von uns. Die Herzinsuffizienz ist das Endstadium sämtlicher Herzerkrankungen. Die Ursachen für den dramatischen Anstieg sind mannigfaltig. Neben der Alterung der Gesellschaft sind es die hohen Überlebensraten nach Herzinfarkt sowie die Häufigkeit von Bluthochdruck in der Bevölkerung. Sowohl eine langjährige medikamentös schlecht behandelte Hypertonie wie auch ein Herzinfarkt führen zu einer chronischen Einschränkung der Herzfunktion.

Die anhaltende Einbusse der Pumpkraft bedeutet, dass das Herz nicht mehr genügend Blut in den Kreislauf befördern kann. Im Alltag macht sich das im Lauf der Zeit immer stärker bemerkbar. Die Betroffenen haben anfänglich nur bei schweren körperlichen Anstrengungen keine Kraft mehr und Atemnot, später schon bei leichten und am Schluss sogar im Ruhezustand. Ein guter Anhaltspunkt ist das Treppensteigen. Kommt es hier zu einer unerklärlichen Verschlechterung, darf man das keinesfalls bloss dem Alter zuschreiben, sondern muss in ärztliche Abklärung. Auch ungewohnte Müdigkeit und geschwollene Knöchel beidseits sollte man unbedingt dem Hausarzt melden.

Neuerdings ist es möglich, mit einem doppelten Wirkansatz das geschwächte Herz zu schützen. Für Experten unter den Lesern und Leserinnen: Mit zwei verschiedenen Wirkstoffen gelingt es, das den Blutdruck regulierende Renin-Angiotensin-Aldosteron-System zu blockieren sowie über den Eingriff in bestimmte Signalwege eine Verengung der Blutgefässe zu unterbinden und damit das Herz zu entlasten. Weil dieses duale Prinzip im Vergleich zu herkömmlichen Therapien zu viel weniger Todesfällen und Klinikeinweisungen führt, wurden die Studien vorzeitig beendet. Berechnungen zeigen, dass das neue Behandlungsregime den Betroffenen bis zu zwei zusätzliche Lebensjahre schenkt.

Infos 
www.swissheart.ch

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