Wir nehmen ab Geniessen statt verzichten!

Abnehmkandidat Peter Kiefer ist bereits sechs Kilo leichter und bindet wieder ohne Mühe seine Schuhe. Einzig den geliebten Cervelats und Gummibärli kann er kaum widerstehen.
© Dick Vredenbregt Peter Kiefer, 53, arbeitet als selbstständiger Bauleiter und ist ständig auf Achse. Früher ass er über Mittag Schnitzel und Pommes frites – heute gibts meist Pasta mit Gemüse.

«Es ist hart, sehr hart.» So klang Peter Kiefer, wenn man ihn vor zwei Monaten nach seinen mühsamen Abnehmversuchen fragte. Über die Jahre hat sich beim Bauleiter aus Wangen bei Olten einiges an Gewicht angesammelt. 103 Kilo bei einer Körpergrösse von 177 Zentimetern.

Nur ein paar Wochen später erkennt man den 53-Jährigen kaum wieder. «Letzten Sonntag stand ich auf der Waage. Nur noch 97 Kilo! Das sind 6 Kilo weniger in zehn Wochen. Ein sensationeller Erfolg!» Wie ist diese überraschende Trendwende zu erklären? «Als selbstständig erwerbender Bauleiter bin ich ständig unterwegs und konnte deshalb nur unregelmässig essen. Ich ass vor allem das, was mich gluschtete. Seien das Pommes frites, Salami oder Cervelats.» Für Peter Kiefer ist Essen eine beliebte Form der Selbstbelohnung: «Weil ich immer auf Achse bin und abends oft lange im Büro sein muss, dachte ich, dass ich eine Belohnung verdient hätte.» Pech, dass diese Belohnung so brutal auf die Linie schlägt.

Also verordnen wir ­Peter Kiefer, nach weniger gewichtigen Möglichkeiten Ausschau zu halten, um sich nach getaner Arbeit etwas zu gönnen. Nur Verzicht üben und beim Essen einfach Dinge weglassen, dies wäre allerdings eine schlechte Strategie: Auf Dauer hält das niemand durch, die Gefahr ist gross, in die alten Verhaltensmuster ­zurückzufallen. Auch aus medizinischer Sicht war eine Gewichtsreduktion unbedingt nötig: Hoher Blutdruck und erhöhter Augeninnendruck waren klare Signale. Mit Wehmut erinnert sich Peter Kiefer an Zeiten, wo er noch siebenstündige Skitouren unternahm. Sogar auf dem Matterhorn war er. «Heute bin ich ein richtiges Weichei», lautet die Selbstdiagnose, die er aber so nicht stehen lassen will. Also macht er das, was er am besten kann. Nämlich kämpfen – für ein besseres Körpergefühl.

Geändert hat er alles Mögliche: Schnitzel und Pommes frites sind vom Menüplan gestrichen. Zwischendurch gibt es nichts mehr. Abends nur noch ­etwas Leichtes. Grösste Zurückhaltung beim Alkohol. Einzig der Verzicht auf seine Cervelats fällt Peter Kiefer immer noch unendlich schwer: «Ich leide richtig.» Mit kalorienarmem Trockenfleisch versucht er, über seinen Kummer hinwegzukommen. Viel leichter fällt es ihm, das Dessert und das Schöggeli zum Kaffee zu streichen. Sogar den Gummibärli und den Sugus hat er abgeschworen.

Die Ess-Attacken, die ihn früher regelmässig übermannten und ihm anschliessend ein schlechtes Gewissen bereiteten, hat er schon fast in den Griff bekommen. «Ich kann wieder viel besser atmen – auf der Baustelle genauso wie beim Wandern oder Alphornblasen. Sogar das Schuhebinden fällt mir leichter.» Peter Kiefer will seinem Körper und Kopf die nötige Zeit gönnen, sich an das neue Körpergefühl zu gewöhnen. «Immerhin kann ich in einem Laden schon an den Pommes vorbeilaufen. Noch vor ein paar Wochen war das kaum möglich. Nur bei den Gummibärchen fällt es mir noch schwer, an etwas anderes zu denken.»

Bewegung will er in Zukunft bewusst in seinen Tagesablauf einplanen. «Ich bin auf einem guten Weg. Mein Ziel ist es, 90 Kilo zu wiegen und mir zwischendurch auch mal etwas zu gönnen.»

Tipps fürs Durchhalten:

  • Das Abnehmen wird nach dem tollen Anfangserfolg schwerer werden. Nichts erzwingen, sondern zuerst einmal versuchen, das Gewicht zu halten.
  • Weiter an den Gedanken arbeiten. Es braucht noch Zeit, bis die Pommes und die Gummi­bärchen aus dem Kopf sind. Während des Tages immer wieder andere Belohnungen einplanen, die nichts mit Essen zu tun haben.
  • Nur verzichten beim Essen kann auf Dauer niemand. Selbst die heiss geliebten Cervelats sind erlaubt, aber nicht jeden Tag und nur scheibchenweise, ganz dünn geschnitten und ohne Mayonnaise!
  • Viel mehr Früchte, Gemüse und Salat essen. Alles, was viel Wasser und Nahrungsfasern enthält, sättigt.
  • Viel mehr Wasser und andere kalorienfreie Getränke zu sich nehmen und jeden Tag eine grosse Portion einer fettfreien Suppe.

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