Wir nehmen ab Hände weg von Crash-Diäten!

Abnehmkandidatin Adriana Thomann muss ihre Ernährung umstellen. Sonst schlägt der Jo-Jo-Effekt wieder zu.
© Dick Vredenbregt Immer aktiv: In die Schule fährt Adriana Thomann mit dem Velo. Sich richtig zu ernähren, fällt ihr schwerer.

Adriana Thomann aus Lenggenwil im Kanton St. Gallen ist 15 Jahre jung und geht noch zur Schule. Ihre Bewerbung für die Aktion «Wir nehmen ab!» zeigt, wie verletzlich Menschen mit Übergewicht oft sind. Und wie schwer sie es in einer Welt haben, die ganz auf Style und Genuss ausgerichtet ist.

In ihrer Bewerbung schrieb sie: «Ich möchte abnehmen, doch alleine schaffe ich es nicht. Kurz vor Weihnachten erhielt ich mein schönstes Geschenk: eine Lehrstelle im Kantonsspital St. Gallen als Gesundheitsfachfrau. Bis zum Sommer möchte ich deshalb Gewicht verlieren. Bitte helfen Sie mir. So bin ich sicher, dass sich mein Selbstwertgefühl wieder steigert. Menschen werden oft nur nach ihrem Äusseren bewertet.»

Es ist nicht das erste Mal, dass Adriana Thomann abzunehmen versucht. Letztes Jahr schaffte sie sage und schreibe 13 Kilo. Doch leider war der Gewichtsverlust wie in solchen Fällen fast immer nicht von Dauer, der Jo-Jo-Effekt zeigte sich postwendend - sie machte eine Diät, anstatt ihre Ernährungsgewohnheiten längerfristig umzustellen. Und das wäre mehr als nötig gewesen.

Eine erste Analyse zeigte rasch, dass Adriana privat und in der Schule viel Sport treibt und fast jeden Tag mit dem Velo unterwegs ist. Sie begeht aber einige grundlegende Ernährungsfehler, deswegen nimmt sie nicht ab. Schon ihr selber fielen die vielen Naschereien zwischendurch auf - und die extrem kleinen Mengen, die sie trinkt. Nämlich nur etwa 4 dl am Tag! «Ich spüre einfach den Durst nicht», sagt die Schülerin.

Drei Aufgaben bekommt Adriana Thomann. Erstens: Hände weg von allen Diäten, und zwar für den Rest des Lebens! Zweitens: Jeden Tag ab sofort 1,5 bis 2 Liter trinken, ganz gleichgültig, ob sie Durst hat oder nicht. Und drittens: Ein Essprotokoll führen und mit den Naschereien zwischendurch aufhören.

Zwei Wochen später wird eine Zwischenbilanz gezogen und das Essprotokoll ausgewertet. Dabei zeigt sich, dass schon die ersten beiden Interventionen voll eingeschlagen haben. «Ich fühle mich viel besser als vorher und habe mehr Energie», erzählt eine aufgestellte Adriana. Der Grund ist einfach: Sie trinkt jetzt konsequent jeden Tag einen Liter Wasser. Und auch das Verbot aller weiteren Diät verfehlt seine Wirkung nicht. Adriana kann ihr Gewicht halten! Das ist tausend Mal besser, als jetzt zu hungern und dabei vorschnell ein paar Kilos zu verlieren, die nur auf Kosten ihrer Muskelmasse und ihres Wasserhaushaltes gehen.

Wo die St. Galler Schülerin ansetzen muss, um langfristig ihr Gewicht zu reduzieren, wird aufgrund des Essprotokolls schon auf den ersten Blick klar. Da steht fast jeden Abend - des Schweizers liebstes Znacht: Café complet. Also Käse, Brot, Butter, Konü und eine Tasse Milch. «Fast wie jeden Abend», schreibt Adriana und stellt damit die Diagnose einer wenig abwechslungsreichen, einseitigen Ernährung schon selber. Ein solches Abendessen liefert zwar eine Menge Kalorien, ohne dass man es merkt, macht aber kaum satt, und vor allem ist es keine Gaumenfreude und schon gar nicht ein Fest der Sinne.

Schwachpunkt Nummer 2: die versteckten Fette, sei es auf der Pizza oder im Gemüsegratin. Fehler Nummer 3: viel zu wenig Salat und Obst und andere Lebensmittel, die viel Fasern und viel Wasser enthalten. Auf die empfohlenen fünf Portionen Gemüse und Früchte pro Tag kommt Adriana so nie und nimmer. Das Gute an der Sache ist: Die Ernährungsfehler sind so offensichtlich, dass schon einfachste Veränderungen wie eine Bombe einschlagen können, das heisst zu einer bleibenden Gewichtsreduktion führen.
 

Das kann Adriana als nächstes verbessern:

  • Cafe complet ist kein Abendessen. So werden das Auge und der Kopf nicht satt - es bringt nur Verdruss. Mehr Fantasie!
  • Zusammen mit der Familie ein Salatbuffet anrichten, dazu etwas Stärke- und Eiweisshaltiges. Eine Kerze anzünden. Das Essen muss mindestens einmal am Tag zum Erlebnis werden.
  • Die (fettfreie) Suppe wiederentdecken, mit viel Gemüse drin und etwas Fleisch oder sogar einem Ei.
  • Konsequent fünf Portionen Früchte und Gemüse am Tag. Generell mehr voluminöse Nahrungsmittel, die viel Fasern und Wasser enthalten.
  • Auf versteckte Fette achten, sei es auf Pizzas oder in Gratins.

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