Farbfotografie vor 1915 Für den Weltfrieden

Die Welt in Farbe. Das Museum Rietberg zeigt Bilder aus einer Zeit, die wir bisher nur in Schwarz-Weiss kennen. Faszinierend!
Mongolei

Mongolei. Die achte Inkarnation des mongolischen Jalkhanz Kuthugtu

Es ist die Kartoffelstärke, die da in allen Farben leuchtet», erklärt Albert Lutz, Direktor des Museums Rietberg mit einem Schmunzeln. Er steht vor einer Farbfotografie, einem sogenannten Autochrom aus dem Jahre 1913, das drei griechische Frauen in traditioneller Tracht zeigt (Bild unten rechts). Anders als die meisten Zeitdokumente um die Jahrhundertwende ist es weder schwarz-weiss noch koloriert, sondern zeigt ein erstaunlich echt wirkendes Farbspektrum.

Im Jahre 1907 besucht der französische Bankier Albert Kahn (1860–1940) eine Vorführung der Gebrüder Lumière, die grossformatige farbige Diapositive und Autochrome vorführen. Kahn ist begeistert. In einer Zeit, in der die Nationen zum Ersten Weltkrieg aufrüsten, entwickelt der überzeugte Pazifist ein Projekt, um seinen Beitrag zum Weltfrieden zu leisten. Er will das Leben in aller Welt fotografisch festhalten und damit die Verständigung der Völker unterstützen. Während 20 Jahren schickt Kahn insgesamt 20 Fotografen, eine Fotografin und verschiedene Filmteams in die Welt hinaus – mit dem Auftrag, Alltagssituationen, Traditionen und typische Ansichten einzufangen. In den folgenden Jahren bringen sie aus rund 50 Ländern von Europa, Asien, Afrika und Amerika äusserst vielfältiges farbiges Bildmaterial zurück. 72 000 Autochrome und 183 000 Meter Zelluloidfilme zählen heute zu den Meilensteinen der Dokumentarfotografie.

Die Schau «Die Welt in Farbe» zeigt rund 80 Farbfotografien, von denen die meisten kurz vor Kriegsbeginn 1913/14 entstanden sind. Der grösste Teil der gezeigten Fotos stammt von Stéphane Passet, der 1913 zu einer Reise aufbrach, die ihn über Griechenland, die Türkei, Indien und die Mongolei bis nach China führte. Besonders eindrücklich: die ersten Farbfotografien aus Irland. Sie stammen von der einzigen Frau im Team von Albert Kahn, von Marguerite Mespoulet, die 1913 in Irland unterwegs war.

Museum Rietberg Zürich
Bis 27. 9., Di–So 10-17, Mi 10-20, Pfingstmontag 10-17 Uhr, Tel. 44 415 31 31, www.rietberg.ch