Thorsten Fink «Sogar Männer gucken mir nach»

Smart. Attraktiv. Und unverschämt erfolgreich. Elegant dirigiert er seinen FC Basel Richtung Meistertitel. Auch privat macht Thorsten Fink eine gute Figur. Nicht zuletzt dank seiner Ehefrau.
© Marcel Nöcker Auch modisch gut aufgestellt: Thorsten Fink kauft in Basel regelmässig bei internationalen Designern ein.

Was hat der Mann bloss, was unsereins nicht hat? Mit Thorsten Fink durch Basel zu bummeln, ist wie ein Gang über den roten Teppich. Hier tuscheln zwei Teenie-Mädchen, da verdreht eine Gruppe Mittfünfzigerinnen am Café-Tischchen die Hälse, dort eilt ein älterer Mann herbei, um «dem Herrn Fink» alles Gute zu wünschen für den nächsten Match. Und alle bekommen sie ein Lächeln geschenkt, ein paar aufgeregt Gestikulierende hinter einem Bürofenster sogar ein freundliches Winken.

Thorsten Fink, 43-jährig, Fussballtrainer beim FC Basel. Designer-Anzug, die blonden Haare frech gestylt. Ein Frauenschwarm? «Tja, ich glaube, ich komme bei den Mädels schon ganz gut an.» Und setzt – offensichtlich amüsiert – gleich noch einen drauf: «In der Modewelt, wo ich mit meiner Frau oft verkehre, gibts sogar Männer, die mir nachgucken.»

An Selbstbewusstsein mangelt es ihm offensichtlich nicht. Doch ohne jeden Hauch von Überheblichkeit. Und irgendwas Lausbübisches versteckt sich in diesem Mann von Welt. Bei den mondänen Bayern in München wurde er als Fussballer berühmt, gewann Meisterschaften in Serie und einmal auch die Champions League. Glitzerwelt und grosses Geld. Doch die Herkunft aus dem Ruhrpott, die «strenge und mit vielen Werten versehene Erziehung» seines Vaters, eines Stahlarbeiters, verleugnet der gebürtige Dortmunder Fink nicht. «Danke sagen auch für vermeintliche Kleinigkeiten, älteren Leuten die Tür aufhalten, so was ist wichtig», sagt der Familienvater. Auch für seine beiden Söhne Benedict und Julius? «Ach, die sind noch frech. Die sind ja erst vier und fünf. Fürs Strenge ist Silke zuständig.» Thorsten Fink legt aber Wert darauf, jeden Tag mit seinen Buben, die die Vorschule in der International School Basel besuchen, zu essen und zu spielen.

Mit Silke ist Thorsten Fink seit 18 Jahren zusammen, 15 davon sind sie verheiratet. Auch das passt nicht so recht zu seiner Vergangenheit in der deutschen Fussball-Schickeria. «Stimmt», stellt Fink fest. «In München gehört es beinahe zum guten Ton, mehr als einmal verheiratet zu sein. Aber das ist nicht unsere Welt.» Natürlich durchlebten auch Finks ihre Höhen und Tiefen. Doch letztlich hätten sie immer an ihrer Beziehung gearbeitet, weil sie wüssten, was sie wollen. «Und wir bringen uns gegenseitig zum Lachen. Es ist bei Silke und mir nie langweilig.»

Von München Grünwald nach Reinach, vom Nobelstadtteil in ein Haus im Grünen vor den Toren Basels. Ein Abstieg? «Nicht im Geringsten. Uns gefällt es hier super. Die Nachbarn haben die deutsche Familie Fink ohne Vorbehalt empfangen.» Silke geniesst es, dass die Frauen hier über ganz normale Dinge reden. Es sei in Basel ein bisschen wie im Ruhrpott, die Leute seien gradlinig und ehrlich.

In dieses Bild der Bodenständigkeit passt auch Anton. Der urgemütliche schwarze Labrador-Hund ist Familienmitglied Nummer fünf. Ihn hatten die Finks schon, als Thorsten noch aktiv bei Bayern spielte. «Jeden Tag gehe ich zweibis dreimal mit ihm spazieren. Das ist heute mein Hobby, seit meine Harley verkauft ist und ich kaum noch Zeit zum Golfspielen habe.» Gemütlichkeit statt PS und kraftvolle Abschläge. Der Hund ist neunjährig. «Das ist relativ alt für diese Rasse. Anton holt keine Stecklein mehr und mag auch keine Treppen steigen.» Thorsten Fink will gar nicht daran denken, wie das sein wird, wenn Anton mal nicht mehr da ist.

Den anderen Fink, den Mann von Welt, gibts aber auch. «Schuld» daran ist Ehefrau Silke. Sie war es, die in ihm die Passion für Mode geweckt hat. In München führte sie eine Boutique namens Dukes – so wurde Thorsten bei den Bayern genannt, nach dem Herrscher Manhattans im Actionthriller «Die Klapperschlange». Die Boutique hat Silke Fink heute zwar nicht mehr, dafür kleidet sie ihren Ehemann mit den trendigsten Stücke ein. «Wir gehen oft zusammen auf Boutiquenbummel. Und mittlerweile weiss ich genau, was Silke steht.» So traut sich der Fussball-Trainer ganz selbstverständlich, was den meisten Männern Schweissperlen auf die Stirn treibt: «Wenn ich was Cooles für sie entdecke, kauf ich es und bringe es ihr nach Hause.» Fink geht aber auch regelmässig allein auf Shoppingtour. Dsquared2 ist sein favorisiertes Label, International Designers an der Theaterstrasse seine Lieblingsboutique in Basel. «Da kaufen auch viele meiner Spieler ein. Ich glaube, die finden es cool, dass sie mit ihrem Chef auch mal über Klamotten reden können.»

Bei Thorsten Fink sitzt alles tipptopp. Anzug und Hemd – salopp offen getragen –, perfekt wie seine Umgangsformen. Beim Gespräch blickt er seinem Gegenüber stets in die Augen. Aufmerksam und interessiert. So hat man auch als Trainer Erfolg. In Basel wurde er nach dem allmächtigen und erfolgsverwöhnten Übungsleiter Gross mit einiger Skepsis empfangen. Er zerstreut sie innert Kürze: mit Meistertitel, Cupsieg und Champions-League-Qualifikation schon im ersten Jahr. Und rasch legt sich auch die Dünnhäutigkeit, mit der Fink anfänglich auf kritische Journalistenfragen reagierte. «Ich dachte, ich müsse meine Spieler damit schützen. Das war nicht so clever. Aber auch da habe ich dazugelernt.»

Eine Entwicklung, die Ottmar Hitzfeld wenig erstaunt: «Thorsten dachte als Spieler schon wie ein Stratege und war mit hoher Sozialkompetenz ausgestattet.» Zwar gabs durchaus Meinungsverschiedenheiten. Als Fink einmal nur auf der Bank sass, tat er bei Hitzfeld seinen Unmut lautstark kund. «Ich bin Skorpion und kann durchaus verletzend sein.» Dennoch sagt Hitzfeld heute: «Wer so ehrlich ist, hat bei der Führung von Menschen keine Probleme.»

Dieses Urteil seines einstigen Trainers bei Bayern ehrt Fink. Mit ihm habe er schon früh darüber gesprochen, später die Trainerlaufbahn einschlagen zu wollen, und Hitzfeld habe ihn darin entscheidend bestärkt. Jetzt hat er es an die Spitze der Trainergilde geschafft, und niemand wundert sich, dass auch grosse Klubs in Europa auf den Mann aufmerksam geworden sind, der als Trainer mehr Ausstrahlung hat denn als Aktiver. «Obwohl ich als Spieler nicht so unkreativ war, wie es manche heute darstellen. Immerhin habe ich auch 40 Tore geschossen in meiner Laufbahn.» Da ist sie wieder, diese einzigartige finksche Mischung aus südländischem Charme und teutonischem Ehrgeiz.

Einen wie ihn nerven gewisse Vorgänge im Fussballgeschäft. Junge Spieler, denen windige Agenten früh den Floh vom grossen Geld im Ausland ins Ohr setzen, holt er schnell auf den Boden zurück. Shaqiri, Stocker oder Xhaka werden es ihm später danken. Gewiss ist auch für ihn Fussball Spass, Kreativität und Glamour. Aber zuerst mal ehrliche Arbeit. «Auf die man stolz sein darf, wenn man sie gewissenhaft leistet.» Und – ist Thorsten Fink stolz auf sich? «Stolz? Sagen wir so: Gute Resultate steigern das Selbstbewusstsein. Stolz sind Papa und Mama zu Hause im Ruhrpott. Die geben manchmal bei ihren Freunden richtig an mit mir …»

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