11. Januar 2010 Blabla und Missenfüdlis

Löwenherz zwängt sich mal wieder ins kleine Schwarze. Mit Clutchbag in der einen Hand und charmantem Begleiter am anderen Arm stiefelt sie in High Heels durch den Schnee zum Hallenstadion - zu den Swiss Awards 2009. "Dresscode Black Tie", hatte sie ihrem Begleiter noch eingeschärft, schliesslich sei das eine Gala. Nun: Die Moonboots hättens irgendwie auch getan.


© Flickr / *regenboog*

Wir sind - auweia - zeitlich knapp dran. Ein livrierter Herr schaut uns streng an: "Sie müssen pressieren, wegen den Kameras, vom Fernsehen, gälled Sie." Aha.

Als wir unsere Plätze im halbleeren Stadion einnehmen, machen wir erst mal grosse Augen. "Gala" stand doch irgendwo auf den Tickets drauf, und vom "roten Teppich" war die Rede. Das mit dem Dresscode haben scheinbar nicht alle so ernst genommen wie wir: die Familie vor uns trägt uniformiert Karohemden, die Tochter hat ein mit Gel festgepapptes Vogelnästli am Hinterkopf, der Papa trägt eine lässige Adidas-Trainerjacke. Gopf! Herrje, ich geh schliesslich auch nicht im Cocktailkleid an ein Grümpelturnier.

Nach dem ersten Schock folgen zweieinhalb Stunden Gala der schweizerischen Art: Es herrscht eine Atmosphäre wie im Zirkus Knie, das halbleere Stadion - warum auch bloss das Hallenstadion?! - wirkt nicht ganz so schick wie zusammengeschnitten im Fernsehen. Eine hübsche, klassisch-elegant gekleidete Sandra Studer führt sehr korrekt und ohne Patzer durch die Show. Leider auch gänzlich ohne Pfeffer im Füdli.

Die coolste Schweizerin ist Amerikanerin

Dimitri darf einen der hässlichen Pokale mit nach Hause nehmen und turnt auf der Bühne herum. Wenn ich mich so benehme, werde ich jeweils aufgefordert das Lokal zu verlassen. Immerhin versprüht Jan Delay zwischendurch ein bisschen gute Laune. Irgendwann schwebt Miss Schweiz Linda Fäh engelsgleich in einem Brautkleid (was Freund Dejan wohl dazu sagt?) die Treppen runter und darf die Swisslos-Zahlen auslösen. Sagen darf sie nichts.

Ich freue mich ein bisschen über die muskelbepackten, fitten Kamerajungs, die überall in der Halle rumrennen und wünsche mir ein, zwei, drei Cüpli.

Dann: Tina Turner läuft einige Meter vor mir vorbei, Herzflattern, ich rieche den Duft von Hollywood und Las Vegas. Applaus, "Tina, we love you!"-Schreie, Standing Ovations. Die Löwenmähne auf Lackpumps bringt endlich etwas Sexiness in die ganze Sache und sieht mit 70 knackiger aus als manches Missenfüdli.

Fleischkäse an der Gala

Vielleicht ist doch noch etwas Glitz und Glimmer möglich, denke ich. Just in dem Moment kramt das Päärli neben uns in ihren Rucksäcken. Und holt zwei, in Alufolie verpackte, selbstgeschmierte Fuuschtbroote hervor. Come on! Nun, immerhin ist das so typisch schweizerisch, dass das "Swiss" zu den "Awards" geehrt wird.

Da betritt die blondbelockte Christa Rigozzi die Bühne, um das Millionenlos zu ziehen. Meinem charmanten Begleiter entfährt ein anerkennendes "Ooh!". Und ja, sie sieht grossartig aus, in ihrem leuchtend blauen Kleid strahlt sie. Sie strahlt und lacht und witzelt und küsst den Millionengewinner - den zahnbespangten Elektromonteur-Jüngling aus Bern - auf die Backe. Ich küre sie zu meiner persönlichen Glamour-Queen des Abends.

Ein Hoch aufs Holzfällersteak

Mehr Blabla, Michael von der Heide und ein durchaus Eurovision-tauglicher Song, noch mehr Blabla, noch mehr Rückschauen, eine nun vollends zur Eso-Tante mutierte Nena. Lifetime Award an Radrennfahrer Ferdy Kübler; in mir wallt zum ersten Mal Rührung hoch, ich kämpfe mit den Tränen. Nebendran riecht es immer noch nach Fleischkäse.

Und dann endlich - wir rutschen bereits ungeduldig, hungrig und viel zu nüchtern auf den Sitzen herum - wird überraschend Kinderherzchirurg René Prêtre zum Schweizer des Jahres gewählt. Die kleinen schwarzen Kinder im Hintergrund der Videobotschaft haben ihre Wirkung beim TV-Publikum bestimmt nicht verfehlt. Dennoch: ganz gut, die Wahl.

Mein charmanter Begleiter und ich: Hunger! Im Johanniter verdrücke ich ein riesiges und unglaublich zartes Holzfällersteak mit Pommes, spüle mit belgischem Bier herunter und singe ein Lob auf die Aromatdose auf dem Tisch.

Ich wünsche mir in diesem Land mehr Christa Rigozzis und mehr Holzfällersteaks mit viel Speck. Mehr René Prêtres, die sich bescheiden bedanken und danach weiteroperieren.

Und ach, ja, mehr charmanten Glamour und eindeutig weniger Hallenstadion.

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Kommentare

PiWi
10. Mai 2010 - 0:02

@javier
das war für die eva (fotos vom event denk!)

 
 

pascal
10. Mai 2010 - 0:01

btw schick mir mal den FG text ^^

 
 

Javier Vázquez
29. April 2010 - 16:18

@Piwi: Fotos kannst du nicht in die Kommentare laden. Du kannst aber Links einbinden. Um sicher zu gehen, dass es sich dabei um keinen Spam handelt, verlangt unser System die Lösung eines Captchas, damit wir sicher sind, dass du auch wirklich ein Mensch bist. ;-)

Liebe Grüsse
SI online

 
 

Piwi
29. April 2010 - 15:11

fotos?
We're sorry, but the spam filter thinks your submission could be spam. Please complete the CAPTCHA.

ahaha

 
 

Lisa
29. Januar 2010 - 11:01

aha. F-Wörter gehören nicht zum Sprachgebrauch der Schweizer Illustrierten. Was Ringier schon nur in den letzten paar Tagen an sexistischem Sprachgebrauch zu Tage legte wird dann wohl von Herr Walder und co. anders gehandhabt? wenn nun aber eine Frau antistereotyp schreibselt, passt das nicht...

 
 

Jasmin
27. Januar 2010 - 0:58

Worum ging's denn im FG-Artikel? Und was für ein F-Wort versteckt sich hinter FG? F***gubrist? F***gölä? F***grunzer? Ob mit oder ohne F-Worte: Missenfüdli gefällt und ich bin gespannt auf weitere Texte von Eva Löwenherz.

 
 

Pia Meyer Basel
26. Januar 2010 - 22:10

FG steht jetzt vielleicht für FeiGlinge. Habe mir überlegt, der neuen SI-Page gleich wieder die Liebe zu kündigen. Aber wenn Du, Löwin, deswegen nicht gleich zum herzig miaunden Kätzchen wirst, werde ich mal weiter beobachten. Nicht aufgeben, gell.

 
 

Eva Löwenherz
26. Januar 2010 - 17:04

Ich freue mich über eure Kommentare!

Zum "verschwundenen" FG-Text:

Die Redaktion hat beschlossen, diesen vom Netz zu nehmen, weil die verwendete Sprache nicht dem Sprachgebrauch der Schweizer Illustrierten entspricht. In Zukunft werden also die "F-Wörter" nicht mehr gebraucht.

Ich vertraue aber darauf, dass meine Inhalte und Botschaften trotz "verbaler Anpassung" rüberkommen - und danke euch bereits im Voraus fürs Lesen weiterhin!

 
 

Melanie
26. Januar 2010 - 9:24

ja es würde mich auch wundernehmen wo der FG-Artikel hin ist. Der war super!

 
 

will anne
25. Januar 2010 - 14:58

ist der vorherige text aufgrund seiner (angebrachten) bissigkeit verschwunden? schade drum!!

 
 

Lisa
25. Januar 2010 - 14:33

...also mir gefiel eigentlich der andere text besser, aber wo ist denn der hingekommen?

 
 

Daria
22. Januar 2010 - 19:10

cccccoooolllll!!!! merci, madame!

 
 

maria josé
19. Januar 2010 - 9:52

Sorry, aber den Text find ich genauso langweilig und schweizerisch, wie die Veranstaltung gewesen zu sein scheint. "Gänzlich ohne Pfeffer im Füdli"!

 
 

Jo Camel
14. Januar 2010 - 15:35

cooooler text, die eso-tante nena und das große füdliwerfen, bitte mehr davon!

 
 

Pia Meyer Basel
12. Januar 2010 - 8:59

Danke, Du Löwin mit Herz. Mal ein anderer Blick auf die "Missenüdlis" tut gut.

 
 

Eva Löwenherz ist ein ehemaliges Landmädchen und lebt in Zürich. Sie ist Mitte Zwanzig und legt einen etwas ruppigen Charme an den Tag. Eva bezeichnet sich als oberen Durchschnitt, was Aussehen und Auftreten betrifft. Wenn sie versucht, korrekt zu sein, wirkt das manchmal etwas arrogant. Ist aber nie böse gemeint. Oder nur selten.

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