25. Juni 2010 Wenn homophobe Redaktorinnen versuchen, Satire zu machen

Gestern Abend hat Löwenherz ihren Augen nicht getraut. In einem marktführenden Gratis-Pendler-Blatt mit dem Abend im Namen wurden mal wieder Hetero-Männer vor Tunten gewarnt. So gar nicht lustig, findet Löwenherz.

Cool vs. schwul?
© @blickamabend.ch

Es war eine Modestrecke mit Bildli von der Mailänder Fashionweek (auf Seite 28/29). Männermode. Belanglos, könnte man meinen. Nicht grad so mein Geschmack, nicht wirklich alltagstaugliche Kleidung, aber gut: welche Kleidung von irgendeiner Fashion-Week ist schon alltagstauglich?


"Schwul" als Gegenteil von "cool"

Dann starrte ich auf den Titel. Da prangte doch tatsächlich in fetten Lettern: "Achtung, Männer, Tunten-Falle!". Darunter zwei gegenübergestellte Bildreihen mit verschiedenen Kleidungsstücken. Die eine mit dem Titel "Cool". Über der anderen steht "schwul".

Da werden also Heteromänner gewarnt davor, was sie nicht anziehen sollen, um bloss nicht für schwul gehalten zu werden. Weil schwul nicht cool ist.

Ich weiss nicht, was sich die Redaktorin dabei gedacht hat. Es soll ja ironisch gemeint sein, hiess es im Nachhinein. Witzig und unterhaltsam, hiess es. Wollte sie irgendwie lustig sein und hat total daneben gegriffen? Oder ist sie einfach homophob?

Angriff der Killertunten?

Ich erwarte, von jemandem, der bei einer Zeitung arbeitet, die so viele Leute lesen - ein bisschen Gespür. Dafür, was nun Satire ist. Wo sie Platz hat. Was ihre Rolle eigentlich ist. Man darf mit Klischees spielen. Man darf auch politisch inkorrekt sein.

Aber man muss auch seine Leser und Leserinnen kennen. Besonders die Leser. Wieviele Jungs haben auf dem Schulhof Angst, dass man sie "schwul" nennen könnte? Wie oft werden Schwule auf der Strasse angefeindet und angepöbelt, weil sie Händchen halten? Ein schwuler Freund von mir hat auf der Strasse oft genug "Tunte!" gehört. Und nein, es war nie lustig gemeint.

Solange jemand nicht checkt, dass "Tunte" in der generellen Öffentlichkeit ein Schimpfwort höchsten Grades wie "Neger" oder "Kanacke" ist, gehe ich davon aus, dass diese Person tatsächlich homophob ist. Und zudem als Journalistin recht ungeeignet. Sorry, das war jetzt nur ironisch gemeint, imfall, gäll.
 

Kommentar hinzufügen

Felder, die mit einem * gekennzeichnet sind, müssen ausgefüllt werden
SI online behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren, insbesondere wenn sie rassistische oder persönlichkeitsverletzende Aussagen enthalten.

Kommentare

Gast
28. Juni 2010 - 18:15

Dieser Artikel ist unter aller Gürtellinie. Was sich diese Redaktorin erlaubt ist eine Frechheit. Löwenherz ich bin auch ganz Deiner Meinung. Und schickt die blöde Redaktorin wieder in die Schule damit sie Anstand und Respekt vor anderen lernt.

 
 

Gast
28. Juni 2010 - 10:47

@pat das klingt so resigniert. nur weil es das immer geben wird, heisst doch nicht das man es sich immer gefallen lassen muss. über vieles kann man hinwegsehen, aber irgendwann sind die grenzen erreicht wo man das nicht mehr kann. vor allem wenn es in einem Medium passiert das so viele Menschen erreicht.

 
 

Pat.
27. Juni 2010 - 9:19

ja, der artikel ist uncool!
aber ich denke, wir schenken ihm zu viel aufmerksamkeit und energie!
das hat er nicht verdient und man macht aus einer mücke einen elefanten!
lasst die leute quatschen...
es wird immer leute mit homophoben äusserungen geben, genauso wie es immer rassisten und religiöse fundamentalisten geben wird.
wenn man sich dauernf über solche aufregt, verkürzt man sich nur seine eigene lebenszeit.
meune devise: ins leere laufen lassen!!!

 
 

Selinchen
26. Juni 2010 - 16:43

Der Artikel dieser Frau ist extrem schwulenfeindlich. In ihrem Titel "Achtung Männer-Tuntenfalle" stellt sie nicht nur alle Schwulen als Tunten dar, sondern schreibt indirekt, dass Tunten keine Männer sind. Und wenn das sogar der schwule Chef dieser Frau (auf der Facebook-Gruppe GAYts no? so geschrieben) noch lustig findet, müssen wir seit dem erst recht an der Intelligenz der Blick am Abend Redaktion zweifeln. Aber das taten wir ja schon vor diesem Artikel.

 
 

Gast
25. Juni 2010 - 22:20

Voll ins Schwarze getroffen, Löwenherz - und das gerade doppelt!!

1. ist das hier mit "politisch unkorrekt" überhaupt nix zu tun, weils einfach nur "unkorrekt" ist, und nicht nur "vorne düre unkorrekt aber eigentlich scho ok"
und
2.: Als ob man hier unkorrekte Worte suchen müsste...

Danke!

 
 

Eva Löwenherz
25. Juni 2010 - 16:25

@ Naja: Schön, dass du dich nicht davon gestört fühlst, das macht das Leben für dich sicher einfacher. Glückwunsch!

Und umso schöner: da haben latent homophobe Leute einen Vorzeigeschwulen - eine bei Diffamierungen übrigens beliebte Praxis. Weil "ich kenn imfall au en Jugo, wo Jugos scheisse findet" / "ich kenn imfall en Neger wo nöd wott Neger sii" - das eignet sich doch so schön als Argumentation.

Ich glaube durchaus, dass die Autorin zumindest nicht bewusst homophob ist, sondern da witzig sein wollte - halte aber grad in ihrer Position diese Art von "Witz" für bedenklich.

 
 

naja
25. Juni 2010 - 16:14

Einem Menschen, den man nicht kennt, Homophobie zu unterstellen, finde ich ehrlich gesagt genau so grenzwertig, wie das was du anprangerst in deinem Text. Du bist meiner Meinung nach weit übers Ziel hinaus geschossen. So eine Einstellung entsteht im Kopf, bei mir hat dieser Artikel nicht im geringsten derartige Gedanken ausgelöst (und ich BIN schwul). Wer beginnt, in jedem Satz politisch unkorrekte Worte zu suchen, kann sich das Leben ganz schön schwer machen. Dann wird "dick im Geschäft sein" plötzlich beleidigend und "tierisch gut" bringt die Vegis in Wallung. Ne, lieber positiv Denken und diese Einstellung nach aussen tragen. Damit hatte zumindest ich auch "auf der Gasse" noch nie Probleme.

 
 

Lexmiamoasch
25. Juni 2010 - 15:57

Holla die Waldfee - Heute bist aber etwas ruppig :)
Nun, ich hab schon reichlich dämliche Artikel im BRAVO am Abend gesehn, aber der hier ist echt ziemlich daneben. Allerdings sollte man das nicht allzu ernst nehmen, da die Verfasserin sich wohl über den Gassengebrauch des Wortes "Tunte" nicht im Klaren ist. Wer weiss, Eva... Vielleicht kommt sie ja vom Land ;-)

 
 

Stoeps
25. Juni 2010 - 15:46

Gut gebrüllt, Löwenherz!

Naja, einmal mehr bestärkt es mich im Entscheid, diesem Revolverblatt keine Aufmerksamkeit zu schenken! Nicht mal, wenn es gratis ist!

 
 

Gast
25. Juni 2010 - 15:32

Ich find den artikel auch als hetero ziemlich zum würgen. blöder und plakativer geht es gar nicht. Mir kommt es schon so vor, als ob der autor da so richtig, däftig mal "denen" reinhauen wollte. es ist wirklich ausgesprochen dämlich, was will der autor mir sagen, ich soll beim h&m aufpassen, ja nicht was falsches zu kaufen und in die "falle" zu gehen? was passiert denn dann wenn ich was "falsches" kaufe? sofortige sexuelle umorientierung? bitte hirn einschalten, niemand wird zum linkshänder wenn er die uhr auf der anderen hand trägt.

 
 

Linda
25. Juni 2010 - 15:32

die madame vom blick am abend, hat versucht lustig zu sein. hallo?? lustig?? diese gegenüberstellung cool vs. schwul ist in höchstem masse homophob. und wenn die madame selber zu dumm ist das zu schnallen (wer dumm ist, hat meistens auch kein Gespür für Satire) so hätten es spätestens die ChefredaktorInnen des Gratisblattes merken müssen, aber ja vielleicht sind ja auch die eher wenig satirisch veranlagt (um es mal brav auszudrücken). pfui!

 
 

uncool
25. Juni 2010 - 14:54

mit diesem textlichen erguss der uns hier von dieser lieben gratiszeitung auftischt wird, würde ich nicht mal meinen schwulen kleinen hintern abwischen wollen, selbst wenn kein Klopapier in Reichweite ist.

 
 

Eva Löwenherz ist ein ehemaliges Landmädchen und lebt in Zürich. Sie ist Mitte Zwanzig und legt einen etwas ruppigen Charme an den Tag. Eva bezeichnet sich als oberen Durchschnitt, was Aussehen und Auftreten betrifft. Wenn sie versucht, korrekt zu sein, wirkt das manchmal etwas arrogant. Ist aber nie böse gemeint. Oder nur selten.

Meist kommentiert