13. Mai 2010 Vom Aussterben einer kleinen Bergsprache.

Heute lernen wir korrekte Mundart. Es gab da in den letzten Jahren kleine verbale Verirrungen und Verwirrungen:


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Die schlimmste Ver(w)irrung, die meine Ohren bluten lässt sind Nomen mit der Endung: „-ene“. Zum Beispiel das Wort Firma. Das wird dann im Schweizerdeutschen zu „Firmänä“. Aua.

Ich habe auch eine (oder zwei) Theorien, woher das stammt: In Deutschland sagt man zu der Mehrzahl von Firma "Firmen". Da (Theorie 1) der Schweizer eventuell vermehrt deutsches Fernsehen schaut, überträgt er das dann auf seinen Sprachgebrauch. Oder der Schweizer verbringt seit der deutschen Völkerwanderung vermehrt Zeit mit dem nordischen Nachbarn, das Ergebnis ist dasselbe. 

Das war die Theorie.

Nun die grammatikalische Begründung.

 -ene fügt man nur bei Wörtern an, die in Mundart mit „i“ aufhören.

Zum Beispiel Mieti- Mietene, Decki- Deckene.

Sie werden jetzt sicher alle sagen:“Nein, man sagt Firmänä!“ Kürzlich wurde mir sogar erklärt, dass man das im Basler Dialekt schon immer so sagte. Neee, du.

Wir sagen ja auch „Das choschtet 100 Frankä“ und nicht Frankänä. Oder.

Meine Top 3 der schlimmsten Verunglimpfungen:

  •    Spinnänä (Verstehen Sie nicht? Ich auch nicht, sollte „Spinne“ heissen)
  •    Schubladänä
  •    Und hier die ultimative Number 1... Trommelwirbel… Cousinänä! Notabene        stammte dieser Ausdruck von einem HSG-Absolventen. 

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Kommentare

olive
20. Mai 2010 - 14:04

@gastänä, lies doch meinen text genau durch.

 
 

Pingback
20. Mai 2010 - 9:31

Vom Aussterben einer kleinen Bergsprache, Teil 2.

[...] Woche haben wir uns über die Un-Endung „ene“ (http://www.schweizer-illustrierte.ch/miss-meyer/vom-aussterben-einer-kle...) aufgeregt und gefreut, dass wir nicht allein auf weiter Flur stehen damit.   Heute [...]

 
 

Miss Meyer
14. Mai 2010 - 8:38

Ich freue mich überaus, nicht alleine auf weiter Flur zu sein mit diesem Ohrenkrebs. Lasst uns eine Facebook-Gruppe gründen!

 
 

Gastänä
13. Mai 2010 - 19:35

@olive: Meiner Meinung nach gibt's durchaus eine Grammatik: http://de.wikipedia.org/wiki/Alemannische_Grammatik

 
 

olive
13. Mai 2010 - 11:33

miss meyer, sie sprechen mir aus meinem tiefsten herzen. es ist eine ganz ganz unästethische sache mit diesen plural-endungen. bei mir ist es schon so weit, dass ich menschen, die von besagten endungen gebrauch machen, schwupp schubladisiere als: anfänger.
es ist unschön und vor allem: es ist nicht korrekt. viele halten einem entgegen: "schweizerdeutsch hat keine grammatik!" - klaro, keine irgendwo niedergeschriebene grammatik, aber wie steht's um dein sprachgefühl du null?
nochmals: merci für den schönen artikel.

 
 

andrea
13. Mai 2010 - 9:47

Sehr einverstanden, Miss Meyer. Inhaltlich.
Aber das mit der "Bergsprache": Ich fühl mich so schon öfters fremd in dieser Schweiz mit ihrer Inszenierung einer berglerischen Reduit-Kultur. Mit der "typisch-schweizerischen" Älplerkultur (Jodeln, Schwingen, Kühe, etc.) habe ich defintiv nichts gemeinsam. Meine Kultur ist urban. Ein durchschnittlicher Berliner oder Wiener ist mir näher als ein Muotataler. Meine Sprache ist "Alemannisch" und ich teile sie mit meinen Nachbarn im deutschen Markgräflerland und im französischen Sundgau/Elsass. Die komischen (auch alemannischen) Berglerdialekte, die das Schweizer TV via seine Moderatoren intensiv fördert, klingen für mich bestenfalls exotisch.

 
 

Miss Meyer wird andauernd zehn Jahre jünger geschätzt, mit Kylie Minouge verwechselt, findet dass die Zürcher Agglomeration beim Milchbuck (Kennen Sie nicht? Deshalb ist es ja Agglomeration) anfängt und möchte ihr Leben mit Laptop auf'm Schoss und Füssen im Sand verbringen. Deshalb ist sie auch Mitglied der Facebook- Gruppe "Die Schweiz ans Meer - komm wir fluten Deutschland!"

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