Namensforscher Jürgen Udolph Das Geheimnis der Namen

Myla Rose und Charlene Riva, was sagen uns diese Namen? Schweizer Illustrierte versuchte dem in einem Gespräch mit dem Namensforscher Professor Udolph auf den Grund zu gehen.

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Herr Professor Udolph, Roger Federers Zwillings­mädchen heissen Myla Rose und Charlene Riva. Was bedeuten diese Namen?
Myla ist ein seltener Vorname. Ich vermute, dass er aus dem Slowakischen hergeleitet ist. Die Kurzform von Milena ist Mila und heisst so viel wie lieb, teuer. Typisch schweizerisch dürfte das y sein, denn in der Westschweiz gibt es den Namen Mylene. In Myla vermischt sich wahrscheinlich Mirkas ­slowakische Herkunft mit ihrer heutigen Heimat.

Rose hingegen ist ein typisch süddeutscher Name.
Genau, in unserer Namenskartei www.gen-evolu.de gibt es eine deutliche Konzentration in Baden-Württemberg, also im alemannischen Sprachraum. Und der erstreckt sich bis Basel. Rose erinnert natürlich an die duftende Blume.

Und Charlene an Charles?
Charlene ist eine Variante von Charleen und die weibliche Form des englischen Männernamens Charles. Der Ursprung liegt jedoch im germanischen Karl.

In keinem Namensbuch steht Riva!
Ehrlich gesagt: Ich weiss nicht, woher Riva kommt. Eine Studie vermutet die Kurzform vom alttestamentarischen, hebräischen Namen Rebecca. Das steht für: die Bestrickende, die Fesselnde.

Geben Eltern ihren Kindern heute öfter besondere Vornamen?
Traditionelle Namen wie Linda, Almut, Roswitha gehen zurück. Dabei spielt die Globalisierung eine grosse Rolle: Reisen inspirieren zu eher fremden Namen wie Jessica, Michelle, Kevin oder Justin. Übers Internet erfahren wir von Stars und Prominenten, die meist besonders heissen. Es gibt eine Tendenz zur Individuali­sierung.

Gibts auch eine Tendenz zu Doppelnamen?
Ja, ganz klar. Bei den Federer-Kindern ist obendrein die Namenskombination sehr ungewöhnlich. Die Eltern streben wohl danach, einen möglichst individuellen Vornamen zu geben, ihr Kind einmalig zu machen. Es ist leicht, seinem Kind einen ausser­gewöhnlichen Namen zu geben. Aber schwer, es zu einem aussergewöhnlichen Menschen zu erziehen. Ich habe vier Kinder, ich weiss, wovon ich spreche.

Was wünschen Sie den «Federerli»?
Eine glückliche Kindheit.

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