23. Februar 2010 Maschendrahtzaun

Feldforschung, Teil 2: Wie feindselig sind die Österreicher den Schweizern gegenüber wirklich?

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Auch die Österreicher haben in Whistler ihre eigene Fest-Hütte. Im Gegensatz zum «House of Switzerland» ist die aber nicht öffentlich zugänglich. Ueli Maurer kann ein Liedchen davon singen: Am vergangenen Freitag wollte er unseren östlichen Nachbarn einen Überraschungsbesuch abstatten. Und scheiterte am Türsteher.

Im Gegensatz zum Chef der besten Armee der Welt waren Hervé und ich gestern offizielle Gäste im Österreich-Haus. Der Einsatz als Gast-Autor beim ÖOC hat sich also doch noch bezahlt gemacht. Vor dem Besuch war uns trotzdem ein wenig mulmig zumute: Ich mein,... zuerst der Psycho-Krieg gegen Simi, dann das Embargo gegen unseren Verteidigungsminister - würden wir da heil wieder rauskommen?

Gleich mal vorweg: Wir sind heil herausgekommen. Allerdings wissen wir nicht mehr genau, wie und wann das war. Wer im Austria-House nämlich erst mal drin ist, braucht kein Portemonnaie mehr, es ist alles gratis. Und vor allem: Die Österreicher sind grandiose Gastgeber.

Zum Glück haben wir uns am Anfang des Abends ein paar Notizen gemacht:

  • Fürs Kulinarische vergeben wir (inoffizielle) 14 Gault-Millau-Punkte: Das Geschnetzlte und die Spazln waren hervorragend. Das Dessert, irgendwas mit Erdbeeren, ebenso. Der Wein, Vitikult oder Phoenix, und das extra importierte Stiegl-Bier müssen uns ebenso gut geschmeckt haben wie die Schnäpse, aber da hapert's mit dem Gedächtnis. Serviert wurde das alles, das wissen wir hingegen noch, ganz stilecht, von feschen Dirndl und Burschen in Lederhosen.
     
  • Fürs Zwischenmenschliche (und den berühmten Schmäh) gibt's die Höchstnote: Keine Spur von «Bindungsproblemen»! Vielleicht auch, weil unser «Bodyguard», er hiess glaubs Armin, seinen Landsleuten gleich zu Beginn folgendes sagte: «Seids guat zu de Schweiza, de senn a nua Menschn!»

Überhaupt nehmen die Österreicher durchaus Notiz von unseren Problemen: Die Bankenkrise war ebenso ein Thema («wo moast’n hobn mia unsa Göd?») wie auch die Libyen-Affäre («Da Gaddafi, dea Hund, wollt die Schweiz unta Deitschlond, Italien und Frankreich aufteiln. Wieso kriagn mia nix!?»).

Und dann haben wir auch noch mit dem Peter Schröcksnadel, dem Präsidenten des Österreichischen Ski-Verbandes, geplaudert. Das kommt fast einer Audienz gleich, ist der Schröcksnadel doch der mächtigste Österreicher seit Kaiser Franz Joseph I. Unserer Bitte, sich mit der Schweizer Fahne fotografieren zu lassen, wäre er fast nachgekommen. «Jo freilich, wenn sich da Urs Lehmann dafia mit unsera Fahne obliachtn lässt. Frogn’s ihn doch.» Schade - unser Präsi hat mein SMS erst heute gesehen, weil er auf dem Flug zurück in die Schweiz war.

Für die Schweizer Flagge haben wir dann eine andere Verwendung gefunden. Müssen morgen mal nachschauen gehen, ob sie noch dort hängt.
 

Alejandro Velert ist Sportredaktor der Schweizer Illustrierten und verfolgt die Olympischen Spiele gemeinsam mit Fotograf Hervé Le Cunff live vor Ort in Vancouver.

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Kommentare

Javier Vázquez
23. Februar 2010 - 22:02

Alejandro, der Lichtblick des Olympiahimmel! Gibt's auch Bilder von der Party selbst? ;-)

 
 

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