Pierin Vincenz Muss Bundesrat Merz zurücktreten?

Die Finanzkrise hat den Bankenplatz Schweiz durchgeschüttelt, nicht die Raiffeisen Gruppe. CEO Pierin Vincenz, 53, über sein Erfolgsmodell, seine grösste Krise und was er noch lernen will.

Pierin Vincenz


Sitz der Raiffeisen Gruppe, 5. Stock, rosenroter Teppich, Blick über die Stadt. CEO Pierin Vincenz sitzt am Besprechungstisch, greift in die Innentasche seines dunkelblauen Nadelstreifen-Jackets. Er holt ein Bündel Kreditkarten und Frankenscheine hervor - zusammengehalten mit einer Büroklammer. «Ich habe kein Portemonnaie. Und die Münzen stecke ich in Tasche», sagt er und fährt mit der rechten Hand schnell ins Sakko. «Am Abend lege ich sie zu Hause in unsere Spar-Schale - als Sackgeld für meine Töchter Lea und Andrina.» Der Mann hat gletscherblaue Augen und festes graues Haar, Typ Richard Gere. Beim Gespräch schwingt er auf dem Drehstuhl hin und her, nach jedem Schwung rückt er sich die Krawatte zurecht. Es ist Mittag, vor ihm eine Cola light, die er rasch trinkt.

Herr Vincenz, wieviele Cola Light haben sie heute schon getrunken?
Ui, das weiss ich gar nicht. Ich frühstücke nie. Nach dem Aufstehen trinke ich die erste, und dann die zweite… Wenn ich nicht aufpasse... (er streicht sich seinen Bauch). Sobald es nicht mehr so kalt ist, gehe ich morgens um 6 Uhr zwanzig Minuten joggen, danach mache ich Dehnungsübungen. Um zehn nach sieben fahre ich meine Töchter zum Bahnhof, um halb acht bin ich im Büro.

In der Schweiz gibt es 350 selbstständige Raiffeisenbanken mit 1150 Bankstellen. An vier Tagen in der Woche sind Sie in den Banken auf dem Land. Welche Sorgen haben die Kunden?
Nach der Finanz- und Wirtschaftskrise steuern wir jetzt auf eine soziale Krise zu. Die Angst um den Arbeitsplatz beherrscht die Menschen, viele sind arbeitslos geworden oder mussten Konkurs anmelden. Unsere Bankberater auf den Dörfern kennen meist das persönliche Umfeld ihrer Kunden.

Bei der Raiffeisenbank sind die Kunden sind nicht nur Kunden der Bank, sondern auch zum grossen Teil stimmberechtigte Mitglieder. Ist die Genossenschaft ein Modell für die Zukunft?
Ja, auf jeden Fall. Wir sind als Bank langfristig ausgerichtet und nicht wie ein Unternehmen alle drei Monate auf gute Quartalszahlen angewiesen. Alles was im Alltag wichtig ist – wie Wohnen, essen und natürlich Geldgeschäfte – wird am besten lokal oder regional abgewickelt, als Bestandteil des Dorflebens.

Wie Pierin Vincenz zum Urteil des Bundesverwaltungsgerichts über die Herausgabe vonf Kundendaten und die Rolle von Bundesrat Hans-Rudolf Merz steht lesen Sie im vollständigen Interview in Ihrer SI.

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