Am 8. Dezember 2001 veränderte sich das Leben des Skifahrers auf einen Schlag: Silvano Beltrametti stürzte auf der Abfahrt im Val d'Isère, seither sitzt er im Rollstuhl. Zehn Jahre später lässt er den Tag Revue passieren.
Silvano Beltrametti «Unfalltag ist eine Art zweiter Geburtstag»
8. Dezember 2001
Das Abfahrtsrennen in Val d'Isère eröffnete die Weltcup-Saison 2001. Die Bedingungen waren perfekt, die Piste hart und glatt, die Sonne schien. Nach 90 Sekunden unterlief Silvano Beltrametti ein Fehler: Mit 120 km/h flog er bei einer Rechtskurve ins Fangnetz, durchschlug dieses und stürzte ungebremst in ein Waldstück. Retter brachten ihn ins Universitätsspital Grenoble. Die Ärzte stellten fest, dass Beltrametti einen verschobenen Wirbelsäulenbruch hatte an der Stelle des sechsten und siebten Brustwirbels. Das Rückenmark war vollständig durchtrennt. Seither ist Beltrametti querschnittsgelähmt.
Es ist «ein spezieller Tag» für Silvano Beltrametti, 32. Am 8. Dezember vor zehn Jahren stürzte er bei einem Skirennen im Val d'Isère dermassen ungünstig, dass er seither im Rollstuhl sitzt. Heute bezeichnet er das Datum als «eine Art zweiter Geburtstag», sagt Beltrametti der Tageszeitung «Blick». «Schaue ich jetzt zurück, kann ich auch ein wenig stolz sein, mit dem, was seither passiert ist. Zwei, drei Jahre nach dem Unfall war der Schmerz grösser.» Dennoch sei der ganze Tag immernoch präsent, sagt Beltrametti. «Es war ein Kampf ums Überleben! Ich hatte sehr viel Blut in der Lunge. Konnte kaum mehr atmen. Hatte schlimme Rückenschmerzen. Es war brutal, weil ich nicht wusste, ob ich das überlebe.»
SILVANO BELTRAMETTI ÜBER DIE GEDANKEN NACH DEM STURZ
«Ich spürte, dass ich vor der Entscheidung stand, die Augen zu schliessen und einzuschlafen, und der ganze Schmerz geht weg - oder den schwereren Weg zu gehen», erinnert sich Beltrametti. «Man will nicht loslassen», obschon es einfacher gewesen wäre zu sagen, «ich kann nicht mehr, ich schliesse jetzt die Augen».«Aber ich sah auch den anderen Weg. Nein, ich kämpfe, ich will da beiben, ich will jetzt noch nicht gehen.»
... ÜBER DIE DIAGNOSE
90 Minuten nach dem Horrorsturz wurde Silvano Beltrametti im Universitätsspital Grenoble eingeliefert. Als er für erste Röntgenbilder in die Röhre geschoben wurde, wusste er «eigentlich schon, dass es so etwas sein wird wie eine Lähmung. Ich habe unten überhaupt nichts mehr gespürt». Schliesslich überbrachte der Teamarzt ihm die Nachricht, dass Silvano gelähmt bleiben würde. «Das sind schon brutale Momente.»
... ÜBER DAS NEUE LEBEN
«Das grosse Loch ist bei mir nie gekommen», sagt Beltrametti heute. Er träume selten mehr von einem Leben als Skifahrer oder von Skirennen. Er sei sehr glücklich und zufrieden, dennoch würde er «schon auch gerne wieder mal im Pulverschnee an einem tief verschneiten Wintertag den Hang runterfahren. Doch das ist nicht mehr möglich».
In Lenzerheide führt Beltrametti heute ein Hotel mit seiner Frau Edwina. Kinder können die beiden keine kriegen: «Es ist das, was uns das Leben gibt. Man kann nicht immer alles haben, was man sich wünscht. Vielleicht war es der richtige Entscheid - gesteuert von oben.»
Dass die Forschung irgendwann soweit sein könnte, dass Beltrametti wieder gehen könnte, glaubt er nicht. «Das war kurz nach dem Unfall ein Thema. Da konnte ich eben noch nicht in allen Momenten loslassen. Heute ist das weit weg. Es funktioniert ja, so wie es ist. Ich mache das, was geht.»
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Kommentare
Christian Duerig
8. Dezember 2011 - 13:15
Ich bin heute noch wütend über diesen Blödsinn (8. Dez. 2001). Mit Unsinn und Hoffnung konnte ich mich nicht trösten. Crigs