Zu Hause bei Musikerin Anna Känzig Das ist die Frau hinter der «Jeder Rappen zählt»-Hymne

Sie ist hübsch und singt umwerfend schön: Anna Känzig. Mit ihrem Song «Lion's Heart» steuert die Zürcher Pop-Elfe heuer die Hymne zur SRF-Sammelaktion «Jeder Rappen zählt» bei.
Anna Känzig Song Jeder Rappe zählt 2016
© Ornella Cacace

Anna Känzig im Schlafzimmer ihrer Zürcher Wohnung. Gitarre spielt sie, seit sie fünf war.

Die Frau hat etwas Elfenhaftes an sich. Die blauen Augen bezaubernd schön, der Gesang sanft verzaubernd. Anna Känzig 32, ist die Schweizer Elektro-Pop-Elfe. Eine mit einem Löwenherz. «Lion's Heart» heisst ihre Hymne für die diesjährige SRF-Spendenaktion «Jeder Rappen zählt». Der Song stammt aus Känzigs Feder - sie wird am Sonntag in der JRZ-Glasbox auf dem Europaplatz in Luzern so herzergreifend singen, dass sich bei den Zuhörern erst die Herzen öffnen - und dann die Geldbeutel. «Es ist eine grosse Ehre», sagt Anna Känzig «dass ich für diesen Song ausgewählt wurde.»

Ihr Lied handelt von Kindern, die allein auf der Flucht aus Kriegs- und Krisengebieten sind. Sie lässt sie sich von Texten afghanischer und syrischer Flüchtlingskinder im «Spiegel» inspirieren. Sie hat Flucht nie selbst erlebt. Aber Anna kennt sich mit Krisen aus. Mit Ängsten. Unsicherheit. Vor zwei Jahren steckt sie in einer beruflichen Krise, sie kommt mit ihrer Musik nicht weiter und dreht sich im Kreis.

Sie beginnt zu kämpfen. Trainiert Kampfsport. Das gibt ihr Sicherheit. Sie boxt sich so den Kopf frei und durch ihre Schaffenskrise hindurch. Anfang Jahr ist ihr drittes Album, «Sound and Fury», erschienen. Es haut viele um. Hatte Känzig auf ihrem Erstling noch Jazz und Pop gemixt und auf ihrer zweiten CD mit Folk und Country geflirtet, setzt sie nun auf Elektro-Pop und voluminöse Melodien. Als «Soundchamäleon» wurde sie deswegen schon bezeichnet.

Erste Band mit 14

Sie ist «Vollblutmusikerin». Sagt Anna von sich selbst. Angefangen hat alles mit einer Kindergitarre, die sie sich als Fünfjährige zu Weihnachten wünscht. «Einen Moment überlegten meine Eltern, ob das pädagogisch sinnvoll sei», erzählt sie lachend. Klein Anna meints jedoch ernst, nimmt Unterrichtsstunden und «zieht das Ganze mit Biss durch».

Ihre erste Band hat Anna als sie 14 ist: The Panhandles heisst das Quintett. Namensgeber ist der Pfannenstiel, Hausberg von Annas damaligem Zuhause Meilen ZH. Ursprünglich suchten vier Jungs einen Gitarristen. Als Anna sich vorstellt, heisst es plötzlich: Wir haben schon einen gefunden! Dann die Frage: «Kannst du singen?» Anna kann. Anna muss. «Ich wollte unbedingt dabei sein.» Kürzlich kramt sie eine Musikkassette von damals hervor und hört rein. Ihr selbstkritisches Urteil: «Grässlich!»

Selbstbewusster ist Anna geworden. Hat Ängste überwunden. Ihre Unsicherheit bekämpft. Vor allem das zurückliegende Jahr sei «heavy» gewesen. «Ich erlebte einiges, bei dem ich über meinen Schatten springen und aus der Komfortzone rausmusste.»

«Ein verwirrter Geist»

Sie singt vor 40'000 Leuten am Energy Air im Stade de Suisse - und als Support-Act der britischen Synthie-Pop-Band Hurts in der Zürcher Maag Halle. «Ich dachte, das schaffe ich nie.» Aber sie hats geschafft. Sie macht auch ihren Führerausweis. Und das, obwohl ihre Gesangslehrerin befindet: «Ein so verwirrter Geist gehört nicht auf die Strasse.» Und? Anna schafft auch die Fahrprüfung! «Im dritten Anlauf», wie sie sagt. Aber das interessiert jetzt eh keinen mehr. Sie hat den «Blätz» und kann endlich nach Konzerten selbst heimfahren.

Nervosität spürt sie nur noch manchmal. «Ich bekam Tipps von vielen Leuten.» Unter anderem von ihrem Fahrlehrer, «der mir absolute Lockerheit vermittelte». Auch die Zusammenarbeit mit Georg Schlunegger tut ihr gut. Sonst textet und komponiert sie viel allein. Der Produzent aus Roman Camenzinds erfolgreicher Musikproduktionsfirma feilt mit Anna Hand in Hand am Song «Lion's Heart». «Von Georg gibts sofort Feedback.» Das war schon bei ihrem jüngsten Album so. Das stärkt ihr Selbstvertrauen.

Die Pop-Elfe ist gewachsen. Sie ist zierlich und doch stark. Und sie kann zaubern - mit Musik. Mit ihrem «Lion's Heart». Anna und ihr Löwenherz.

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