«Das persönliche Interview» mit Eishockey-Crack Mathias Seger Die dümmste und beste Idee? «Kinder zu kriegen»

Der Uzwiler Eishockey-Profi Mathias Seger wurde mit 1079 Matches Rekord-Spieler der NLA. Im Interview verrät das ZSC-Urgestein einen Berufswunsch, der nie in Erfüllung gehen wird, Tattoos und die Musik, die für ihn prägend war.
Mathias Seger Frau Famile Vater ZSC Eishockey
© Keystone

Am 30. September wurde Seger für 1079 Spiele in der NLA geehrt.

Seit 1996 spielt Mathias Seger in der NLA. Für den Rekord von 1079 Spielen in der höchsten Liga wurde er Ende September im Hallenstadion geehrt. Der 38-jährige Verteidiger und Captain der ZSC Lions, der bereits Rekord-Nationalspieler ist, will das nicht an die grosse Glocke hängen. «Es kommt einfach mit», sagt er. «Aber es macht mich nicht besonders stolz. Ich feiere mich nicht gern. Was es bedeutet, dürfen andere beurteilen.»

«Schweizer Illustrierte»: Mathias Seger, wo tuts Ihnen am Körper weh?
Mathias Seger: Am ganzen (lacht). Ich brauche, ehrlich gesagt, in dieser Phase meiner Karriere am Morgen schon etwas länger, bis ich in die Gänge komme. Es ist ein schleichender Prozess der Abnützung. Aber sonst kann ich ganz zufrieden sein. Mein Körper hat die bisherige Karriere gut überstanden.

Um wie viel Prozent müssten Sie Ihr Arbeitspensum reduzieren, damit Sie massiv glücklicher wären?
In Prozenten ist das schwierig zu sagen. Generell wären mit 38 Jahren weniger Spiele gut für meinen Körper, wegen der Erholung. Und gleichzeitig spiele ich viel lieber, als zu trainieren. Sagen wir etwas weniger von beidem.

Als Sie 16 Jahre alt waren, wie sah da Ihr Zimmer aus?
Schön aufgeräumt (grinst). Und Hockeyposter hingen an der Wand.

Was haben Ihre Eltern Ihnen als Kind immer gesagt?
Mein Vater sagte immer: «Geld wachst mer nöd am Schiibei!»

Mein Körper hat die bisherige Karriere gut überstanden

Sie dürfen Ihren Wohnort neu designen: Aus welchen Städten, Dörfern und Landschaften setzen Sie ihn zusammen?
Ich hätte gerne alle Annehmlichkeiten von Zürich mit einer frischen, ländlichen, hügeligen Landschaft. Und dazu sollte der FC St. Gallen ganz in der Nähe spielen.

Welche Idee haben Sie endgültig begraben?
Als Kind war mein Traumberuf Velomechaniker. Schwer vorstellbar, dass ich das noch werde.

Welche Ihrer Eigenschaften möchten Sie Ihren Kindern vererben? Welche keinesfalls?
Meine Geduld und meine Begeisterungsfähigkeit würde ich gerne weitergeben. Und - okay - ab und zu kann ich schon etwas mürrisch sein. Das müssen sie nicht unbedingt erben.

Wann haben Sie zuletzt etwas Selbstgebasteltes verschenkt?
Auf den Geburtstag der Tochter habe ich eine Kiste mit verschiedenen Landschaften gestaltet. Eine Savanne, einen Bauernhof und so weiter. Ja, ich bin der gaaanz grosse Bastler.

Die bisher beste Idee Ihres Lebens? Und die dümmste?
Kinder zu kriegen. Und Kinder zu kriegen (lacht).

Was in Ihrem Alltag müssten Sie aus ökologischer Sicht dringend verändern?
Ich fahre ja schon oft mit dem Velo. Aber vielleicht sollten wir auf Kunsteis spielen (lacht). Okay, das wäre dann nicht mehr derselbe Sport.

Was wird man in hundert Jahren über die aktuelle Epoche sagen? Wofür wird man uns loben? Wofür verurteilen?
Vielleicht wird man später von dieser Epoche sagen, dass die Menschen damals den Umgang mit Ressourcen lernen mussten. Dass die Technik das Leben völlig veränderte. Im Rückblick wird auch interessant zu sehen sein, wie wir den Umgang mit sozialen Medien gelernt haben. Falls wir das dann wirklich lernen.

Welche Musik soll an Ihrer Beerdigung gespielt werden?
Eine fröhliche.

Was zeigt das Hintergrundbild Ihres Handys?
Meine Kinder.

Folge deinem Herzen

Haben Sie ein Tattoo?
Nein. Sicher nicht. Und ich bereue es gar nicht, dass ich keines habe.

Wie hätte Ihr Vorname als Mädchen gelautet?
Das muss ich mal meine Mutter fragen. Mein zweiter Vorname ist Simon. Vielleicht Simona?

Welchen Spitznamen hatten Sie als Kind?
Madisli. Den hat mir Fredy Leuenberger gegeben (der Vater von SCB-Meistercoach Lars Leuenberger, d. Red.). Wahrscheinlich, weil ich so klein war.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz?
Jaja, sicher. Das war Diana. In der zweiten Klasse. Aber es gibt davon keine Dokumente (grinst). Einen Liebesbrief habe ich jedenfalls nicht geschrieben.

Welche Musik und welche Bücher haben Ihr Leben massiv beeinflusst?
Pearl Jam und Beck sind Bands, die mich durch meine Jugend begleitet haben. Und Bücher? Hmm. «Tiptopf» ist doch für jeden prägend.

Der beste Ratschlag, den Sie je bekommen haben?
Folge deinem Herzen. Darum bin ich als Teenager von Uzwil weg nach Rapperswil gegangen. Es war ein wichtiger Schritt in meiner Karriere. In meinem Leben.

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