Ein neues Haus für seine Familie So leben Bobfahrer Beat Hefti und seine Frauen

Zurück zu den Wurzeln: Bob-Olympiaheld Beat Hefti errichtet für seine Familie in der alten Appenzeller Heimat ein Traumhaus. Und seine vier grossen und kleinen Frauen vermissen die Innerschweiz kaum noch. Die «Schweizer Illustrierte» hat die Familie besucht. 

 So ganz sicher ist sich Beat Hefti nicht. Soll er ihn im Bild zeigen, den wohl speziellsten Bestandteil seines neuen Hauses in Schwellbrunn AR? «Ich habe mir Sprüche anhören müssen wegen des Lifts, den wir eingebaut haben», sagt der Bobpilot. Klar, Hefti ist 38 Jahre alt und topfit. Gattin Sheena, 30, läuft die Treppen vom Keller bis hinauf ins erste Wohngeschoss ebenfalls locker hoch, und die Töchter Amy, 5, Mara, 3, und Jill, 18 Monate, sowieso. «Wir brauchen den Lift tatsächlich noch nicht und haben auch lange überlegt, zumal er uns viel Extrageld gekostet hat. Aber wir sehen es als Investition ins Alter, damit wir auch dann noch das ganze Haus nutzen können.»

Gekommen, um zu bleiben. Die Heftis haben im Mai 2016 ihren bisherigen Wohnsitz in Goldau SZ verlassen, um sich an der Verbindung zwischen Appenzellerland und St. Galler Neckertal eine Zukunft in der Ostschweiz aufzubauen. Tauschen die Aussicht auf Mythen und Rigi gegen den betörenden Blick in den Alpstein. Alpenbitter statt Kafi Luz, Alderbuebe statt Steiner Chilbi - problemlos für Sheena, die Innerschweizerin durch und durch? «Völlig!», kommt es ohne zu zögern, «wir fühlen uns hier schon total daheim. Wir haben tolle Nachbarn, und Herisau oder St. Gallen sind bei Bedarf nahe.»

Für Beat Hefti war der Umzug ohnehin eine Heimkehr. Aufgewachsen in Herisau AR, war er einst seiner grossen Liebe Sheena wegen in den Kanton Schwyz gezogen. Dort schaute sich die Familie auch nach Bauland um, doch dann tat sich plötzlich eine ganz andere Perspektive auf. Im Schwellbrunner Hölzli stand das Elternhaus von Beats Mutter zur Diskussion, das seit 25 Jahren praktisch unbewohnt war. Nur Beat Hefti selbst hatte sich dort vor 13 Jahren eine kleine Einlegerwohnung eingerichtet, in der er sechs Jahre lang wohnte und später mit seiner Familie oft Ferien verbrachte. Hefti beschloss mit Sheena den Umzug, einigte sich mit Bruder Urs und Schwester Susanne über die Auslösung der Erbschaft und war im Oktober 2013 Besitzer des Grundstücks.

Eine Renovation des baufälligen Hauses stand nie zur Debatte. Und so zeichnete der gelernte Zimmermann zusammen mit seinem Bruder, einem Minergie-Fachmann, ein Neubauprojekt. Das sich allerdings gemäss Vorschriften weitgehend an der Optik des vorherigen Gebäudes orientieren musste. Auch beim Bau selbst war Urs Hefti Beats wichtigster Partner, kam regelmässig von seinem Wohnort Savognin nach Schwellbrunn, um Hand anzulegen und den Bau zu beaufsichtigen. Beat arbeitete selbst in jeder freien Minute mit, baute das Haus mit regionalen Handwerkern und tatkräftiger Unterstützung von Verwandten und Freunden von April 2015 bis Mai 2016 auf. Selbst einen Grossteil der Möbel stellte der Profisportler mit den geschickten Händen selbst her. «I be halt immer no chli en Hölzige», sagt er stolz.

Viele Nächte verbrachte der Bob-Profi bei seinen Eltern in Herisau, wenns nach einem harten Trainingstag und anschliessenden Stunden auf der Baustelle nicht mehr für die Heimkehr nach Goldau reichte. «Wir führten ein Jahr lang kaum noch eine Wochenend-Beziehung, sondern eher schon eine Stundenbeziehung», stellt Sheena rückblickend fest, «doch die Opfer, auch von den Kindern, die so oft auf den Papi verzichten mussten, haben sich gelohnt. Jetzt wohnen wir in unserem Traumhaus!»

Die sportliche Karriere allerdings hat unter der intensiven Bauzeit gelitten. «Ich war oft müde, trainierte selten optimal.» Doch nach dem olympischen Silbergewinn von Sotschi im Zweier standen ohnehin Veränderungen in Heftis Bobkarriere an. Mit Anschieber Alex Baumann rief Beat die «Victorinox Bobtrophy» ins Leben, deren Hauptzweck die Rekrutierung von Nachwuchs für die serbelnde Sportart ist. Der Erfolg ist beträchtlich, die Anmeldungen von interessierten und oft auch sehr begabten Athleten sind zahlreich. Das dürfte Beat selbst schon diesen Winter zu Hilfe kommen. Seit sich Partner Baumann vermehrt dem Viererbob widmen wollte und ins Team Rico Peter wechselte, weil Hefti nicht auf den grossen Schlitten setzt, braucht Beat Hefti einen neuen Anschieber. «Ich bin nach wie vor topmotiviert, habe zuletzt zehn Kilo abgenommen und bin körperlich besser zwäg als in Sotschi. Deshalb ist für mich klar, dass ich sicher bis Olympia 2018 in Pyeongchang weiterfahren werde.»

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