Sterneniveau in der Familie «Landfrauenküche»-Gewinnerin zeigt ihr Festtagsmenü

Modern oder traditionell? Herzhaft oder leichte Kost? Was kochen Prominente eigentlich an Weihnachten oder Silvester? Die «Schweizer Illustrierte» hat Mäuschen gespielt und in die Töpfe geschaut. Im dritten Teil präsentiert die Gewinnerin der SRF-Show «Landfrauenküche» ihr persönliches Festtagsmenü.
Weihnachten Menü Tipps von Laundfrauenküche Gewinnerin Sonja Schilt
© Fabienne Bühler

Ehemann Remo und die Kinder helfen Mama Sonja Schilt gerne in der Küche.

Remo hat ein Pflästerli um den Finger, eine Verletzung vom Brotmesser. Aber das hält den Zweitklässler nicht davon ab, mit Elan Gemüse zu raspeln. «Remo ist bei uns für den Salat zuständig, er macht das wirklich gut», sagt Sonja Schilt, 33, Bäue-rin, Mutter und seit ein paar Wochen offizielle Siegerin der SRF-Sendung «Landfrauenküche». Sie schaut ihrem Sohn zu, wie er wortwörtlich und sehr virtuos «Chrut und Rüebli» in die Schüssel schnetzelt. Aus der gelben Peperoni stanzt er mit dem Guetsi-Frömli Sterne aus, das Weihnachtsessen mit den Schwiegereltern soll ein wahres Sternenmenü werden: Zu den Peperonisternli in der Vorspeise gesellt sich sternförmiges Randengemüse zum Hauptgang. Und das Dessert wird mit Zucker-Sternli verziert.

Es ist eines von vielen Fest- und Geburtstagsessen, die in der Familie Schilt jeweils von Mitte Dezember bis Anfang Januar stattfinden. Nur an Heiligabend sind die Schilts ganz für sich und «geniessen die Ruhe». Sonja wohnt mit ihrem Mann und den drei Kindern in einem Chalet in Iseltwald BE am Brienzersee. Hier ist schon Grossvater Christian aufgewachsen, der Vater von Sonjas Ehemann Beat, 38. Nun führt die Familie einen Betrieb mit Kühen, die gleich über der Strasse im Stall hausen. Winters liefern sie Milch, im Sommer wird Alpkäse daraus. Das Häuschen ist klein, aber fein. «Ich mag das Eng-beisammen-Sein», sagt Sonja. Alle drei Kinder teilen sich ein Zimmer. Die Küche wurde modern und offen umgebaut. Während des Kochens schaut Sonja hinaus in den Garten, wo Remo nun seine kleinen Schwestern Melina, 6, und Larina, 3, auf dem Schlitten über den Raureif zieht.

Das Gemüse, das Sonja fürs Sternemenü verarbeitet, lag heute Morgen auch noch da draussen. Die Randen waren bei der Ernte schon gefroren. Wie immer ergibt sich auch die Zusammensetzung des Weihnachtsmenüs durch alles, was vorhanden ist. Die Rindsrouladen für den Hauptgang kommen von Ramona, dem Rind, das Sonjas Vater vor Kurzem geschlach-tet hat. «Alle paar Monate verarbeiten wir eine Kuh zu Salami, Trockenfleisch und Rohesswurst und frieren den Rest ein.» Aktuell gäbe die «Gfrüüri» auch noch Gamsfleisch und Alpensau her. Aber das Rind passt am besten zum selbst produzierten Trockenfleisch, das der Füllung einen geräucherten Geschmack verleiht.

Selbstgeröstete Kürbiskerne aus dem Garten

Die Rouladen sind in der Pfanne, nun müssen sie 90 Minuten vor sich hin köcheln. Sonja ruft zur Vorspeise. Den Salat servieren darf Melina. Sie träumt davon, das mal beruflich zu machen, und ist schon jetzt ein richtiger Profi im Teller-Balancieren. Das Essen richtet Sonja auf Altholz-Platten an, die ihr Mann extra für den TV-Auftritt gefertigt hat. In Schüsselchen, die sie für die Sendung gänggelen musste. «Unser Geschirr hat ja lauter Blätze ab, das konnte ich nicht nehmen.» Schnell streut sie noch ein paar Kürbiskerne in den Salat. Auch die stammen aus dem eigenen Garten. «Wir haben sie getrocknet, geschält und geröstet.» Ein Riesenaufwand, der sich lohnt! Die Vorspeise ist ruck, zuck weggeputzt. Nur Larina mag nicht ganz alles essen. Sie schiebt ihr Schüsselchen zur Mama, damit sie es ausessen kann. «Ich bin
hier sozusagen das Hausschwein», bemerkt Sonja lachend.

Während des Hauptgangs kommt Grosi Heidi in Weihnachtsstimmung. «Sagt, was wünscht ihr euch denn eigentlich?», fragt sie die Kinder. Das Grosi darf als Einzige neben Gotti und Götti etwas unter den Baum legen. Die Eltern verzichten auf Geschenke. «Wir finden, dass die Kinder schon genug beschenkt werden an Weihnachten.» Tatsächlich scheinen nicht mehr viele Wünsche offen zu sein, den Kindern kommt auf jeden Fall so spontan grad keine Antwort fürs Grosi in den Sinn. Remos einziger Wunsch: Er will den Weihnachtsbaum wieder mit dem Grossvater im Wald holen, wie jedes Jahr. Im Dessert steckt richtig viel Liebe. Das zweifarbige Parfait ohne Namen, «nennen wir es doch Honigparfaitmitschoggi», ergänzt mit seiner schweren Süsse wunderbar den fruchtig-säuerlichen Orangen-Feigen-Salat. «Mmh, das war wirklich fein», lobt Schwiegermutter Heidi, der Sonja einen Teil ihres Küchenwissens verdankt. Und Christian findet, er habe halt schon «eine flotte Schwiegertochter». Die Gerühmte winkt die Komplimente ab. Das sei ja nun wirklich nichts Spezielles gewesen.

Diese Bescheidenheit hat sie bereits nach ihrem TV-Sieg an den Tag gelegt. «Ich verstehe immer noch nicht, wie ich gegen all diese talentierten Frauen gewinnen konnte.» Bald steht der nächste Wettbewerb an - dieses Mal gegen ihre neun Vorgängerinnen. Zum Zehn-Jahr-Jubiläum läuft am 14. Januar um 20.10 Uhr auf SRF 1 die Liveshow «SRF bi de Lüt - Landfrauenküche»: die Nacht der Siegerinnen.

Sie wollen die feine Rindsroulade nachkochen? Hier finden Sie das Rezept zum Download:

PDF iconrezept_rindsroulade.pdf

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