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    <title>Montreux Jazz Festival</title>
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    <title>Der Menschenfänger</title>
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                    Claude Nobs        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
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                    Vom Koch zum Konzertchef: Claude Nobs leitet seit 43 Jahren erfolgreich das Montreux Jazz Festival. Stars wie Jamie Cullum, Lily Allen oder Alice Cooper nennen ihn «Daddy» und lieben Racletteessen auf seiner Terrasse.        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&lt;span style=&quot;font-weight: bold;&quot;&gt;Wenn ihn tats&amp;auml;chlich mal jemand nicht kennt, &lt;/span&gt;erz&amp;auml;hlt er gern die Geschichte von Deep Purple. Die englische Rockband hat den Brand des Casinos von Montreux 1971 in ihrem Lied &amp;laquo;Smoke on the Water&amp;raquo; beschrieben. Und ihn darin verewigt: &amp;laquo;Funky Claude was running in and out, pulling kids out the ground &amp;hellip;&amp;raquo;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span style=&quot;font-weight: bold;&quot;&gt;&amp;laquo;Funky Claude - das bin ich!&amp;raquo;,&lt;/span&gt; sagt Claude Nobs. &amp;laquo;Wow!&amp;raquo;, staunen die S&amp;auml;nger der Klaxons und st&amp;uuml;rmen schon in silbernen Umh&amp;auml;ngen die B&amp;uuml;hne. Dabei g&amp;auml;be es noch manche Anekdote. Nobs z&amp;uuml;ckt sie wie eine Visitenkarte. In den 43 Jahren Festivalgeschichte mit &amp;uuml;ber 4000 Konzerten sind von Miles Davis &amp;uuml;ber Nina Simone bis Ray Charles alle grossen Jazzmusiker ins biedere St&amp;auml;dtchen am Genfersee gekommen. Doch Nobs hat von Anfang an auch auf Rock und Pop gesetzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span style=&quot;font-weight: bold;&quot;&gt;Claude Nobs, in Territet VD geboren,&lt;/span&gt; Festival-Erfinder und Selfmade-Musikmanager, sitzt nun in seinem B&amp;uuml;ro hinter der B&amp;uuml;hne. Von hier aus verfolgt er das Konzert per Video&amp;uuml;bertragung - denn er geht nie in den Saal - und isst Sushi. &amp;laquo;Ich habe wenig Ahnung von Musik, kann weder Noten lesen, noch hatte ich Musikunterricht&amp;raquo;, sagt er auf Franz&amp;ouml;sisch, &amp;laquo;hierf&amp;uuml;r habe ich Spezialisten.&amp;raquo; Das klingt kokett, doch man mag ihm glauben. Seine Spezialit&amp;auml;t ist etwas anderes: &amp;laquo;Ich bringe Menschen zusammen.&amp;raquo; Jamie Cullum, der britische Jazz-Pianist, sagt es so: &amp;laquo;In Montreux sein ist wie nach Hause kommen. Claude ist ein Daddy. Seine Gastfreundschaft das Gr&amp;ouml;sste.&amp;raquo; Diese Gastfreundschaft ist Tradition, eng mit dem Menschen Nobs verbunden, der trotz seiner 73 Jahre in keinster Weise k&amp;uuml;rzertreten will.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span style=&quot;font-weight: bold;&quot;&gt;Sie ist aber auch Teil des Marketingkonzepts.&lt;/span&gt; Es ist nachmittags gegen 16 Uhr, als sich Claude Nobs hoch in den H&amp;uuml;geln von Montreux von seinem neuen Chalet 200 Meter zu seinem alten Chalet fahren l&amp;auml;sst, denn es nieselt. Im Garten haben zwei Dutzend Angestellte Tische gedeckt. Der Champagner steht k&amp;uuml;hl, das Raclette ist heiss, die Wurst gebraten. Nobs ist jetzt nerv&amp;ouml;s. Er erwartet seinen alten Freund Quincy Jones, den legend&amp;auml;ren Musikproduzenten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span style=&quot;font-weight: bold;&quot;&gt;Bis dahin f&amp;uuml;hren Angestellte alle Sponsoringpartner,&lt;/span&gt; Freunde, Manager von Plattenfirmen, Musiker durch die H&amp;auml;user. &amp;laquo;Herzlich willkommen&amp;raquo;, sagt eine junge Dame, klappt die Sonnenbrille vor ihre Augen, &amp;laquo;gehen wir ins Heimkino.&amp;raquo; Sie l&amp;auml;uft vorbei an Jugendstil-Lampen, Eisenbahnen, Gitarren. Fast alle M&amp;ouml;bel sind ausrangierte Sofas, St&amp;uuml;hle, Schr&amp;auml;nke aus dem Hotel Montreux Palace, vom Flohmarkt oder von Versteigerungen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&amp;laquo;Funky Claude &amp;ndash; das bin ich!&amp;raquo;&amp;nbsp; Claude Nobs&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span style=&quot;font-weight: bold;&quot;&gt;Im Kino &amp;uuml;bernimmt Thierry Amsallem,&lt;/span&gt; 45. Der schlanke Mann ist seit 23 Jahren Nobs&amp;rsquo; Lebenspartner und ein wichtiger Mitarbeiter. Als Informatikspezialist bearbeitet er das Musikarchiv. Seit 1967 wird jedes Konzert aufgezeichnet. Jeden Tag kann Nobs seinen G&amp;auml;sten das Programm vom Vortag auf einem der x Dutzend Bildschirme pr&amp;auml;sentieren. Gerade spielen Herbie Hancock und Lang Lang. Unterdessen hat sich der Hausherr nach einer Anstandsminute an seinen Schreibtisch im Schlafzimmer zur&amp;uuml;ckgezogen. &amp;laquo;Ich bringe Menschen zusammen, die sich noch nicht kennen. Danach ziehe ich mich zur&amp;uuml;ck, immer&amp;raquo;, sagt er. Nobs als Netzwerker. Und dann probieren die Musiker Neues aus. Das ist der Reiz von Montreux.&lt;br /&gt;
&lt;br style=&quot;font-weight: bold;&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span style=&quot;font-weight: bold;&quot;&gt; Grenzen haben Nobs noch nie interessiert.&lt;/span&gt; Nicht beruflich, schon gar nicht gesundheitlich. Vor drei Jahren liess er sich am Herz operieren. Er hat sein Testament gemacht, ein letztes Mal seinen sensationellen Ausblick genossen, sich dem Skalpell ergeben - und &amp;uuml;berlebt. Heute wiegt er zehn Kilo weniger und f&amp;uuml;hlt sich kr&amp;auml;ftiger als je zuvor. Sein Lebenspartner sagt: &amp;laquo;Er kann nicht still sitzen. Wenn er nichts zu tun hat, l&amp;auml;uft er eben 50-mal die Treppen im Haus hoch und runter. Und er kann nicht allein sein. Wenn niemand da ist, l&amp;auml;dt er sich G&amp;auml;ste ein.&amp;raquo;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span style=&quot;font-weight: bold;&quot;&gt;Grenzen sind f&amp;uuml;r Nobs h&amp;ouml;chstens dazu da, sie zu &amp;uuml;berschreiten.&lt;/span&gt; Nur so kann er seine Visionen verwirklichen. 1967 dauerte das Festival drei Tage, kostete 8000 Franken. Heute geht es 16 Tage, bei einem Budget von 18 Millionen. 1500 Mitarbeiter k&amp;uuml;mmern sich um 350 Konzerte in Bars, Klubs, am See und nat&amp;uuml;rlich in den S&amp;auml;len der Messehalle.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span style=&quot;font-weight: bold;&quot;&gt;Am fr&amp;uuml;hen Abend tut Nobs stets das Gleiche:&lt;/span&gt; Er k&amp;uuml;ndigt die S&amp;auml;nger an. Gerade ist Popsternchen Lily Allen an der Reihe. Dann hastet er im Fracht-Aufzug mit Jamie Cullum zwei Etagen tiefer zur anderen B&amp;uuml;hne. Cullum mit Strubbelfrisur und alten Turnschuhen. Nobs im Issey-Miyake-Massanzug und mit Hosentr&amp;auml;gern, denn er tr&amp;auml;gt nie G&amp;uuml;rtel und sowieso nie Jeans. &lt;u&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/u&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span style=&quot;font-weight: bold;&quot;&gt;Eilig laufen die beiden durchs Halbdunkel.&lt;/span&gt; Der alte Mann, der mit Miles-Davis-Auftritten begann. Der junge Mann, der f&amp;uuml;r Montreux 2009 steht. Nobs hatte immer Gesp&amp;uuml;r f&amp;uuml;r Trends und Erfolg. Die Jazz-Titanen von fr&amp;uuml;her werden alt, sterben, sind gestorben. Mit den Jungen hat sein Lebenswerk Zukunft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span style=&quot;font-weight: bold;&quot;&gt;&amp;laquo;Jamieee Cullummm!&amp;raquo;,&lt;/span&gt; ruft Nobs ins Mikrofon. M&amp;auml;dchen kreischen, Cullum l&amp;auml;uft zum Fl&amp;uuml;gel, Nobs zur&amp;uuml;ck in seine Loge. Auf dem Couchtischchen liegt sein ausgeschaltetes Handy. Er, der sonst 2000 Telefongespr&amp;auml;che im Monat f&amp;uuml;hrt, ist in diesen Tagen nur &amp;uuml;ber Simon, 27, selbst ernannter &amp;laquo;Butler&amp;raquo;, zu erreichen. Gegen ein Uhr morgens l&amp;auml;sst er den B&amp;uuml;rgermeister von Montreux vor, &amp;laquo;Danke f&amp;uuml;rs Konzert&amp;raquo; - &amp;laquo;Bitte, bitte&amp;raquo;. Dann Mitarbeiter eines Sponsors, die eine Uhr schenken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span style=&quot;font-weight: bold;&quot;&gt;Als er noch nicht lesen konnte,&lt;/span&gt; markierte Nobs intuitiv die Schallplatten mit drei Sternchen, die er am liebsten h&amp;ouml;rte. Es war immer Jazz-Musik. Mit zw&amp;ouml;lf kauft er die erste Scheibe f&amp;uuml;r f&amp;uuml;nf Franken, den &amp;laquo;St. Louis Blues&amp;raquo; von Humphrey Lyttelton. Vater Nobs, der B&amp;auml;cker, setzte kaum sp&amp;auml;ter seinen Sohn wegen schlechter Noten vor die T&amp;uuml;r. Nahm ihm das alte Radio, das Grammofon. Claude lernt Koch. Gr&amp;uuml;ndet sp&amp;auml;ter Montreux Jazz. Bleibt aber, wie er sagt, &amp;laquo;Kind - neugierig und enthusiastisch&amp;raquo; in seinem Lebenstraum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span style=&quot;font-weight: bold;&quot;&gt;Rund und gelb steht morgens um f&amp;uuml;nf der Vollmond am Himmel.&lt;/span&gt; Nobs f&amp;auml;hrt schon lange nicht mehr selbst, daf&amp;uuml;r hat er seinen Butler. Zu Hause wird er seine E-Mails schauen, wie jede Nacht. Wenn die Bernhardinerhunde Kiku und Kuki wollen, spaziert er noch mit ihnen durch die Nacht. Dann nimmt Funky Claude seine t&amp;auml;gliche Schlaftablette und legt sich hin. Bei seinem Bett steht ein Spielzeugtelefon. Darauf hat Rockstar Sheryl Crow geschrieben: &amp;laquo;Mein liebster Claude - ich habe Dir alles zu verdanken! F&amp;uuml;r immer Deine - Sheryl.&amp;raquo;&lt;/p&gt;
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      &lt;div class=&quot;field-label&quot;&gt;Veröffentlicht am (neu):&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
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                    &lt;span class=&quot;date-display-single&quot;&gt;11. Juli 2009 - 15:26&lt;/span&gt;        &lt;/div&gt;
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 <pubDate>Sat, 11 Jul 2009 13:26:56 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Brigitte Eggenschwyler</dc:creator>
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