07. Mai 2010 Sofia - Istanbul

Sofia – Istanbul. Sommer, Kebab und Crazy Taxi Driver

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Im Sommer! Und sie reden jetzt türkisch. Und wir natürlich auch. So genannte ‚Gefaltete’ bekommt man zum Beispiel, indem man auf die entsprechende Teigmasse zeigt, sich dabei mehrmals in den Oberarm kneift, eifrig und charmant nickt und die korrekte Anzahl Finger in die Luft hält. Fleischfrei ist einiges komplexer. Oberarmzwicken bei gleichzeitigem Kopfschütteln, Zeigfingerverneinen (mit der rechten Hand) sowie, mit der linken, (korrekter Anzahl) Finger-in-die-Luft-Halten, begleitet von universalsprachlichen Silbenfolgen wie «Vegiç-Vegiç» oder «Käsö-Käsö»).
 
Hohe Kunst des Autofahrens
Die zweihundert Kilometer ab der Grenze bis ins Herz des 20-Millionen-Molochs Istanbul bin ich am Steuer des Lancia Thema von «Vanishing Point» gesessen. Augenaufschlag und ein motiviertes «Merhaba!» für den Grenzwachposten sind Teil der Zauberformel.
Bei einer Mautstelle bin ich dummerweise ins falsche Tor abgezweigt – und dann trotz Sirenengeheul einfach durchgefahren. Kann passieren.
Im Stadtverkehr gelten simple Regeln: Hart dran bleiben, drängeln (wie früher am Skilift), noch vor dem Zweifelsfall hupen und die unter dem Wagen angebrachte, polizeitonähnliche Sirene strategisch einsetzen. Das Allerwichtigste: niemanden reinlassen. Du oder ich ist die Devise. Allseits ungläubige Blicke. Ein Chick, das drei Jungs chauffiert? – Geht gar nicht.
 
Die Mädels von «Ich bin auch ein Auto» sind verspätet. Einer ihrer altersschwächelnden Pneus hat kurz nach der Grenze per Harakiri den Dienst quittiert. Selbst ist die Frau haben sie den Reifenwechsel ohne fremde Hilfe hingekriegt.
 
Unser Hotel (www.sultansinn.com) hat für die lange Fahrt durch das Verkehrschaos mit Traumsicht auf die höchsten Minaretttürme und das Meer belohnt. Beim obligaten Kebab und danach haben wir dasselbe getrunken wie zuhause auch, Efes Bira, aber drei Mal mehr dafür bezahlt.
 
Ost-Popeye im gelben Geschoss
Ein Taxi hat uns spätabends vom Taksim-Platz in die Altstadt zurück gebracht. Schon bevor er wusste, wo wir überhaupt hin wollen, ist der Fahrer losgerollt. Im Sinne von: die hab ich – die geb ich nimmer her. Der Grösste von hat den Beifahrersitz, die anderen vier sind auf der Rückbank dieses Playmobil-Fiats zusammengepfercht. Die sonnenblumengelben Taxis haben in Atatürk-Fan-City ihre eigene Ultimate-Fight-Rallye entwickelt. Unser kompakte, mit ausgeprägten Oberarmmuskeln ausstaffierte Chauffeur ist erfahren in diesem Drohnenrennen. Mit seitlich ausgefahrenen Ellbogen ist er konstant mit 110 durch die Nacht geflitzt. Erlaubt wären etwa 50. Aber stets ist zwischen uns und den vielen anderen Verkehrsteilnehmenden beim Überholen eine Handbreit übrig geblieben. Viva la vida loca!

Sogar die Jungs waren beeindruckt.

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