Mittendrin

André Häfliger mittendrin!

Wo Blitzlichtgewitter ist, ist auch der SI-Chefreporter.

Wie mein Ogi-Kristall in Kofi Annans Tasche wanderte

SI-Chefreporter André Häfliger wollte es genau wissen: Trägt Kofi Annan den Ogi-Kristall - wie vorgeschrieben - in der linken Hosentasche? Der frühere UN-Generalsekretär bestand den Test in der vergangenen Woche mit Bravour! 

Grosser UNO-Saal Nummer 20 im Palais des Nations in Genf. Nach über 35'000 verkauften Exemplaren in Deutsch und Französisch wird das Ogi-Buch «So wa(h)r es» nun auch in englischer Sprache vorgestellt. Zusammen mit Georges Wüthrich durfte ich vor zwei Jahren die Biografie zum 70. Geburtstag des ehemaligen Bundesrates mitverfassen. Die European University, wo Ogi Ehrendoktor ist, hat zur Vernissage geladen. Die Ex-Skistars Roland Collombin und Philipp Roux, Skiakrobat Art Furrer sowie die früheren Korpskommandanten Christophe Keckeis und Jean Abt sind neben 300 Studentinnen und Studenten aus 83 Nationen gekommen.

Fest umarmen sich Kofi Annan und Dölf Ogi zur Begrüssung draussen vor dem Saal. Herzlich begrüsst Annan Ogis Gattin Katrin. Dann habe ich die grosse Ehre. Der einst mächtigste Mann der UNO schmunzelt und weiss: Wenn er mich sieht, gibts den Kristall-Test. Ohne weitere Aufforderung holen wir die Kristalle aus den linken Hosentaschen. Ogi selber, keine Frage, hat ihn auch dabei. Alle sind nach bestandener Prüfung happy.

Ich frage Annan, ob er auch ein Glas Wasser möchte. «Sehr gerne, danke.» In der Aufregung überlasse ich ihm aus Versehen meinen Kristall. Er packt ihn, ebenfalls versehentlich, ein. Erst mitten in den Feierlichkeiten mit UNO-Genf-Chef Michael Moller, EU-Uni-Rektor Dirk Craen, Botschafter Alexandre Fasel und SI-Kolumnist Peter Rothenbühler als Talkmaster bemerke ich: Mein Kristall ist weg!

Im Dezember 2000, 14 Jahre nach Kofi Annan, habe ich ihn von Adolf Ogi erhalten. Gleichzeitig mit Prinz Charles auf dem Flughafen Bern-Belp vor dessen Rückreise vom Schweizer Staatsbesuch nach England. «Er ist weg», flüstere ich Katrin Ogi zu. «Wer ist weg?», fragt sie. «Der Kristall! Ich habe ihn verloren.» Katrin Ogi weist mich auf die Regel Nummer drei hin. «Alles klar», sage ich nur.

Es gibt nämlich drei Regeln beim Ogi-Kristall. Erstens: Immer in der linken Hosentasche tragen. Zweitens: Einmal in der Woche mit Wasser waschen. Drittens: Ogi sofort melden, wenn er verloren geht. Also ab zum Geständnis: «Dölf, mein Kristall ist weg!» Ogi lächelt: «Nichts ist weg! Du hast ihn bei Kofi gelassen, Du Gwaggli!» Es ist mir so peinlich, aber ich muss jetzt Annan fragen: «Herr Generalsekretär, haben Sie zufällig zwei Kristalle in der Hosentasche?» Annan greift in die Tasche: «Ach ja, tatsächlich!»

Erleichtert und dankend nehme ich meinen Kristall zurück. «Wir zwei und unsere Kristalle», sagt Kofi Annan zum Schluss schmunzelnd. Ich weiss, was er meint. Beim WEF in Davos standen wir mal zusammen im Hotellift. Annan wusste damals noch nicht, dass ich auch einen Ogi-Glücksbringer habe. Ich suchte etwas in der Hosentasche, da fiel mir mein Kristall auf den Boden. «Oh, jetzt ist mir mein Kristall runtergefallen», sagte er. Ich meinte lächelnd: «Nein, nein, Herr Generalsekretär, das ist meiner!»

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