Mittendrin

André Häfliger mittendrin!

Wo Blitzlichtgewitter ist, ist auch der SI-Chefreporter.

Mein erstes Selfie - mit Stefanie Heinzmann

Im Tessin geht die Post ab: Am Moon and Stars, dem 11 Jahre alten Festival auf der Piazza Grande in Locarno, übte sich SI-Chefreporter André Häfliger als Selfieman.

Ich gebe es offen zu: Ich bin weder ein Twitterer noch ein Facebookler, auch wenn ich so zwischen 2.00 und 3.00 Uhr morgens noch locker Zeit hätte. Ich war auch nie Autogrammjäger. Und wundere mich schon lange, wo denn all die Bilder schlussendlich landen, die Leute ständig vor mir mit ihren Handys machen. Vorletzte Woche habe ich bemerkt, dass sogar Mitglieder des Bundesrates vom Selfie-Fieber gepackt sind. Also widersetze ich mich diesem Trend nicht länger.

Mein erstes Selfie widme ich, wie es sich gehört, einer Legende, einem grossen Vorbild von mir: Karl Erb. Der gemütliche Kaffee oder das Mineral mit der heute 88-jährigen TV-Ikone im Tessin, wo ich als Primarschüler fünf Jahre lang gewohnt habe (in Tenero), hat Tradition. Seit Jahrzehnten lebt der ehemalige Sportreporter und Mitbegründer der Sportabteilung des Schweizer Fernsehens in unserer Sonnenstube. Wie gerne lausche ich immer wieder seinen spannenden Geschichten, seinen haarscharfen Analysen! Diesmal erzählt er mir von seiner Zeit als Formel-1-Reporter. «Wir waren fast auf verlorenem Posten», so Erb. «Es gab keinerlei aktuellen Zeitangaben. Um herauszufinden, wie es stand, mussten wir unmittelbar an der Strecke mit einer Stoppuhr messen. Fahrer um Fahrer, Runde um Runde, draussen bei Sonne, aber auch Wind und Regen!»

Wahnsinn! Karl Erb hat immer noch Leidenschaft. Für den Sport, für sein Metier. «Bewusst und gewollt» hat er sich von der Öffentlichkeit zurückgezogen. «Ich befinde mich in der Nachspielzeit», sagt er. Wie immer ganz realistisch. Pragmatisch fügt er hinzu: «In dieser Zeit ist es doch nichts als normal, dass man sich zurückzieht. Und einfach dankbar geniesst.» Noch immer schaut er viel Sport am Fernsehen. Und analysiert: «Ich kann die Regisseure heute nicht mehr verstehen. Sie liefern praktisch nur noch abgehackte, zerschnittene Bilder aus den unzähligen Kameras. Das verwirrt oft nur noch, die Gesamtabfolge wird verschleiert.» Herrlich, diesem grossen Mann des Schweizer Sports zuzuhören!

Munter mache ich meine Selfie-Tour weiter. Für einmal ohne Worte: Schauen Sie einfach mal in der Galerie, wenn Sie mögen. Ich bin ehrlich: Ein richtiger Selfie-Fan bin ich nicht geworden. Aber vermutlich sind sie ja einfach nur dazu da, um sie wortlos anzuschauen. Oder irre ich mich?

André Häfliger macht Sommerferien - ab Mitte September bloggt er wieder auf SI online. Alle Blogs von ihm finden Sie im SI-online-Dossier.