Mittendrin

André Häfliger mittendrin!

Wo Blitzlichtgewitter ist, ist auch der SI-Chefreporter.

Burkhalters Gegenlob an Steinmeier

Vor drei Wochen war Deutschlands Aussenminister Frank-Walter Steinmeier gegenüber SI-Chefreporter André Häfliger in Berlin voll des Lobes für dessen Schweizer Amtskollegen Didier Burkhalter. Auf der traditionellen «Schulreise» des Bundesrates gab unser Bundespräsident letzte Woche nun die Blumen zurück.

Wir sind im schönen Val-de-Travers im Kanton Neuenburg. 1500 Besucherinnen und Besucher sind nach Môtiers gekommen, um das neue Haus des Absinths einzuweihen. Und um die Schweizer Landesregierung auf ihrer Durchreise zu treffen. Hautnah und nur mit vereinzelten, diskret verteilten Sicherheitskräften. So etwas gibt es nur in der Schweiz! Auf dem Weg zum Bad in der Menge plaudere ich mit Didier Burkhalter. Als Bundespräsident ist er Gastgeber der «Schulreise» in seinem Heimatkanton. Daneben präsidiert er zur Zeit aber auch die OSZE, die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Sie vermittelt aktiv im Ukraine-Konflikt.

«Vor drei Wochen, an der Feier zum 60-Jahr-Jubiläum des Fussball-Wunders von Bern in der Schweizer Botschaft in Berlin, ist Frank-Walter Steinmeier auf mich zugekommen», erzähle ich Burkhalter. «Und dann?», möchte er wissen. «Dann hat er Sie in vollen Tönen gelobt. Er hat mir gesagt, wie gut Sie ihren Job als OSZE-Chef machen, wie sehr er Ihre Vermittlerrolle in der Ukraine schätze. Und, dass er jede Woche mit Ihnen telefoniert.»

Für einen kurzen Moment ist Didier Burkhalter sprachlos. Und bewegt. Er sagt: «Das ist sehr nett, dass Sie mir dies erzählen, herzlichen Dank.» Und ergänzt: «Ich gebe dieses Lob gerne weiter. Frank-Walter Steinmeier hat ebenfalls grosse Verdienste in der Beschwichtigung des Konfliktes. Er ist sehr engagiert und hat, nicht zuletzt dank seiner langjährigen Erfahrung, ausgezeichnete Kontakte in der ganzen Welt.» Wie schön: Lob und Gegenlob über alle Parteigrenzen hinweg! Steinmeier ist SPD-Politiker, Burkhalter gehört der FDP an. Auch schön: Ein erfolgreicher Politiker ist - wiederum über alle Parteigrenzen hinweg - an seinen richtigen Ort zurückgekehrt. Steinmeier diente schon Bundeskanzler Gerhard Schröder als Aussenminister (und Vize-Kanzler), jetzt bekleidet er dieses Amt in der Koalitionsregierung von Angela Merkel.

So wird die herrliche Reise durch den schönen Kanton Neuenburg plötzlich ganz international gefärbt. Dabei hatte ich Stunden zuvor ein ganz regionales Problem: Ich wartete im falschen Môtiers auf den Bundesrat! Gemütlich sass ich mit Fotograf Marcel Nöcker in Môtier, ohne «s» am Schluss geschrieben. Es ist seelenruhig an den herrlichen Gestaden des Murtensees. Keine Absperrungen, keinerlei Vorbereitungen sind im Gange. Langsam werde ich stutzig, frage die Serviceangestellte, wo denn der Empfang des Bundesrates sei. Sie weiss von nichts. Es dämmert: Wir liegen falsch! Und es ist Geographiestunde: Môtiers liegt im Val-de-Travers, Kanton Neuenburg. Und Môtier am Murtensee. Und erst noch im Kanton Fribourg, wo Didier Burkhalter, auch wenn er seinen Nachbarkanton sehr schätzt, unmöglich sein kann. Peinlich für uns, aber lustig!

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