Mittendrin

André Häfliger mittendrin!

Wo Blitzlichtgewitter ist, ist auch der SI-Chefreporter.

Ein Ogi-Buch für Franz Hohler

Jedes Jahr im Frühling trifft sich in Leipzig an der Buchmesse alles, was in Sachen Schriftkunst Rang und Namen hat. Für SI-Chefreporter André Häfliger war es deshalb eine grosse Ehre und Freude, Franz Hohler eine Biografie über Adolf Ogi aushändigen zu dürfen.

Franz Hohler - das war und ist für mich ein grosses Vorbild. Welch Künstler des Wortes! Welch Meister der Satire! Welch Gastgeber des Geistes! Und welch bodenständiger, umgänglicher und sympathischer Mensch! Lange habe ich mich deshalb auf diesen Moment gefreut: An der Leipziger Buchmesse darf ich Franz Hohler die neuste Biografie von Adolf Ogi übergeben. Es ist das bald 35'000-fach verkaufte Buch, das ich zusammen mit meinem ehemaligen Berufskollegen Georges Wüthrich vor knapp zwei Jahren zum 70. Geburtstag des früheren Bundesrates schreiben durfte.

Ich gebe zu: Ich bin stolz, habe Gänsehaut, als Hohler mit seinem prall gefüllten, schwarzen Rucksack vor mir steht. Er lächelt, als er das Ogi-Bild von Starfotograf Marco Grob auf dem Buchtitel sieht. «Auch wenn wir politisch das Heu nicht auf der gleichen Bühne haben, mag ich Adolf Ogi», sagt Hohler. «Herzlichen Dank, ich freue mich aufs Lesen!» Sagt er und muss schon wieder weiter. An eine nächste Signierstunde, wie immer meisterlich inszeniert. Als sei es ein Ritual, stellt Hohler zuerst sein altes Leder-Etui auf den Tisch, holt dort einer der vielen Signierstifte hervor - köstlich! Dann gibt es nicht nur Unterschriften. Nein, Franz Hohler spricht mit den Menschen, er liest ihnen kurze Passagen aus seinen Büchern vor - herrlich!

Spätestens jetzt weiss ich: Adolf Ogi und Franz Hohler haben zumindest eines gemeinsam: Sie mögen die Menschen! Einer davon ist auch Bertrand Piccard. Vom Abenteurer und Forscher werde ich in Leipzig reich beschenkt: Piccard signiert mir seine soeben erschienene Biografie («Piccard - Pioniere ohne Grenzen»), in welcher auch sein Vater Jaques und sein Grossvater Auguste porträtiert werden. Es ist das Nachfolge-Werk der Ogi-Biografie aus dem Hause Weltbild von Verleger Lukas Heim. «Für meinen Freund André, auf der Entdeckung des Restes meiner Familie», schreibt Piccard. Danke, Bertrand!

Berührt bin ich von dem, was mir der Zürcher Schauspieler und Schriftsteller Martin Hamburger erzählt: «Ich war im November 1989 in Leipzig, als in Berlin die Mauer fiel.» Er habe die berühmten Montags-Demonstrationen vor dem Stasi-Hauptsitz gleich neben dem Schauspielhaus hautnah miterlebt. «Sie fanden auch nach dem friedlichen Mauerfall statt», erinnert sich Hamburger. «Ich sehe heute noch die Ängste und Zweifel in den Gesichtern der Menschen. Lange konnten sie nicht wahrhaben, dass die DDR und ihr Regime tatsächlich am Ende ist.»

Lächeln muss ich wenig später, als ich Erfolgsautor Charles Lewinsky treffe. Der Leipziger Messerummel scheint ihm zu schaffen zu machen. «Ich bin noch nicht lange hier, aber schon fatal erschöpft», sagt Lewinsky. Grinsend fügt er an: «Ich nehme an, ein Besuch der Leipziger Messe wird einem dereinst am Fegefeuer-Portal angerechnet werden.» Hoffen wir es!

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