Mittendrin

André Häfliger mittendrin!

Wo Blitzlichtgewitter ist, ist auch der SI-Chefreporter.

Zur Koch-Prüfung bei Christine Albrecht

Haben Sie sich auch schon gefragt, was eigentlich die ehemalige TV-Ansagerin Christine Albrecht macht? Blogger André Häfliger weiss es und durfte bei ihr zu Hause mitkochen.

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Die Pouletbrüstlis brutzeln in der Bratpfanne. «Ja, ja, das waren noch Zeiten», sagt Christine Albrecht schmunzelnd. Sie meint die Ära des Schweizer Fernsehens, die sie Ende August 1997 beendete, als sie vor der «Tagesschau» ein letztes Mal das Abendprogramm verkündete. Sieben Jahre lang war die Ostschweizerin die jüngste Ansagerin im nationalen Fernsehkanal. «Es war schon speziell, so jung schon so stark und lange im Rampenlicht zu stehen», erinnert sie sich beim Wenden des Fleisches. «Es war eine verrückte Zeit, eine Tätigkeit, die ich nie bereut habe. Ich habe viel Lebenserfahrung sammeln können, viel über andere und vor allem über mich gelernt.»

Ich muss Gas beziehungsweise Strom auf dem Induktions-Herd geben, bin mit meinem Risotto noch etwas hinten nach. Ich lasse mich nicht auf die Äste hinaus, denn neben mir schwingt eine gelernte Köchin die Kelle. Als halber Tessiner trete ich deshalb mit meiner Parade-Beilage an: Safranrisotto nach einem Rezept meines Mamis Graziella. Keine hohe Bocuse-Kunst. Aber grosse Beliebtheit und hohe Erfolgsquote. Der richtige, grosskörnige Reis am Anfang und der feinste aller feinen Parmesan-Käse am Schluss machen es aus. Es gibt schon Vorschuss-Lorbeeren. «Dein Risotto riecht so fein, ich bin sehr gespannt», sagt die 42-Jährige - und richtet feinsäuberlich die reichhaltige Salatschüssel an.

Der frühere TV-Liebling lebt heute mit ihren beiden Kindern, der 12-jährigen Noé und dem 16-jährigen Joël, in einem Zürcher Vorort. «Mami sein ist immer noch die schönste, erfüllendste Tätigkeit», sagt Christine Albrecht. Dabei hat sie schon so viel gemacht in ihrem Leben. Ernährungsberaterin, Model, Radio- und Fernseh-Moderatorin, ausgebildete Journalistin. Bereits nach ihrer Zeit als TV-Ansagerin begann sie sich für Kommunikation, Therapie und Coaching zu interessieren. Sie liess sich als Supervisorin, Coach und Organisationsentwicklerin BSO ausbilden, schloss ihr Studium in Beratungswissenschaft mit dem Mastertitel ab.

Die ehemalige Fernsehfrau hat keinen TV-Apparat mehr. «Das Wenige, das wir noch schauen, holen wir uns im Internet», sagt Albrecht beim Auftischen der Speisen. Seit 13 Jahren ist sie Coach, Atemtherapeutin und Dozentin an verschiedenen Schweizer Hochschulen. Sie biete Kurse an, bildete sich ständig weiter, etwa in östlichen Heilpraktiken und tibetischem Heilyoga. Beim letzten Poulet-Wenden erklärt sie ihr Credo: «Jeder Mensch, der in einer beruflichen und privaten Herausforderung steckt, hat genug Ressourcen für adäquate Veränderung. Er muss nur auf die inneren Stimmen hören. Diese sensitive Wahrnehmung trainiere ich mit den Menschen, die zu mir kommen.»

Unsere inneren Stimmen sagen uns, dass wir Hunger haben. So einfach ist das. Also setzten wir uns zu Tisch - und warten gespannt auf die Urteile von Noé, Joël und Lebensgefährte Thomas. Christine und ich bestehen die Kochprüfung ganz offensichtlich mit Bravour. Es wird gar nichts ausgesetzt, wir werden nur gelobt. Danke! Das grösste Lob aber bekommt die Köchin: für die Krönung des Abends, für ihren köstlichen Quark-Kuchen zum Dessert.

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